Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Unternehmen wandern weiter ab

01.09.2004


Studie: Wirtschaftspolitik muss Standort attraktiver machen



Nach der aktuellen Studie "Investitionen im Ausland" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) setzt sich die Abwanderung deutscher Unternehmen ins Ausland fort. Basierend auf einer Umfrage von 7.500 Unternehmen ist die Zahl derjenigen, die sich in diesem Jahr außerhalb Deutschlands engagieren wollen, von zuletzt 38 Prozent auf 43 Prozent gestiegen. Als Gründe werden nach wie vor Kostenersparnisse (39 Prozent der Nennungen) angeführt, aber schon dicht gefolgt von Absatzchancen (36 Prozent).



Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, sieht den Mittelstand hier dem Trend der Großunternehmen folgen: "Der überregulierte Arbeitsmarkt und die Kostensituation bewegen auch den Mittelstand dazu, mehr im Ausland zu investieren. Aber es ist kein neues Phänomen, dass die Produktionsstandorte den Absatzmärkten folgen. Auch viele mittelständische Unternehmen denken und handeln heute global." Für Ohoven fehlen für Investitionen in Deutschland die richtigen Anreize, Investitionen in ausländische Standorte seien für viele Unternehmer oftmals die bessere Alternative. Letztlich trage dies auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland bei.

Nach der Untersuchung des DIHK sind es besonders Elektrotechnik, Maschinenbau, chemische Industrie sowie die Textilbranche, die in den neuen EU-Ländern in Mittel- und Osteuropa investieren. "Wir gehen davon aus, dass der Anteil im Ausland erbrachter Wertschöpfung an deutschen Produkten weiter wächst", so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes war dieser Anteil bereits bis 2002 auf 39 Prozent angestiegen. Parallel zum Anstieg der Auslandsinvestitionen geht die Planung für Inlandsinvestitionen zurück, im Frühsommer 2004 ergab sich schon ein Rückgang von acht Prozent. Aus der Studie des DIHK geht deutlich hervor, dass der Investitionsstandort der Unternehmen mit der geschäftlichen Lage korrespondiert: Unternehmen mit einer guten Geschäftslage investieren eher im Inland, hingegen wird das Ausland von den Unternehmen bevorzugt, deren Geschäftserwartung eher trübe ist. Der Exportboom, den Deutschland derzeit erlebt, unterstützt zusätzlich den Trend zu Auslandsinvestitionen.

Zwar bedeuten Auslandsinvestitionen nicht zwangsläufig den Verlust von Arbeitsplätzen im Inland, sondern können über Vorleistungen und Vorprodukte auch inländische Standorte positiv stimulieren, aber sie sind nach Ohovens Ansicht ein klares Zeichen dafür, dass woanders bessere Geschäfte gemacht werden können. "Es sind nicht nur der überregulierte Arbeitsmarkt und die im internationalen Vergleich extrem hohen Arbeitskosten, es sind auch die wachsenden Steuer - und Abgabenlasten der Unternehmen und die Bürokratie, die zur schlechten Bewertung unseres Standortes beitragen", so Ohoven. Jede Auslandsinvestition stelle sich somit doch als ein Verlust für die deutsche Wirtschaft dar. Der BVMW-Präsident fordert daher von der Wirtschaftspolitik, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Deutschland als Investitionsstandort wieder attraktiv und profitabel wird. Auch die Situation für Bankkredite sei gerade für viele mittelständische Unternehmen in Deutschland sehr schlecht, führt Ohoven aus: "Die Banken bewerten zu wenig zukunftsorientiert. Gerade neue Geschäftsideen und Geschäftskonzepte scheitern zu oft wegen mangelnden Eigenkapitals. Auch dieser Zustand führt dazu, dass viele mittelständische Unternehmen mit dünner Eigenkapitaldecke gar nicht investieren können, während die kapitalstarken Unternehmen ihre profitableren Auslandsstandorte ausbauen. Die Wirtschaftspolitik muss hier dringend die Weichen neu stellen."

Gunnar Sohn | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.dihk.de
http://www.bvmwonline.de

Weitere Berichte zu: Auslandsinvestition Wirtschaftspolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften