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Im Verbund weniger Pleiten

16.08.2004


Kooperierende Unternehmen sind im Durchschnitt wirtschaftlich stabiler als Unternehmen, die keiner Kooperation angehören. Dies ist zusammengefasst das Ergebnis einer Studie, die das "Centrum für Angewandte Wirtschaftsforschung" der Universität Münster im Auftrag des Zentralverbandes gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) durchgeführt hat.


"Kooperierende Unternehmen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit ein geringeres Insolvenzrisiko als Unternehmen, die keiner Verbundgruppe angehören.", so Prof. Dr. Theresia Theurl, wissenschaftliche Leiterin der Studie. Dr. Christopher Pleister, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), zeigte sich erfreut über die Ergebnisse der Studie, die "die Aktualität des Netzwerkgedankens dokumentieren und unterstreichen, dass Kooperationsmodelle erfolgreich im Wettbewerb bestehen können".

Vor dem Hintergrund einer verstärkt risikoorientierten Kreditvergabepraxis deutscher Banken und der Klage vieler mittelständischer Unternehmen in Deutschland über verschlechterte Finanzierungsbedingungen besteht nach Ansicht von Prof. Theurl die Notwendigkeit, sich verstärkt mit dem Risiko eines Unternehmens und seinen Einflussfaktoren auseinander zu setzen. Kooperationen könnten sowohl die Risiken in der Beschaffung, im Absatz, in der Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, in der Innovationsfähigkeit und bei der Finanzierung mindern und damit letztlich auch das Invsolvenzrisiko verringern.


Die Studie der Universität Münster untersuchte die Bonität von mittelständischen Unternehmen anhand einer Stichprobe von 16.000 kooperierenden Unternehmen und einer Zufallsstichprobe von 15.000 vergleichbaren Unternehmen. Dabei wurde der Creditreform-Bonitätsindex als Indikator für das Risiko der Unternehmen verwendet und zusätzlich zu den Bonitätsfaktoren der Creditreform die Verbundgruppenmitgliedschaft als erklärender Einflussgröße für die Bonität der Unternehmen getestet.

Das Ergebnis ist eindeutig und statistisch signifikant: Kooperierende Unternehmen haben ein besseres Risikoprofil. Die wissenschaftlich und statistisch korrekte Formulierung lautet: Kooperierende Unternehmen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit eines niedrigeren Insolvenzrisikos als nicht-kooperierende Unternehmen. Dies ist eine allgemein gültige Aussage. Liegen Informationen über einzelne Unternehmen vor, können zusätzliche Aussagen über die relative Stärke des Zusammenhangs gemacht werden.

Der Präsident des Zentralverbandes gewerblicher Verbundgruppen, Jochen Graf Schwerin, zeigte sich erfreut, dass aus der Vermutung, die Mitgliedschaft in einer Verbundgruppe wirke sich risikomindernd aus, nun eine "systematisch und statistisch abgesicherte Erkenntnis" geworden sei. Prof. Dr. Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer der Vereine Creditreform, dem führenden Unternehmen für Bonitätsauskünfte, nimmt auch die kooperationsgebundenen Unternehmen selbst in die Pflicht: "Den Unternehmen ist anzuraten, bei Bankgesprächen auf die Kooperation hinzuweisen, um die Finanzierungsbedingungen zu verbessern".

Die Studie wurde erstellt vom Institut für Genossenschaftswesen (Prof. Dr. Theresia Theurl, Diplom-Volkswirt Peter Ebertz) und dem Institut für Ökonometrie und Statistik (Prof. Dr. Mark Trede, Diplom-Volkswirt Thorsten Heimann) der Universität Münster.

Weitere Informationen und der Text der Studie stehen auf den Internet-Seiten des Instituts für Genossenschaftswesen.

Norbert Frie | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifg-muenster.de

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