Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum Aktien out sind

29.07.2004


Kommentar zur Studie des Deutschen Aktieninstitutes von Christopher Kalbhenn

Nach den schmerzhaften Mittelabflüssen der Aktienfonds im ersten Halbjahr kann der deutliche Rückgang der deutschen Aktionärszahlen niemanden mehr überraschen. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass der Verlust von über 500000 Aktionären für den Kapitalmarkt ein herber Rückschlag ist, nachdem ihre Zahl zuvor seit dem zweiten Halbjahr 2002 stabil war.

In zweifacher Hinsicht schlagen sich in den neuen Zahlen des Deutschen Aktieninstituts die Folgen der Übertreibungsphase bis zum Jahr 2000 sowie des anschließenden Crashs nieder. So haben Privatanleger im ersten Halbjahr – anders als 1999 und Anfang 2000 – den kräftigen Anstieg des Aktienmarktes zum Anlass genommen, Gewinne mitzunehmen. Auch wurde die Gelegenheit genutzt, sich mit geringeren Verlusten aus älteren Aktienpositionen zu verabschieden, als dies ein Jahr zuvor möglich gewesen wäre. Außerdem haben die Privatanleger die vielen Betrugsskandale des Neuen Marktes nicht vergessen, zumal sie durch ihre gerichtliche Abarbeitung in den Medien präsent bleiben. Trotz der umfangreichen gesetzgeberischen und regulatorischen Bemühungen zum Schutz des Anlegers wird noch viel Zeit vergehen, bis das Vertrauen in den Aktienmarkt wieder hergestellt ist.

Dass Aktien bei den Anlegern derzeit out sind, hat jedoch auch Ursachen jenseits des Kapitalmarktes. Die Deutschen sind verunsichert, weil ihre Lebensrisiken erheblich zunehmen. Angst vor Arbeitsplatzverlust, die Aussicht auf stagnierende, wenn nicht gar sinkende Löhne, zunehmende Belastungen durch das Gesundheitssystem, die ungelöste Rentenfrage etc. bestimmen derzeit das Handeln großer Teile der Bevölkerung. Die Folge ist eine ausgeprägte Sparneigung mit eindeutiger Bevorzugung sicherer Anlageformen. Dividendentitel sind da nicht gefragt. Wer kauft schon Aktien, wenn er fürchtet, sie ein Jahr später unter Umständen mit Verlust verkaufen zu müssen?

Die gesunkene Aktienakzeptanz ist aber auch Folge einer immer noch unterentwickelten Aktienkultur sowie fehlenden wirtschaftlichen Sachverstands. Beides führt dazu, dass die Anleger zu pessimistisch sind. Wurden im Jahr 2000 bei einem Dax-KGV von über 30 bedenkenlos Aktien gekauft, wird jetzt nicht erkannt, dass bei einem KGV von 13,5 die Risiken überschaubar sind und sich langfristig sogar gute Chancen ergeben. Für Letzteres sprechen nicht zuletzt die gefürchteten Reformen und die Kostensenkungsmaßnahmen der Unternehmen. Auch wenn sie zunächst mit Härten verbunden sind, werden sie langfristig den Wirtschaftsstandort Deutschland stärken und damit sowohl Arbeitsplätze sichern als auch den Aktienmarkt stützen.

| Börsen-Zeitung
Weitere Informationen:
http://www.boersen-zeitung.de

Weitere Berichte zu: Kapitalmarkt Privatanleger

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften