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Technologiefirmen drohen weltweit Vorsprung zu verlieren - Chinas Einfluss auf globale Technologiestandards wächst stetig

28.07.2004


Deloitte berichtet über die Einflussnahme auf Chinas Technologiestandards und die Schaffung langfristiger Marktchancen


China gibt sich mit der Rolle des international größten Konsumgüterproduzenten nicht mehr zufrieden. Das Land profiliert sich zunehmend als treibende Kraft bei der Entwicklung globaler Technologiestandards. Dies geht aus dem neuen Report von Deloitte ("Changing China") hervor, der für die kommenden Jahre einen immer stärkeren Einfluss chinesischer Standardisierungsprojekte auf den globalen Wettbewerb im Sektor Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) prognostiziert.

Die derzeitige Position Chinas als führender Konsument und Produzent verschiedenster High-Tech-Produkte sowie seine günstigen langfristigen Wachstumsprognosen stärken den Einfluss des Landes auf die Entwicklung neuer Technologiestandards nicht nur im eigenen Markt: Chinas Einfluss auf den globalen Technologiesektor wächst proportional zur Akzeptanz chinesischer Technologiestandards.


"Technologieanbieter, die die Auswirkungen der chinesischen ’Standardisierungs-Revolution’ unterschätzen, könnten ihre Marktposition gefährden oder verlieren und haben unter Umständen gravierende Wettbewerbsnachteile", so Dieter Schlereth, Partner in der Global Technology, Media & Telecommunications Industry Group von Deloitte. "China ist in der Lage, seine riesigen Märkte und spektakulären Wachstumsraten bei der Entwicklung von Technologiestandards in die Waagschale zu werfen. Globale High-Tech- und Telekommunikationsunternehmen sollten chinesische Standardisierungsprojekte genau unter die Lupe nehmen und, soweit sinnvoll, mit chinesischen Firmen zusammenarbeiten."

Für Technologieunternehmen ergeben sich vier konkrete Strategien:

Partnerschaft mit "Standard-Settern"

Selektiver Wettbewerb, schwerpunktmäßig in Bereichen, in denen Standards schwerer zu dominieren sind

Spezifisch auf den chinesischen Markt ausgerichtete Innovationen

Wachstum und frühzeitige Kontrolle durch Einstieg in Schwellenmärkte

"Firmen, die bei chinesischen Verbrauchern und der chinesischen Wirtschaft starken Rückhalt besitzen, können am ehesten eigene Standards durchsetzen. Wenn dieser Rückhalt fehlt, ist es besser zu kooperieren als zu konkurrieren", so Schlereth.

Chinesische Behörden und Firmen arbeiten verstärkt an neuen, wirtschaftlich vorteilhaften Technologiestandards für Betriebssysteme und Softwareanwendungen bis hin zu Speichermedien, mobile Kommunikation sowie satellitengestützte Positionierungssysteme. Deloitte geht davon aus, dass chinesische Hersteller versuchen werden, diese Standards zunächst im eigenen Land zu etablieren, um sie dann in Schwellenmärkte wie Südostasien und den Mittleren Osten zu exportieren.

"Wichtig ist es für High-Tech-Unternehmen, Chinas Aktivitäten sorgfältig zu beobachten, die Auswirkungen chinesischer Technologiestandards zu analysieren und die eigenen Strategien entsprechend anzupassen", so Schlereth. "Wer sich nicht daran hält, wird unter Umständen feststellen müssen, dass ihm die Türen des weltweit größten und am schnellsten wachsenden Marktes, der zunehmend von chinesischen Standards dominiert wird, versperrt bleiben."

Beispiele für den Einfluss Chinas auf die Entwicklung von Technologiestandards:

Technologie:

Betriebssysteme

Die chinesische Regierung hat angekündigt, sich künftig verstärkt in Richtung Linux zu orientieren. Damit verschiebt sich das Gleichgewicht in China zu Ungunsten proprietärer Betriebssysteme. China favorisiert Linux, da es mehr oder weniger kostenfrei und möglicherweise sicherer ist als andere Betriebssysteme.

China möchte eine eigene Softwareindustrie aufbauen, die nicht durch ausländische Technologien oder Lizenzgebühren und -bestimmungen gebunden ist. Chinesische Software soll außerdem kostengünstig sein. Das ist ein Ziel, das mit kostenlosen oder niedrigpreisigen Betriebssystemen leichter zu erreichen ist.

RFID

In China wurde eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung nationaler RFID-Standards gegründet. Manche Beobachter meinen, die Gruppe orientiert sich an internationalen Standards, während andere eher von einem chinesischen Alleingang ausgehen. Ein inkompatibler RFID-Standard könnte zwei Interessengruppen gegeneinander ausspielen

die noch junge IT-Industrie des Landes und wichtige Kunden der chinesischen Fertigungsindustrie.

Medien:

EVD

Chinesische Unternehmen versuchen derzeit, einen DVD-Nachfolger namens EVD (Enhanced Versatile Disc) mit besserer Klang- und Bildqualität zu etablieren.

Derzeit müssen chinesische Hersteller hohe DVD-Lizenzgebühren entrichten, die bei Geräten mit einem Einzelhandelspreis von oft unter 60 Dollar zwischen 15 und 22 Dollar liegen. Die EVD-Patente werden von einem Konsortium führender chinesischer Hersteller von DVD-Geräten gehalten.

Audio- und Video-Codierung

China entwickelt aktuell einen eigenen Standard namens AVS für die Komprimierung von Audio- und Videodaten. Dieser Standard konkurriert mit MPEG-4 und H.264 darum, den derzeitig weltweit verwendeten Kompressionsstandard MPEG-2 abzulösen.

EVD basiert derzeit noch auf MPEG-2, von einem Wechsel zu AVS wird jedoch ausgegangen. Chinesische Hersteller wären damit in der Lage, modernste Videogeräte zu produzieren, die ausschließlich auf chinesischen Technologiestandards basieren.

Telekommunikation:

Mobilfunknetze

China verfügt über einen eigenen, global anerkannten 3G-Standard und wird als weltweit größter Mobilfunkmarkt wahrscheinlich auch die Entwicklung eines 4G-Standards entscheidend mitgestalten.

Satellitenpositionierung

Auf dem Markt für satellitengestützte Positionierungssysteme wurden kürzlich durch die Entscheidung Chinas, dem europäischen Galileo-System den Vorzug vor dem US-amerikanischen Global Positioning System zu geben, die Karten neu gemischt. Chinas Unterstützung bedeutet für Galileo einen großen Schritt vorwärts auf dem Weg zum globalen Standard und unterstreicht Chinas starkes Interesse an Raumfahrttechnologie. Der Einstieg Chinas bei den satellitengestützten Positionierungssystemen hat enorme kommerzielle und geopolitische Auswirkungen.

Antonia Wesnitzer | ots
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de

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