Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Studie zu Eigenkapitalstrategien im Mittelstand

12.07.2004


Die Neusser Creditreform und das Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum (ikf) haben mehr als 4.000 Unternehmer kleiner und mittlerer Betriebe in ganz Deutschland nach ihrer Eigenkapitalsituation befragt. Ein zentrales Ergebnis: Nur 23 Prozent der Unternehmer definieren überhaupt Ziele für die Eigenkapitalausstattung. Eine klare Strategie ist vielfach überhaupt nicht vorhanden. Die erhobenen Befunde liefern deutliche Belege dafür, dass Effektivität und Effizienz der bisherigen Aktivitäten deutlich zu wünschen übrig lassen und eine sorgfältige Tourenplanung beim Aufbruch aus dem "Jammertal" erfordern.



Der Mittelstand jammert, auch über ihn wird gejammert - besonders über seine Eigenkapitalschwäche. Die Neusser Creditreform und das Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum (ikf) haben sich im "Jammertal" umgeschaut. Sie befragten mehr als 4.000 Unternehmer kleiner und mittlerer Betriebe in ganz Deutschland nach ihrer Eigenkapitalsituation, um Einblicke in deren Eigenkapitalstrategien zu bekommen. Ein zentrales Ergebnis: Nur 23 Prozent der Unternehmer definieren überhaupt Ziele für die Eigenkapitalausstattung. Eine klare Strategie ist vielfach überhaupt nicht vorhanden. Die erhobenen Befunde liefern deutliche Belege dafür, dass Effektivität und Effizienz der bisherigen Aktivitäten deutlich zu wünschen übrig lassen und eine sorgfältige Tourenplanung beim Aufbruch aus dem Jammertal erfordern.



Beschwerlicher Aufstieg: Die Luft wird dünn

Der Blick hinter die Finanzkulissen offenbart, wie Unternehmer selbst ihre Eigenkapitalsituation bewerten und welche Konsequenzen sie daraus ableiten. Das Ergebnis: Jeder vierte Befragte sieht seine Firma in der Krise. Gefragt nach den wichtigsten Eigenkapitalinstrumenten, dominiert die Umsatzfinanzierung für 80 Prozent der Unternehmen. Doch angesichts der schlechten Konjunktur - die Erträge sind bei lediglich 13 Prozent der Unternehmen gestiegen - bleibt fraglich, wie sich diese Betriebe aus ihren Umsätzen hinreichend finanzieren wollen.

Gut aufgestellt: nur drei von zehn

Die Selbsteinschätzung der Eigenkapitalsituation zeigt ein klares Bild: Nur drei von zehn Unternehmern fühlen sich beim Eigenkapital gut oder sehr gut aufgestellt. Hingegen bewerten zwei von zehn ihre Eigenkapitalsituation mit mangelhaft oder ungenügend - überdurchschnittlich häufig sind dies Gründer- und Krisenunternehmen sowie Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Entsprechend niedrig sind die tatsächlichen Eigenkapitalquoten: Drei von zehn Unternehmen haben eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent und sind damit unterkapitalisiert. Die Unternehmer sind sich ihrer schlechten Lage durchaus bewusst, jedoch zieht gerade einmal die Hälfte Konsequenzen aus dieser Tatsache. Nur 55 Prozent der Befragten, die sich beim Eigenkapital ausreichend bis ungenügend aufgestellt sehen, planen eine Erhöhung der Eigenkapitalquote. Bei 38 Prozent soll sogar alles so bleiben wie es ist.

Lauter Marschgepäck, aber keine Orientierung

Angesichts der Fülle von möglichen Eigenkapitalinstrumenten und -investoren haben drei von vier Unternehmern keine genaue Vorstellung davon, welchen Gipfel sie ansteuern sollen. Nur 23 Prozent der Unternehmer definieren überhaupt Ziele für die Eigenkapitalausstattung. Damit gibt es bei den meisten aber auch keine klare Vorstellung über den einzuschlagenden Weg: Eine Eigenkapitalstrategie ist vielfach nicht vorhanden. Gerade auf Krisenunternehmer trifft dies wiederum zu. Sie unterschätzen die Bedeutung des Eigenkapitals für die Entwicklung ihres Unternehmens. Sie definieren am seltensten Eigenkapitalziele, und sie lassen sich ihre Zeit für eine sorgfältige Eigenkapitalplanung sehr viel häufiger durch das operative Tagesgeschäft nehmen.

Wanderkarte braucht richtigen Maßstab

Nach den Ergebnissen fühlen sich die Mittelständler mit ihren Problemen aber auch allein gelassen und wünschen sich von ihren "Sherpas" die Fähigkeit, sich besser in die Herausforderungen der jeweiligen Lebensphase hineinzudenken. Gründer haben andere Sorgen als Krisenunternehmer, diese wiederum andere als Wachstums- oder Reife-Unternehmer. Aus den unterschiedlichen Problemlagen erwächst dann die Notwendigkeit, anstelle einer gleichförmigen Behandlung des Mittelstandes stärker individualisierte Eigenkapitalstrategien zu erarbeiten. Das Kartenkonzept lautet: Den Maßstab lieber kleiner wählen; denn sonst werden gerade für kleine und mittlere Unternehmen erfolgreiche Pfade übersehen, die abseits der großen Wanderrouten verlaufen.

Tourenplanung lohnt

Die Befragung zeigt, dass Betriebe für eine akkurate Ausarbeitung einer Eigenkapitalstrategie belohnt werden. Die Untersuchung misst einen starken Zusammenhang zwischen finanzbezogenem Entscheidungsverhalten und Geschäftserfolg. So sind unter den Unternehmen, die ihre Geschäftslage gut oder sogar sehr gut beurteilen, überdurchschnittlich viele, die dem Eigenkapital eine sehr wichtige Rolle für die Unternehmensentwicklung zuerkennen und sich auch die Zeit nehmen, Eigenkapitalziele zu definieren.

Weitere Informationen

Dr. Stefan Stein, Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum (ikf), 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25344, E-Mail: stefan.stein@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Praktisch keine Rezessionsgefahr, Wirtschaft auf stabilem Aufschwungpfad
15.11.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt kräftig
30.10.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie