Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Qualität in der Arbeit für mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit

07.06.2004


IAT-Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Bosch zu Auswirkungen von Weiterbildung, familienfreundlichen Maßnahmen, Arbeits- und Gesundheitsschutz



Wer mit seinem Job zufrieden ist, arbeitet besser. In den letzten Jahren ist jedoch die Qualität der Arbeit in der öffentlichen Diskussion in den Hintergrund getreten - immer wieder ist zu hören, dass "ein schlechter Arbeitsplatz besser als kein Arbeitsplatz" sei. Aber gute Arbeitsbedingungen zahlen sich aus: Weiterbildung als Karrieresprungbrett, der Betriebskindergarten, der nach der Mutterschaftspause eine schnelle Rückkehr in den Beruf ermöglicht, oder eine fortschrittliche Arbeitsorganisation, die den Einzelnen nicht einengt sondern mehr Handlungsspielraum eröffnet, sind heute Qualitätskriterien, die nicht nur persönliche Vorteile bringen, sondern nachweislich Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen verbessern. Zu diesen Schlussfolgerungen kommt der Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen), in aktuellen Untersuchungen zur "Qualität in der Arbeit".



Die "Qualität" des Arbeitsplatzes wird u.a. durch Weiterbildung, Arbeitsschutz, Gesundheitsförderung etc. bestimmt. So können Bildung und Weiterbildung viele Aspekte der Arbeit verbessern: Abbau von Stress durch höhere Qualifikation, verbesserte Zusammenarbeit mit Kollegen, Förderung der Gesundheit und Verringerung von Arbeitsunfällen. Neben den "weichen" Faktoren zählen natürlich "harte Fakten" wie beruflicher Aufstieg oder Gehaltsverbesserung nach einer Weiterbildung - und für den Betrieb die erhöhte Produktivität. Trotz des persönlichen Nutzens - 70 bis 90 Prozent der Teilnehmer von Weiterbildungsmaßnahmen sehen das so - verzichten viele andere, weil sie die Notwendigkeit nicht einschätzen können. Insbesondere Ältere, aber auch Teilzeitbeschäftigte und Geringqualifizierte gehören dazu. "Die Bereitschaft und Chancen zur Teilnahme am lebenslangen Lernen sind ungleich verteilt", so Bosch, der auch Mitglied der Expertenkommission "Förderung Lebenslangen Lernens" ist. Hier bestehe die Gefahr, dass ganze Beschäftigtengruppen vom Lernen ausgeschlossen werden und langfristig zu den Risikogruppen auf dem Arbeitsmarkt werden.

Auch die Arbeitsorganisation wirkt sich auf das Lernen aus: Eine restriktive Arbeitsorganisation, die die Handlungsspielräume der Beschäftigten einengt und ihre Entwicklungspotenziale beschneidet, verursacht nicht alleine hohe Gesundheitskosten, sondern schließt die Beschäftigten auch vom arbeitsplatznahen Lernen aus, vom dem Beschäftigte in innovativen Betrieben profitieren. "Die Erweiterung der Handlungsspielräume in der Arbeitsorganisation spielt eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Qualität der Arbeit", so Bosch. Veränderungen in der Arbeitsorganisation, wie die Einführung von Gruppenarbeit, job enrichment oder Rotation, wirken sich direkt auf die Gesundheit aus und rechnen sich - zusätzlich zur Produktivitätssteigerung - durch den verringerten Krankenstand auch für die Unternehmen.

Ein heute immer wichtigeres Kriterium für die Qualität eines Arbeitsplatzes ist die Vereinbarkeit von Arbeitsleben und Familie. In Westdeutschland arbeiten nur 13 Prozent der Mütter von Kindern unter drei Jahren. Die meisten befinden sich im Erziehungsurlaub. Nach dem dritten Lebensjahr des Kindes arbeitet die Mehrheit (59 Prozent) wieder, die meisten von ihnen aber nur Teilzeit. Rund 25 Prozent der Frauen sind dann arbeitslos. In Ostdeutschland kehrt ein wesentlich höherer Anteil der Frauen nach dem dritten Lebensjahr des Kindes in Vollzeitarbeit zurück. Durch das Ausscheiden bzw. die Erwerbsunterbrechung von Eltern kleiner Kinder entstehen einem Betrieb im Durchschnitt Kosten von rd. 35 000 Euro im Jahr. Familienfreundliche Maßnahmen - von Wiedereinstiegsprogrammen über Arbeitszeitregelungen bis zum Betriebskindergarten - führen zwar zu zusätzlichen Aufwendungen, können aber dazu beitragen, die Kosten der Erwerbsunterbrechung erheblich zu senken. Bosch: "Auch hier zeigt sich: Qualität in der Arbeit ist kein Kostenfaktor, vielmehr hilft sie, Kosten zu sparen!" In einer wissensbasierten Ökonomie können Qualität und Quantität nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer auf Rekordstand
29.01.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Containerumschlag unverändert
23.01.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics