Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Facetten einer "Risikoökonomie"

04.05.2004


Ein Buch von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Witten/Herdecke zeigt Facetten einer "Risikoökonomie".

... mehr zu:
»Individuum

Ulrich Beck prägte den Begriff der Risikogesellschaft. Er bezeichnet damit eine Gesellschaft, die sich mehr und mehr ihrer eigenen Gefährdungen bewusst wird. Immer weitere Bereiche des Gesellschaftlichen werden als Risiko empfunden und entsprechende Abwehrstrategien dagegen ersonnen.

Das Buch "Risikoökonomie", in der Reihe der Wittener Jahrbücher für ökonomische Literatur herausgegeben von Felix Lowinski und Birger P. Priddat, versucht dem Risikobegriff etwas Konstruktives abzugewinnen - wenn auch nur bezogen auf die Welt des ökonomischen Handelns: "Als Lernvorgang begriffen, bewirkt allerdings erst der Fehler, dass Risiken bei künftigen Entscheidungen verringert werden. Oder um es anders auszudrücken: Aus Fehlern lernen heißt, die Chancenhaftigkeit von Fehlern zu erkennen. Dies gilt für das Individuum genauso wie - im Prinzip - für Organisationen."


Mit diesem Statement hebt sich das Buch deutlich ab von dem allgemein herrschenden Risiko-Trübsinn. Die Frage ist nur: Sind Individuen, sind Organisationen bereits so aufgestellt und so strukturiert, dass sie in Fehlern nicht nur individuelles und kollektives Versagen erkennen, sondern auch die Chance auf Besserung? Welche Spielräume lässt der gesetzliche Rahmen und das Haftungsrecht? Ganz offensichtlich lässt sich "die" Wirtschaft hier nicht über einen Argumentationskamm scheren: Sicher sollte der Betrieb von Atomkraftwerken auch künftig so wenig risiko- und fehlerbehaftet sein wie möglich. Das gleiche gilt für die chemische Industrie und die Gentechnik. Ein Learning by doing wäre hier mit verheerenden Folgen verbunden. Andererseits gibt es durchaus Bereiche des ökonomischen Handelns, in denen eine größere Fehlerfreundlichkeit, ein größere Risikobereitschaft angezeigt wäre. Welcher Existenzgründer hätte sich nicht schon über die restriktive Kreditvergabepraxis der Banken geärgert? Andererseits: Welche Bank hätte sich nicht schon über geplatzte Kredite geärgert und damit über ihre Fehleinschätzung des Kreditrisikos. Man sieht an solchen Beispielen: Risiko ist ein höchst dialektisches Phänomen und abhängig vom Beobachtungsstandpunkt.

Das Buch Risikoökonomie versucht, sich aus einer Vielfalt von Perspektiven dem Phänomen des Risikos zu nähern. So schreibt z.B. Heman Agraval über "Global Political Economy of Risk", Markus Giesler über "Collective Risk", Ralf Fröchtenicht und Friederike Wall liefern "Beiträge der Naturwissenschaften für das Risikomanagement in Unternehmen."

Felix Lowinski, Birger Priddat (Hg.): "Risikoökonomie - Spektren des Risikos in Wirtschaft und Gesellschaft, Marburg (Metropolis) 2003, 278 Seiten, ISBN 3895184470, Preis: 29,80 Euro

Kontakt: Felix Lowinski, Tel.: 02302/926-519, Mail: Felix.Lowinski@uni-wh.de

Dr. Olaf Kaltenborn | PU Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de/wiwi/

Weitere Berichte zu: Individuum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Containerumschlag unverändert
23.01.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

CES Innovation Award für kombinierte Blick- und Spracheingabe im Auto

23.01.2018 | Förderungen Preise

Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

23.01.2018 | Physik Astronomie

Neue Formeln zur Erforschung der Altersstruktur nicht-linearer dynamischer Systeme

23.01.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics