Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Corporate Governance eher Pflichtübung als Überzeugungstat

06.04.2004

Weltweite PwC-Untersuchung bei Finanzunternehmen ergibt: Corporate Governance hat Managementabläufe nachhaltig verändert, aber die Kommunikation mit Kunden, Mitarbeitern und Partnern ist verbesserungswürdig

Die Einführung von Richtlinien für eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Governance) hat in den vergangenen beiden Jahren weltweit starken Einfluss auf börsennotierte Unternehmen gehabt. Allerdings scheinen die Unternehmensvertreter die damit einhergehenden Veränderungen weniger aus eigener Überzeugung, sondern eher auf das Drängen von Aufsichtsbehörden eingeleitet zu haben. So ist denn auch das Kommunikationsverhalten vieler Unternehmen verbesserungswürdig.

... mehr zu:
»PwC

Dies belegt die aktuelle Umfrage Governance: From compliance to strategic advantage von PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Economist Intelligence Unit, einem führenden Anbieter von Länder-, Branchen- und Managementanalysen, unter leitenden Angestellten von Finanzdienstleistungsunternehmen in aller Welt. Zwischen Februar und März dieses Jahres wurden insgesamt 207 Führungskräfte aus Finanzunternehmen in Asien, Europa und Nordamerika befragt; die Ergebnisse wurden um Einzelinterviews und Eigenrecherchen ergänzt. Im Rahmen der Untersuchung geben 77 Prozent der Befragten an, dass sich das Risikomanagement und die Abläufe in ihrem Konzern in den vergangenen beiden Jahren verändert hätten. 74 Prozent erklären, dass die Unternehmensleitung der Corporate Governance mehr Nachdruck verliehen habe, und 69 Prozent sind der Auffassung, die Prozesse für Risikomanagement in ihrer Firma seien besser geworden. Allerdings meinen nur 53 Prozent der Manager, dass sich die Qualität der Informationen und die Maßstäbe zur Bewertung von Risiken verbessert hätten. Etwas weniger als die Hälfte erklärt, die Geschäftsführung habe jetzt Zugriff auf mehr zukunftsorientierte Daten. Insgesamt aber entsteht der Eindruck, so die Autoren der Untersuchung, dass die Veränderungen in der Unternehmensführung vor allem auf Grund der Erwartungen von Aufsichtsbehörden und Gesetzgebern erfolgt sind und nicht mit dem Ziel, die Managementqualität insgesamt zu verbessern und den Dialog mit wichtigen Interessensgruppen auszubauen.

Kontrollen und die Erfüllung von Auflagen haben Priorität

Weltweit eingeführte Maßstäbe zur Corporate Governance sind eine Reaktion auf die Skandale, die sich vor zwei Jahren bei Unternehmen in den Vereinigten Staaten aber auch in vielen anderen Ländern ereignet haben. Ziel der Leitlinien ist es, die Transparenz von börsennotierten Gesellschaften für Anleger und die Öffentlichkeit zu erhöhen und das Vertrauen in die Wirtschaft allgemein zu verbessern.

Von vielen Managern wird Corporate Governance demzufolge vor allem als die Erfüllung von gesetzlichen Auflagen verstanden. So geben 72 Prozent der Interviewten an, sie hätten nun regelmäßiger Kontakt zu den Aufsichtsbehörden. Passend dazu die Antworten auf die Frage, welche die wichtigsten Prioritäten für die Geschäftsführung seien: angemessene interne Kontrollen zu gewährleisten (69 Prozent) und gesetzliche Auflagen einzuhalten (53 Prozent) werden als besonders kritisch angesehen. Immerhin 54 Prozent der Befragten sehen eine Priorität darin, die Unternehmensstrategie zu hinterfragen und zu verfeinern.

"Corporate Governance darf nicht als Funktion verstanden werden, die irgendwo im Unternehmen angesiedelt wird, um Problemen mit den Behörden aus dem Weg zu gehen", sagt dazu Herbert Sahm, Partner bei PwC im Bereich Financial Services. "Sie soll stattdessen eine generelle Einstellung aller Mitarbeiter sein, um Risiken zu verringern, Abläufe zu optimieren und die Qualität des Unternehmens insgesamt zu verbessern."

Mitarbeiter werden nicht als Zielgruppe wahrgenommen

Wie die Untersuchung zeigt, ist offensichtlich auch das Kommunikationsverhalten vieler Firmen nach innen und außen verbesserungswürdig. Zwar sehen 97 Prozent der Befragten den Ruf als integres Unternehmen als einen Wettbewerbsvorteil an. 77 Prozent nennen Kunden, 71 Prozent die Anteilseigner als relevante Interessensgruppen ihres Unternehmens. Doch nur die Hälfte der Manager ist der Auffassung, dass sich der Dialog mit ihren Kunden in den vergangenen beiden Jahren verbessert habe. 43 Prozent betrachten Mitarbeiter, weitere 40 Prozent Rating-Agenturen und Zulieferer nicht als wichtige Zielgruppen ihrer Kommunikation.

Mitbestimmung als Problemfaktor genannt

Ein interessantes Ergebnis der Studie ist auch, dass Vertreter inländischer Firmen eine speziell deutsche Besonderheit der Unternehmensführung kritisieren - das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer, das es ihren Vertretern erlaubt, Einfluss auf strategisch wichtige Entscheidungen auszuüben.

Herbert Sahm | PriceWaterhouseCoopers
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com/financialservices

Weitere Berichte zu: PwC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Praktisch keine Rezessionsgefahr, Wirtschaft auf stabilem Aufschwungpfad
15.11.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer steigt kräftig
30.10.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spin-Strom aus Wärme: Neues Material für höhere Effizienz

20.11.2017 | Physik Astronomie

Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Fall aus dem Datenrettungslabor – USB Sticks mit fehlerhaften Angaben

20.11.2017 | Unternehmensmeldung