Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Langjähriger Aufwärtstrend bei Firmeninsolvenzen gestoppt

18.03.2004


Der langjährige Aufwärtstrend bei den Firmeninsolvenzen ist gestoppt - Zahl der Insolvenzen von Gesellschaften wuchs im vergangenen Jahr nur noch um knapp ein Prozent

Die Zahl der Firmeninsolvenzen wird in diesem Jahr um circa 4,6 Prozent auf 37.500 sinken. Sie wird damit etwa genauso hoch wie im Jahr 2002 sein. Damit wird der seit mehr als zehn Jahren andauernde Negativtrend der ständig wachsenden Zahl von Firmenpleiten endlich gestoppt und umgekehrt. Diese Prognose gab heute die volkswirtschaftliche Abteilung der Bremer Seghorn Inkasso GmbH gegenüber der Presse ab. Für das abgelaufene Jahr 2003 meldet das Unternehmen eine Zahl von 39.320 Firmeninsolvenzen in Deutschland. Das waren 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

· Erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen

Im Bundesdurchschnitt schlitterte 2003 jedes 74. Unternehmen in die Pleite. Dabei gab es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während in Sachsen-Anhalt jedes 37. Unternehmen den Insolvenzantrag stellen musste, war hiervon in Baden-Württemberg nur jede 127. Firma betroffen. Die herausragendste Risikogruppe war im vergangenen Jahr wieder das Baugewerbe, auf das jede vierte Pleite entfiel. Darüber hinaus gab es besonders viele Insolvenzen im Facheinzelhandel, im Gastgewerbe und in Teilsparten des verarbeitenden Gewerbes. Insgesamt verloren in den insolventen Firmen rund 220.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger mussten rund 31 Milliarden Euro offener Forderungen anmelden.

· Lichtblick vor allem für GmbH und Personengesellschaften

Auch hinsichtlich der Rechtsformen gab es erhebliche Unterschiede. So hat die Zahl der insolventen Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) im letzten Jahr "nur" noch um rund 1,3 Prozent von 19.770 auf rund 20.034 zugenommen. Auf den jeweiligen Vorjahresmonat bezogen ist die Zahl der GmbH-Pleiten seit dem Herbst 2003 sogar rückläufig gewesen. Nach zwei Jahren mit zweistelligen Zuwächsen in Höhe von 12,8 beziehungsweise 10,7 Prozent scheint sich damit bei den als GmbH organisierten deutschen Firmen der Beginn einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage abzuzeichnen.

Eine ähnliche Situation ergibt sich auch bei den Personengesellschaften, von denen 2003 mit etwa 3.269 nochmals rund 2,4 Prozent mehr in die Insolvenz gingen als im Vorjahr (3.194). Die Zuwachsraten für die Personengesellschaften lagen jedoch 2001 mit 18,7 und 2002 mit 21,7 Prozent deutlich höher als im vergangenen Jahr.

· "Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt"

"Nachdem sich in mehreren harten Jahren wohl die Spreu vom Weizen getrennt hat, scheint die dramatische Aufwärtsentwicklung bei den Firmeninsolvenzzahlen zumindest bei den Personengesellschaften und den GmbH im letzten Jahr gestoppt worden zu sein", sagte hierzu Seghorn-Geschäftsführer Stephan Jender gegenüber der Presse.

· Entwicklung bei Kleingewerbe, Einzelunternehmen und den Freien Berufen weiterhin dramatisch

Dramatisch bleibt die Entwicklung bei den Insolvenzen im Bereich des Kleingewerbes, der Einzelunternehmen und der Freien Berufe. Hier kam im letzten Jahr für knapp 15.041 Unternehmen das "Aus" in Form eines Insolvenzantrages. Das waren elf Prozent mehr als 2002 (13.554). Allerdings werden hiervon im Gegensatz zu den Personen- und Kapitalgesellschaften mit knapp drei Viertel weitaus mehr Insolvenzverfahren auch tatsächlich eröffnet.

Einer der Gründe hierfür ist laut Jender die jetzt mögliche Stundung von Verfahrenskosten für den Schuldner, der als persönlich haftender Inhaber eines solchen Betriebes in die Pleite schlittert. Diese Kostenunterstützung erleichtert die Eröffnung des Verfahrens häufig erheblich, oft wird sie dadurch überhaupt erst möglich.

· 2003 gingen mehr ältere Unternehmen pleite

Abweichend vom Gesamttrend hat die Zahl der Unternehmen, die älter als acht Jahre waren und Pleite machten, 2003 gegenüber dem Vorjahr um rund zehn Prozent zugenommen. Auffällig ist dabei jedoch, dass bei Firmen in dieser Altersklasse das Insolvenzverfahren in zwei Drittel der Fälle auch tatsächlich eröffnet wurde. Noch vor wenigen Jahren lag diese Quote bei den älteren Firmen viel niedriger. Nur etwa die Hälfte der Verfahren wurde damals tatsächlich eröffnet.

"Diese Entwicklung ist für die Geschäftspartner der sich in der misslichen Lage der Zahlungsunfähigkeit befindlichen Firmen zumindest ein kleiner Lichtblick, denn ein nicht eröffnetes Verfahren ist gleichbedeutend mit einem Totalverlust der offenen Forderung", so Stephan Jender.

Für die Gläubiger jüngerer Firmen bleibt es allerdings bei dem höheren Risiko, denn laut Seghorn-Inkasso wird dort weiterhin rund die Hälfte der Insolvenzverfahren mangels Masse gar nicht eröffnet.

Stephan Jender | Seghorn-Inkasso GmbH
Weitere Informationen:
http://www.inkasso-report.de

Weitere Berichte zu: Firmeninsolvenz Insolvenz Insolvenzverfahren

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten