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Die Konjunktur gewinnt an Fahrt

13.02.2004


In Deutschland hat sich die Konjunktur im zweiten Halbjahr 2003 deutlich belebt. Dies lag erneut vor allem an der zunehmenden Nachfrage aus den Ausland, während die Binnennachfrage erst zum Jahresende anzog. Für 2004 bleibt das RWI daher bei seiner Prognose eines BIP-Wachstums von 1,8%. 2005 wird eine anhaltend positive Grundtendenz erwartet, das BIP dürfte sich um etwa 2% ausweiten.

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Die internationale Konjunktur hat sich in der zweiten Hälfte des Jahres 2003 rasch belebt. Es bildete sich ein recht robuster wirtschaftlicher Aufschwung heraus, angetrieben von den Vereinigten Staaten sowie den asiatischen Schwellenländern und China. Zum einen fielen die Sonderfaktoren Irak-Krieg, Aktienkursverfall und SARS weg, die das erste Halbjahr belastet hatten. Zum anderen wirkte die Wirtschaftspolitik per Saldo expansiv, wenn auch deutlich differenziert zwischen den Regionen.

In den Vereinigten Staaten war die Expansion dank neuerlicher Impulse durch die Wirtschaftspolitik unerwartet kräftig. Mittlerweile wird der Aufschwung aber auch von den Investitionen getragen, und die Exporte nehmen aufgrund der Abwertung des Dollar rascher zu als zuvor. Wir erwarten, dass das BIP der USA in diesem Jahr um 4,25% und im kommenden bei leicht restriktiver Wirtschaftspolitik um 3,75% ausgeweitet wird.


Im Euro-Raum expandierte die Wirtschaft im Sog der anziehenden Weltkonjunktur und einer expansiv ausgerichteten Geldpolitk in der zweiten Hälfte des Jahres 2003 wieder spürbar. Die Finanzpolitik nahm höhere Defizite hin, um die Maastricht-Kriterien zukünftig zu erfüllen. Sie dürfte 2004 einen vorsichtigen Konsolidierungskurs einleiten und diesen 2005 verstärken. Die Inlandsnachfrage wächst deshalb zunächst weiter moderat, und der Aufschwung wird - trotz der Höherbewertung des Euro - vorerst vom Export getragen. Das BIP dürfte in diesem Jahr um knapp 2% und im kommenden Jahr um 2,25% zunehmen.

Eckwerte der Prognose für 2004 und 2005

2003 bis 2005

2003S

2004p

2005p

Bruttoinlandsprodukt1, Veränderung in %

-0,1

1,8

2,0

Erwerbstätige2, in 1 000

38 250

38 250

38 490

Arbeitslose3, in 1 000

4 377

4 230

4 030

Arbeitslosenquote4, in %

10,3

10,0

9,5

Verbraucherpreise5, Veränderung in %

1,1

1,3

1,2

Lohnstückkosten6, Veränderung in %

0,6

-0,1

-0,1

Finanzierungssaldo des Staates7,
in Mrd. Euro
in % des BIP


-86,0
-4,0


-75,0
-3,5


-76,0
-2,9

Leistungsbilanzsaldo8, in Mrd. Euro

50,9

55,0

60,0

Eigene Berechnungen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt für Arbeit; Veränderung jeweils gegenüber dem Vorjahr. - 1In Preisen von 1995. - 2Im Inland. - 3Nationale Abgrenzung. - 4Bezogen auf inländische Erwerbspersonen. - 5Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte. - 6Arbeitnehmerentgelte je Beschäftigten bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen. - 7In der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. - 8In der Abgrenzung der Zahlungsbilanzstatistik. - STeilweise geschätzt. - pEigene Prognose.



In Deutschland setzte im zweiten Halbjahr 2003 eine spürbare Belebung der Konjunktur ein. Ihre treibende Kraft war die zunehmende Nachfrage aus dem Ausland. Die Binnenkräfte blieben dagegen überwiegend schwach: Die Ausrüstungsinvestitionen gingen weiter zurück, der private Verbrauch stagnierte, die Bauinvestitionen legten nur geringfügig zu. Erst gegen Jahresende gewann die Binnennachfrage wieder etwas stärker an Fahrt.

Die Voraussetzungen sind günstig, dass sich die Belebung fortsetzt, an Breite gewinnt und zunehmend von der Binnennachfrage getragen wird. Bessere Gewinnaussichten, ein allmählicher Anstieg der Kapazitätsauslastung und weiterhin günstige Finanzierungsbedingungen lassen eine stärkere Investitionstätigkeit erwarten. Steuersenkungen und Beschäftigungszunahme dürften die Konsumgüternachfrage beleben. Für 2004 bleiben wir bei unserer Prognose einer BIP-Zunahme von 1,8%, wovon allerdings rund ein halber Prozentpunkt auf die außergewöhnlich große Zahl von Arbeitstagen zurückzuführen ist. 2005 erwarten wir ein Anhalten der positiven Grundtendenz, steigende Ausrüstungsinvestitionen und nahezu stagnierende Konsumausgaben. Das BIP dürfte sich um etwa 2% ausweiten, wobei das Ausland etwas weniger zur Expansion beitragen wird als 2004.

Eckwerte zur Konjunktur in den Industrieländern

2003 bis 2005; Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %

2003s

2004p

2005p

Bruttoinlandsprodukt1

Euro-Raum

0,4

1,8

2,4

Deutschland

-0,1

1,8

2,0

Frankreich

0,0

1,6

2,4

Italien

0,4

1,3

1,9

Spanien

2,4

3,0

3,3

Großbritannien

1,9

2,6

2,9

Vereinigte Staaten

2,9

4,3

3,8

Japan

2,0

1,6

2,1

Verbraucherpreise

Euro-Raum

2,1

1,9

1,7

Deutschland

1,0

1,4

1,3

Frankreich

2,2

2,0

1,5

Italien

2,8

2,2

1,9

Spanien

3,1

2,8

2,6

Großbritannien

1,3

1,8

2,3

Vereinigte Staaten

2,3

2,1

2,7

Japan

-1,4

-0,6

-0,4

Arbeitslosenquote2

Euro-Raum

8,8

8,9

8,7

Deutschland

9,3

9,1

8,7

Frankreich

9,9

9,6

9,4

Italien

8,7

8,8

8,7

Spanien

11,3

11,1

10,7

Großbritannien

4,9

4,8

4,7

Vereinigte Staaten

6,0

5,3

4,8

Japan

5,3

5,2

5,0

Welthandel1

4,5

8,0

9,5

Eigene Berechnungen nach Angaben der OECD, von Eurostat und nationalen Statistikämtern. - 1Real. - 2In % der Erwerbspersonen; standardisiert. - sTeilweise geschätzt.- pEigene Prognose.



Die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessert sich nur langsam. Die Erwerbstätigkeit dürfte im Verlauf des Prognosezeitraums wieder zunehmen, vorerst aber vor allem aufgrund einer wachsenden Zahl von Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten. Die Arbeitslosenquote, die bereits seit Mitte 2003 saisonbereinigt zurückgeht, sinkt unseren Erwartungen nach unter diesen Voraussetzungen weiter auf 10% in diesem und 9,5% im kommenden Jahr. Dies ist allerdings fast ausschließlich auf Änderungen in der Arbeitsmarktpolitik und statistischen Erfassung zurückzuführen.

Die Finanzpolitik des vergangenen Jahres wurde wachstumspolitischen Erfordernissen nicht gerecht, die Pläne zum Defizitabbau durch die schwache Konjunktur durchkreuzt. Inzwischen hat die Wirtschaftspolitik aber auf die Konjunktur- und Wachstumsschwäche reagiert, indem sie Reformen im Bereich des Arbeitsmarktes und des Gesundheitswesens anging, die Steuern senkte sowie Steuervergünstigungen und Subventionen verminderte. Allerdings ist mit den vorliegenden Beschlüssen eine dauerhafte Rückführung des Defizits noch nicht gesichert. Um diese zu erreichen, muss insbesondere die qualitative Konsolidierung voran getrieben werden: konsumtive Staatsausgaben wie Steuervergünstigungen und Subventionen sollten noch weiter gekürzt werden, die öffentlichen Investitionen erhöht und die Ausgaben für Bildung und Forschung ausgeweitet werden. Ein solches Vorgehen würde auch die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik erhöhen.

Insgesamt dürfte sich der Aufschwung weltweit und in Deutschland fortsetzen. Die wachsenden Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen erhöhen allerdings das Risiko von Wechselkursturbulenzen. Es ist zu befürchten, dass weitere Anpassungen im internationalen Wechselkursgefüge vorwiegend zu Lasten des Euro-Raums gehen würden und den Aufschwung dort und in Deutschland gefährden könnten.

Ihre Ansprechpartner dazu: Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262

Sabine Weiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de

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