Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SOS auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt

16.05.2001


* Hotellerie und Gastronomie fordern "Green Cards"
* Korrektur des 630-DM-Gesetzes für das Gastgewerbe unumgänglich

In Hotellerie und Gastronomie fehlen 80.000 Mitarbeiter. Eine repräsentative Blitzumfrage unter den Mitgliedern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) stellt den weiterhin akuten Bedarf an Fach- und Hilfskräften im Gastgewerbe unter Beweis. "Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen die katastrophale Situation auf dem gastgewerblichen Arbeitsmarkt, die nicht länger haltbar ist", so Dr. Erich Kaub, Präsident des DEHOGA.

Von den 1.127 antwortenden Unternehmen suchen 850 (75,4 %) händeringend Mitarbeiter. Der Mangel erstreckt sich dabei auf alle Bereiche von Hotellerie und Gastronomie. Insgesamt fehlen in den an der Umfrage beteiligten Betrieben 4.709 Arbeitskräfte. "Werden diese Zahlen auf die gesamte Branche hochgerechnet, benötigen unsere Unternehmer 80.000 Mitarbeiter", resümiert Dr. Kaub.

Ganz oben auf dem "Wunschzettel" der über 1.000 Hoteliers und Gastronomen rangieren die Köche mit 950 offenen Stellen, gefolgt von 921 fehlenden Restaurantfachleuten. Ungebrochen hoch ist ebenfalls der Bedarf an Hotelfachleuten: 629 offene Stellen stehen bei den befragten Unternehmen zur Verfügung. Darüber hinaus fehlen in den 1.127 Betrieben über 2.000 Hilfs- und Servicekräfte.

Der Umfrage zur Folge haben nur 60 % der Unternehmer ihre offenen Stellen dem Arbeitsamt mitgeteilt. Trotz hoher Arbeitslosigkeit auch in gastgewerblichen Berufsgruppen konnten lediglich in 6,9 % der Fälle erfolgreich Bewerber vermittelt werden. Aufgrund dieser fehlenden Vermittlungserfolge melden zahlreiche frustrierte Betriebe ihren Bedarf dem Arbeitsamt erst gar nicht mehr.

"Als internationale Branche nehmen wir das Ergebnis unserer Umfrage zum Anlass, erneut mehr und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für ausländische Arbeitnehmer einzufordern. Die "Green Card" darf kein Privileg der Computerbranche bleiben. Der Arbeitskräftebedarf des Gastgewerbes kann auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nicht gedeckt werden", so Dr. Erich Kaub.

Insbesondere müssten die Beschäftigungsmöglichkeiten von Saisonarbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten erheblich ausgeweitet werden. Außerdem sollte es selbstverständlicher werden, dass junge Fachkräfte auch von außerhalb der EU nach Deutschland kommen dürften, um zumindest eine auf drei bis fünf Jahre befristete Tätigkeit ausüben zu können. "Der Internationalität von Hotellerie und Gastronomie sollte so Rechnung getragen werden", regt Dr. Kaub an. Darüber hinaus fordert der DEHOGA weitere Gastarbeitnehmervereinbarungen mit Nicht-EU-Staaten sowie zwingend notwendige Aufstockungen der Kontingente, die vielfach bereits ausgeschöpft würden.

Mitverantwortlich für die dramatische Personalsituation ist das 630-DM-Gesetz, das zum 1. April 1999 in Kraft getreten ist. Laut Kienbaum-Studie ist das Gastgewerbe die am stärksten betroffene Branche. 100.000 Kündigungen von Nebenjobbern allein in Hotellerie und Gastronomie konnten bis heute nicht aufgefangen werden.

Auch die sog. "50-Tage-Regelung", die sozialversicherungsfreie Nebenbeschäftigung unter engen Voraussetzungen für diesen begrenzten Zeitraum ermöglicht, ist für die Branche nicht mehr als der "Tropfen auf den heißen Stein".

Die aktuelle DEHOGA-Umfrage verdeutlicht, dass die Regelung wegen ihrer Kompliziertheit und der damit verbundenen Risiken für die meisten Unternehmer keine Alternative darstellt. "Die "50-Tage-Regelung" muss entschieden vereinfacht und gesetzlich verankert werden. Wir brauchen endlich Rechtssicherheit und ein flexibles Beschäftigungsinstrument für Hotellerie und Gastronomie", so Dr. Kaub.

Auch die Branche selbst ist aufgerufen, ihren Teil zur Linderung des Fachkräftemangels beizutragen. Wie in den letzten Jahren wird das Gastgewerbe daher auch zukünftig seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden. Mit einem Plus von 5,2 % im Jahr 2000 bilden Hotellerie und Gastronomie derzeit über 90.000 junge Menschen aus. "Jetzt kommt es darauf an, diese jungen Fachkräfte auch mittel- und langfristig für eine Karriere im Gastgewerbe zu begeistern", so der DEHOGA-Präsident.

Alle eigenen Anstrengungen werden allerdings kaum ausreichen, den akuten Mangel an Arbeitskräften zu beheben. Fachkräfte aus Hotellerie und Gastronomie gehen regelmäßig ins Ausland und legen somit einen wichtigen Grundstock für ihr weiteres berufliches Fortkommen. "Mit der "Green Card" für das Gastgewerbe sollte diese Möglichkeit auch jungen ausländischen Fachkräften eröffnet werden. Eine internationale Dienstleistungsbranche mit Zukunft muss auch die Möglichkeit erhalten, diese erfolgreich zu gestalten", fordert Dr. Kaub die Politik zum Handeln auf.

ots |

Weitere Berichte zu: Gastgewerbe Gastronomie Hotellerie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie