Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Käse zum Welterfolg

17.05.2001


Bayer ist größter Polyurethan-Rohstoffproduzent

"Allenfalls brauchbar zur Herstellung von Emmentaler-Käse-Imitationen"

lautete das skeptische Urteil eines Chemikers noch im Jahr 1941. Gemeint war der Kunststoff Polyurethan (PUR) – eine damals zähe, von Glasbläschen durchsetzte Masse, die wenige Jahre zuvor von Otto Bayer eher zufällig entdeckt worden war. Doch schon Anfang der 50er Jahre – mit den ersten Schaumstoffblöcken – begann der weltweite Siegeszug der Polyurethane. Heute ist PUR aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob Schuhsohle, Sitzpolster, Autoteile, Dämmstoff oder Rollen für Inline-Skates: zu all diesen Produkten wird der Allround-Werkstoff verarbeitet.

Das Besondere, die Chemie, findet beim Gießen statt. Bayer liefert die Bestandteile des Kunststoffes in Tankwagen oder Fässern an seine Kunden. Dort werden die Flüssigkeiten, je nach Anwendung, in einem bestimmten Verhältnis gemischt und in Formen gegossen. Durch eine chemische Reaktion härtet das Material aus, Polyurethan ist entstanden. Auf diese Weise lassen sich selbst filigrane Teile, wie Verzierungen für Möbel, herstellen.

Den Kunststoff gibt es in den verschiedensten Sorten. Als weichen Schaumstoff in Matratzen oder auch aus hartem Material, wie bei Computer-Gehäusen. Ohne Bläschen, also ohne Treibmittel, werden massive Werkstoffe hergestellt. Aus diesen werden hochbeanspruchte Rollen, zum Beispiel für Inline-Skates oder Achterbahnen gegossen.

Polyurethane gehören zum Kerngeschäft der Bayer AG. Die Rohstoffe werden weltweit an 26 Standorten, in Europa, Asien, Afrika, Nord- sowie Südamerika hergestellt. Fast 5.500 Mitarbeiter sind heute im Geschäftsbereich Polyurethane tätig. Der Absatz lag im vergangenen Jahr bei rund zwei Millionen Tonnen. Damit ist Bayer der weltweit größte Produzent auf diesem Gebiet. Der Umsatz betrug über 3 Milliarden Euro. Dies machte über ein Viertel des Gesamtumsatzes des Bayer-Arbeitsgebietes Polymere im Jahr 2000 aus.

Der Chemiker Otto Bayer hatte Polyurethan 1937 entdeckt. Eigentlich war der mit der Gründerfamilie des Konzerns nicht verwandte Angestellte auf der Suche nach einem Verfahren, um Kunstfasern herzustellen. Wie bei vielen erfolgreichen Entdeckungen, spielte auch hier der Zufall eine Rolle. PUR galt ursprünglich als eher massives Material. Dann passierte die Sache mit dem "Emmentaler-Käse": kleine Mengen von Säure waren in den Stoff gelangt, die Kunststoff-Masse schäumte auf. Von dieser Panne angeregt, forschte das Team um Otto Bayer weiter. Sie fügten dem Reaktionsgemisch gezielt einen kleinen Anteil Wasser zu. Kohlendioxyd spaltete sich ab. Es bildeten sich Bläschen. Der erste PUR-Schaumstoff war entstanden. Es sollte aber noch über zehn Jahre dauern, bis aus Bayer-Rohstoffen Schaumstoffe für jeden Verwendungszweck hergestellt werden konnten.

Mit dem Schaumstoff kam der endgültige Durchbruch der Polyurethane. Die ersten Weichschaumblöcke kamen 1951 aus der Maschine. Bereits 1960 wurden weltweit über 300.000 Tonnen Pur-Rohstoffe verbraucht. Zehn Jahre später waren es schon über eine Million. Heute sind rund 9 Millionen Tonnen weltweit.

BayNews |

Weitere Berichte zu: Kunststoff Polyurethan Schaumstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie

Kieler Forscher koordiniert millionenschweres Verbundprojekt in der Entzündungsforschung

19.01.2017 | Förderungen Preise

Neue CRISPR-Methode enthüllt Genregulation einzelner Zellen

19.01.2017 | Biowissenschaften Chemie