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Rentenmarkt: Begrenzte Kursphantasie

20.01.2004

Schwächer als prognostiziert ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten sorgten zu Jahresbeginn für rückläufige Renditen an den internationalen Rentenmärkten. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen lag in den USA im Monat Dezember lediglich bei 1000 und verstärkte damit wieder die Ängste vor einer "Jobless Recovery". Dies nährte die Zweifel an der Nachhaltigkeit des konjunkturellen Aufschwungs und dämpfte damit zunächst die Zinserhöhungserwartungen der Marktteilnehmer. Die Verzinsung der 10-jährigen US-Treasuries ging um über 25 Basispunkte auf 3,97 Prozent zurück, die Bundesanleihenrendite fiel um 15 Basispunkte auf 4,14 Prozent.

Die aktuellen Fundamentaldaten deuten aber darauf hin, dass in den USA mit den massiven fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen tatsächlich ein Wirtschaftsimpuls generiert wurde, der sukzessive auch die Industrie erreicht. Die amerikanische Notenbank Fed stellte in ihrem jüngsten Konjunkturbericht eine weitere Belebung fest und rechnet mit einem soliden und fortdauernden Aufschwung. Auch die Ausblicke der Unternehmen im Rahmen der beginnenden Quartalsberichtssaison bestätigen dieses Szenario.

Zahlreiche Indikatoren sprechen zudem dafür, dass die von den USA ausgehende Erholung inzwischen auch Euroland erreicht hat. Nicht zuletzt Deutschland konnte trotz des 2003 zu verzeichnenden BIP-Rückgangs um -0,1 Prozent zuletzt erfreulichere Daten präsentieren. So kletterte z.B. die deutsche Industrieproduktion im November stärker als erwartet und auch die Auftragseingänge zeigten eine weitere Verbesserung. Damit sprechen neben den Frühindikatoren inzwischen auch "harte Daten" für eine Aufhellung der wirtschaftlichen Situation. Die signifikante Aufwertung des Euros dürfte sich zwar bremsend auf den deutschen Export auswirken, könnte aber durch die starke konjunkturelle Belebung überkompensiert werden.

Die aktuellen Preisdaten signalisieren keinen akuten Preisdruck. In den USA stiegen die Verbraucherpreise im Dezember im Jahresvergleich um moderate 1,9 Prozent. Die deutsche Inflationsrate betrug im Durchschnitt des vergangenen Jahres lediglich 1,1 Prozent. Im Dezember lag der Anstieg bei 0,9 Prozent. Zinserhöhungen stehen damit sowohl in den USA als auch in Euroland nicht unmittelbar auf der Agenda, wenngleich die internationalen Notenbanken im weiteren Verlauf der Konjunkturerholung zu ersten Anhebungen gezwungen sein dürften. In Euroland könnte sich dabei der Zinsanstieg aufgrund der signifikanten Euro-Aufwertung etwas zögerlicher gestalten als jenseits des Atlantiks.

Insgesamt spricht die Mehrzahl der Faktoren für einen Anstieg der Kapitalmarktrenditen im Jahresverlauf. Vor dem Hintergrund wachsender Staatsschulden, steigender Rohstoffpreise sowie international anziehender Konjunktur erscheint das Kurspotenzial von Staatsanleihen derzeit begrenzt. Insofern sind bei Neuengagements kürzere Laufzeiten zu bevorzugen. Der Markt für Unternehmensanleihen zeigte sich vor dem Hintergrund des Parmalat-Skandals und der Bilanzierungsprobleme der schweizerischen Zeitarbeitfirma Adecco zuletzt verhältnismäßig robust. Im langjährigen Vergleich bewegen sich die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen allerdings in der Nähe der historischen Tiefststände, so dass Corporate Bonds als Alternative nur selektiv zu empfehlen sind.

Hans Beth | LRP
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

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