Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Outsourcing ist kein Allheilmittel

27.10.2003


Die Verlagerung von Entwicklung und Fertigung auf externe Spezialisten nimmt zu. Doch oft ist der Aufwand höher als der Nutzen, sagt eine Studie des Fraunhofer-ISI.



Kaufen oder Selbermachen - viele Betriebe erhoffen sich von der Verlagerung bestimmter Tätigkeiten auf externe Spezialisten geringere Kosten. Doch die Hoffnung trügt: Bei extern vergebenen Fertigungsleistungen schlägt sich der Koordinierungsaufwand häufig in höheren Fertigungsdurchlaufzeiten nieder, was die Kosteneinsparung zunichte machen kann. Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe fand außerdem heraus, dass sich auch bei der Produktentwicklung höhere Eigenanteile auszuzahlen scheinen, insbesondere in FuE-intensiven Betrieben. "Ein weiteres Outsourcing bei Forschung und Entwicklung könnte hier eher schaden als nutzen", warnt Dr. Steffen Kinkel, Projektleiter am Fraunhofer-ISI.

... mehr zu:
»Outsourcing


Laut Kinkel ist die zögerliche weitere Verbreitung des Outsourcing daher verständlich. So sank der Anteil der Eigenleistung in der Fertigung lediglich von 77 Prozent (1999) auf 75 Prozent (2001), in der Entwicklung stieg er von 67 Prozent (1999) auf 69 Prozent (2001) sogar an. Entwicklung und Fertigung in Eigenregie haben damit für die Firmen nach wie vor einen hohen Stellenwert. Spitzenreiter mit 85 Prozent Fertigungstiefe ist die Chemische Industrie, den "Outsourcing-Rekord" halten die Hersteller von Metallerzeugnissen mit Fertigungstiefen von immerhin noch 56 Prozent. Steffen Kinkel warnt davor, dem viel gepriesenen Vorbild der Automobilindustrie mit Fertigungstiefen von 30 Prozent und weniger blind nachzueifern. "Outsourcing befindet sich zwar auf dem Vormarsch, ist aber kein Allheilmittel für alle Branchen."

Das gilt besonders für das Outsourcing von Forschung und Entwicklung. Bei Unternehmen, die diese Aufgaben im eigenen Unternehmen belassen, liegt der Anteil neuer Produkte am Umsatz deutlich höher als bei Unternehmen, die Forschung und Entwicklung an andere Firmen delegieren. Gerade FuE-intensive Betriebe mit einem Anteil der Ausgaben für FuE am Umsatz von mehr als 5 Prozent erreichen mit 27 Prozent den höchsten Umsatzanteil mit neuen Produkten, wenn sie einen hohen Eigenanteil ihrer FuE im Haus halten. Kinkel plädiert deshalb bei kleinen und mittleren Unternehmen für neue Kooperationsmodelle, die Entwicklungs- und Fertigungsleistungen in einem Netzwerk dort ansiedeln, wo die größte Kompetenz besteht, ohne die Fähigkeit zur
Eigenleistung zu gefährden.

Die kostenlose 12-seitige Broschüre "Fertigungstiefe - Ballast oder Kapital?" des Fraunhofer-ISI kann aus dem Internet heruntergeladen werden unter www.isi.fraunhofer.de/pi/index.htm.

Für Fragen zur Studie: Dr. Steffen Kinkel
Telefon: (0721) 68 09 - 311
E-Mail: s.kinkel@isi.fraunhofer.de


Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI untersucht Marktchancen technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf Regionalforschung und Innovationspolitik.


Bernd Müller | Fraunhofer ISI
Weitere Informationen:
http://www.isi.fhg.de/pr/2003de/pri16/pri16.htm

Weitere Berichte zu: Outsourcing

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt

05.12.2016 | Geowissenschaften

Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

05.12.2016 | Ökologie Umwelt- Naturschutz