Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftsstimmungs-Barometer

07.10.2003

Pessimismus herrscht in den Chefetagen deutscher Unternehmen vor, wenn es um die wirtschaftlichen Aussichten geht: Nur 21 Prozent können sie positiv sehen. In dieses Bild mischen sich allerdings einige Lichtblicke, da die Entwicklung des deutschen Exports oder die eigene Auftragslage vorwiegend positiv gesehen werden. Dieses Wirtschaftstimmungsbild ergab eine repräsentative Umfrage der Management- und IT-Beratung Cap Gemini Ernst & Young unter Unternehmern, Vorständen und Geschäftsführern in den 16 Bundesländern. Entgegen dem anders lautenden Medientenor sind die mehr als 1.800 Teilnehmer der Studie nicht vom Aufschwung überzeugt. Allerdings schwanken die Aussagen stark je nach Region: Die Berliner schätzen die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung am negativsten ein, während die Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie das Saarland am hoffnungsvollsten dastehen.

Die vorherrschenden Stimmungen der Unternehmer ergeben kein einheitliches Bild: Die Befragten denken mehrheitlich, dass sie im nächsten halben Jahr einen Auftragszuwachs bekommen, ihr Wirtschaftsstandort sich allerdings im vergangenen halben Jahr deutlich verschlechtert hat und die Steuerreform ihrer Ansicht nach nicht greifen wird. Der deutsche Export wird nach Aussagen der Befragten dagegen in den nächsten Monaten anziehen und die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen. Ebenso wird insgesamt die Zukunft der deutschen Wirtschaft eher pessimistisch gesehen. Nach den Umfrageergebnissen wird der Euro künftig gegenüber dem US-Dollar tendenziell steigen, ebenso wie Zinsen und Steuerlast.

"Stimmungen wandeln sich schnell in wirtschaftliches Handeln", betonte Antonio Schnieder, CEO Central Europe von Cap Gemini Ernst & Young, bei der Präsentation der Studie in Berlin. "Investitionen werden gemacht oder eben unterlassen".

Um die Stimmung deutscher Führungskräfte zu erfahren, wurden diese zu drei Bereichen des wirtschaftlichen Erlebens und Handelns befragt: Zur persönlichen Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, den unternehmerischen Rahmenbedingungen und der Auftragslage ihres Unternehmens.

Die Frage nach der Auftragslage im kommenden halben Jahr hat die größte Relevanz. Erstaunlicherweise äußerten sich die Unternehmer hier überwiegend positiv: 41 Prozent waren der Ansicht, dass sie steigende Auftragszahlen erwarten können und noch mehr als ein Drittel (36 Prozent) glauben, dass die Auftragslage im kommenden halben Jahr unverändert bleibt. Nur 23 Prozent sahen künftig weniger Aufträge für ihr Unternehmen eingehen.

Unmittelbarer als die Auftragslage der einzelnen Unternehmen können die Standortfaktoren durch die Politik beeinflusst werden. Hierzu äußerten sich allerdings fast die Hälfte der Befragten negativ: 46 Prozent gaben an, dass sich das unternehmerische Umfeld ihrer Ansicht nach in den vergangenen sechs Monaten verschlechtert hat; 43 Prozent sehen keine Veränderung und nur 11 Prozent sind der Meinung, dass sich das Umfeld gebessert hat.

"Offenbar haben die Unternehmer den Glauben an eine wirksame Steuerreform verloren", kommentiert Dr. Helmut Haussmann, Senior Vice President bei Cap Gemini Ernst & Young, ein weiteres Ergebnis. Eine knappe Zweidrittel-Mehrheit sieht darin keinen wirtschaftlich positiven Effekt mehr: 63 Prozent sind es im Bundesdurchschnitt, in Thüringen sind es sogar 77 Prozent, und damit sind die Hauptpessimisten aus Berlin ausnahmsweise einmal mit nur 70 Prozent Skepsis auf den vorletzten Platz gerutscht.

Nächster Punkt in der Rangliste der einflussreichsten Größen auf die Wirtschaftstimmung ist das Exportvolumen. Hier herrscht wieder Optimismus, denn 40 Prozent nehmen an, dass es in absehbarer Zukunft steigt. 41 Prozent sind der Ansicht, dass es zumindest gleich bleibt und nur 19 Prozent der Befragten denken, dass die Exporte zurückgehen. Diese Stimmung steht im Gegensatz zur pessimistischen Einschätzung der inländischen Entwicklung. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass die Dynamik der ausländischen Märkte höher eingeschätzt wird, als die der inländischen.

Bei den Arbeitslosenzahlen wird von den Befragten keine Besserung erwartet. Im Gegenteil: 71 Prozent der Befragten gehen von mehr Arbeitslosen in den nächsten sechs Monaten aus. 21 Prozent setzen auf Gleichstand nach Halbjahresfrist und nur 8 Prozent glauben an einen Rückgang der Erwerbslosenzahlen.

Die vollständigen Ergebnisse "Wirtschaftsstimmung - Eine Umfrage unter deutschen Führungskräften" sind im Internet abrufbar.

Thomas Becker | Cap Gemini Ernst & Young
Weitere Informationen:
http://www.wirtschaftsstimmung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise