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Aktienmarkt: Erheblicher Vorschuss auf Konjunkturwende

22.07.2003


Die von einer sukzessiven Stimmungsverbesserung getragene Markterholung seit Mitte März signalisiert, dass der Risikoappetit der Investoren zugenommen hat.

Als Motor der Entwicklung wirkte vor allem die sich dank expansiver Steuer- und Ausgabenpolitik sowie anhaltend niedrigem Zinsniveau verfestigende Hoffnung auf eine Konjunkturwende in den USA, Entspannung an der Euro-Währungsfront sowie erste - durchaus beruhigende - Signale aus dem Unternehmenssektor im Zuge der Berichterstattung zum zweiten Quartal. Gerade in Deutschland kam hinzu, dass nicht zuletzt eine Normalisierung der Bewertung im Finanzsektor dem DAX zusätzliches Momentum verlieh und unter die im internationalen Vergleich auffällige Minderperformance im ersten Quartal endgültig einen Schlussstrich zog (seit Jahresbeginn DAX +15, Euro Stoxx 50 +3, Dow Jones +9 und Nikkei +11 Prozent). Allein die Technologiebörse Nasdaq schneidet mit +27 Prozent erheblich besser ab.

Obwohl das von Aktienanlegern favorisierte Basisszenario einer beginnenden Belebung der Weltkonjunktur im Jahresverlauf zuletzt auch auf der Zinsseite neue Anhänger gewinnen konnte, darf gleichwohl nicht übersehen werden, wie mühsam sich die Erholung der Realwirtschaft gestaltet. So lassen dies- wie jenseits des Atlantiks Neuaufträge und Produktion (Monatsvergleich im Mai USA +0,1, Euroland -0,9 Prozent) noch keineswegs die erhoffte Dynamik erkennen und auf der Konsumseite knüpfen sich Hoffnungen vor allem an die Wirksamkeit steuerlicher Erleichterungen und erhöhte Ausgabebereitschaft infolge steigender Zukunftserwartungen. Zusätzliche Stimulierung durch einen stärker rückläufigen Ölpreis blieb bisher aus. Per saldo am besten positioniert für einen Aufschwung mit deutlich höherer Tourenzahl scheinen nach wie vor die USA, wo bereits im zweiten Halbjahr Wachstumsbeiträge aus staatlichen Finanzquellen einzukalkulieren sind. Trotz zeitlicher Verzögerung dürfte auch in Euroland mit Rückenwind vom Euro allmählich der monetäre Funke auf die Realwirtschaft überspringen. Ganz im Gegensatz zu früheren Einschätzungen wird dabei nun auch von Deutschland wieder eine tragende Rolle erwartet. Das erhebliche Plus insbesondere beim nationalen ZEW-Konjunkturindex (41,9 nach 21,3 Punkte im Juni) unterstreicht dies.

Bisher fehlt allerdings die fundamentale Bestätigung, so dass am Aktienmarkt inzwischen ein größerer Teil der prognostizierten wirtschaftlichen Erholung eingepreist ist. Auch wenn das Gespür des Marktes nicht trügt, sollte erhöhte Bereitschaft zur Gewinnabsicherung zunächst nicht überraschen. Dies bietet dann auch den bisher zögerlichen Investoren angesichts reichlich vorhandener Liquidität und wenig attraktiven Anlagealternativen Gelegenheit zum Aufbau längerfristig aussichtsreicher Depotbestände mit breiter Streuung und leichter Betonung zyklischer Sektoren wie Chemie oder Transport&Logistik.

Hans Beth | Landesbank Rheinland-Pfalz
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

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