Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Fachbuch: "Alle Macht dem Markt? Fallstudien zur Abwicklung der Deutschland AG"

03.07.2003


Wissenschaftler des MPI für Gesellschaftsforschung analysieren Reaktionen deutscher Unternehmensleitungen auf die Globalisierung.



Die Deutschland AG, das Netzwerk aus kooperierenden und vor Einflussnahme von außen geschützten Großunternehmen, ist in Auflösung begriffen. Der deutsche Finanzsektor wandelt sich zu einer im Bereich des Investmentbankings international operierenden Industrie. Gleichzeitig werden Shareholder-Value-Konzepte zunehmend auf deutsche Unternehmen übertragen. In diesem Band wird analysiert, wie deutsche Unternehmensleitungen auf diese Entwicklung reagieren.

... mehr zu:
»Finanzsektor »Kapitalismus


Anhand unternehmensbezogener Fallstudien behandeln die Autoren des Bands die Auflösung zentraler Wesensmerkmale der deutschen Spielart des organisierten Kapitalismus. Ausgangspunkt der Beiträge ist das Spannungsverhältnis zwischen einzelwirtschaftlich-betriebswirtschaftlichen und öffentlichen Interessen. Die "Deutschland AG" war, so die Autoren, durch Macht zerstreuende Unternehmensverfassungen auf einzelwirtschaftlicher Ebene, durch Querverbindungen zwischen Unternehmen unterschiedlicher Sektoren, durch staatliche Interventionen sowie durch Abschottung vor Einflussnahme von außen gekennzeichnet. Eine Schlüsselstellung nahm dabei der deutsche Finanzsektor ein, der als finanz- und strukturpolitische Exekutive fungierte und Merkmale einer Institution bzw. einer gesamtwirtschaftlichen Infrastruktur aufwies.

Die Autoren legen dar, dass sich die besonders hinsichtlich ihrer Verflechtungsstrukturen im internationalen Vergleich eigentümliche deutsche Spielart des Kapitalismus in den neunziger Jahren deutlich verändert und in Bezug auf viele ihrer Merkmale dem angloamerikanischen Marktmodell angenähert hat. Die Indizien hierfür sind vielfältig. Sie reichen von der Auflösung des Verflechtungsnetzwerks über den rückläufigen Zugriff der Politik auf Finanzunternehmen und die Investmentbank-Strategien der Großbanken bis zur Entdeckung der Aktionärsinteressen durch große Industrie-, Dienstleistungs- und Finanzunternehmen. In ihren Fallstudien gehen die Autoren den Ursachen und Konsequenzen dieser Entwicklungen nach.

Einführend stellen Streeck und Höpner die Wesensmerkmale der deutschen Spielart des organisierten Kapitalismus dar, diskutieren Richtung und Ursachen des Wandels und stellen die Beiträge des Bandes vor. In ihrer Fallstudie zum Niedergang der AEG verweisen Ipsen und Pfitzinger auf die spezifischen Schwachstellen des deutschen Systems der Unternehmenskontrolle. Dasselbe gilt für Hassel, die Praxis, Krise und Ende des gemeinwirtschaftlichen Sektors behandelt. Die Veränderungen im deutschen Finanzsektor, allen voran der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Allianz, analysiert Beyer. Höpner und Jackson vergleichen die Versuche, den Reifenhersteller Continental, den Stahlkonzern Thyssen und den Mischkonzern Mannesmann feindlich zu übernehmen. Drei Analysen von Eckert, Vitols und Becker beschäftigen sich mit Shareholder-Value-Strategien von Unternehmen der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Zugöher vergleicht die Rolle der Mitbestimmung bei den Umstrukturierungen von e.on und Siemens, und Rehder untersucht Standortvereinbarungen als neues Instrument, mit dem Unternehmensleitungen und Betriebsräte versuchen, sich an neue Umweltbedingungen anzupassen.

Inhalt

Vorbemerkung

Einleitung: Alle Macht dem Markt?
Wolfgang Streeck und Martin Höpner

Krise in der Deutschland AG: Der Fall AEG
Dirk Ipsen und Jens Pfitzinger

Wer beherrschte die Gemeinwirtschaft? Unternehmenskontrolle in politischen Unternehmen
Anke Hassel

Deutschland AG a.D.: Deutsche Bank, Allianz und das Verflechtungszentrum des deutschen Kapitalismus
Jürgen Beyer

Entsteht ein Markt für Unternehmenskontrolle? Der Fall Mannesmann
Martin Höpner und Gregory Jackson

Auf dem Weg zur Aktionärsorientierung: Shareholder Value bei Hoechst
Stefan Eckert

Viele Wege nach Rom? BASF, Bayer und Hoechst
Sigurt Vitols

Der Einfluss des Kapitalmarkts und seine Grenzen: Die Chemie- und Pharmaindustrie
Steffen Becker

Kapitalmarktorientierung und Mitbestimmung: Veba und Siemens
Rainer Zugehör

Corporate Governance im Mehrebenensystem: Konfliktkonstellationen im Investitionswettbewerb
Britta Rehder

Die Autorinnen und Autoren

Herausgeber
Prof. Dr. Wolfgang Streeck ist Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und Apl. Professor im Fach Soziologie an der Universität zu Köln.

Dr. Martin Höpner war von 1999 bis 2001 Doktorand und ist seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung.
Originalveröffentlichung:
Wolfgang Streeck, Martin Höpner (Hg.)
Alle Macht dem Markt? Fallstudien zur Abwicklung der Deutschland AG
Schriften des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Köln, Bd. 47. 289 S. | ISBN 3-593-37265-7 | Frankfurt am Main: Campus, 2003.

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Christel Schommertz
Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
Tel.: 0221 2767 - 130
Fax.: 0221 2767 - 555
E-Mail: schommertz@mpi-fg-koeln.mpg.de

Dr. Andreas Trepte | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.maxplanck.de/instituteProjekteEinrichtungen/institutsauswahl/gesellschaftsforschung/index.html

Weitere Berichte zu: Finanzsektor Kapitalismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie