Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Braucht Deutschland einen Niedriglohnsektor?

15.04.2003


DIW Berlin stellt neues Vierteljahrsheft zur Wirtschaftsforschung vor



Die Zahl der Arbeitslosen steuert in Deutschland mittlerweile auf die Fünf-Millionen-Grenze zu. Die Notwendigkeit zu durchgreifenden Strukturreformen am Arbeitsmarkt wird kaum noch bestritten. Für einen wichtigen Baustein halten viele Experten in Politik und Wissenschaft den Auf- bzw. Ausbau eines Niedriglohnsektors: Niedrigproduktive Tätigkeiten sollen im offiziellen Arbeitsmarkt gehalten oder in diesen wieder eingegliedert werden.


Das neue Vierteljahrsheft zur Wirtschaftsforschung 1/2003 beschäftigt sich mit den Beschäftigungspotenzialen im Niedriglohnbereich. Es stellt aktuelle theoretische und empirische Forschungsergebnisse vor, behandelt die darauf gerichteten wirtschaftspolitischen Strategien und diskutiert die damit verbundenen Chancen wie Risiken.

Die Beiträge machen deutlich, dass die aufgezeigten Lösungswege weit reichende Reformen des Steuer- und Transfersystems erforderlich machen, welches gerade im Niedriglohnbereich als beschäftigungshemmend gilt. So schlagen einzelne Autoren vor, einfache und geringproduktive Tätigkeiten breit zu fördern, indem die Sozialversicherungsbeiträge auf niedrige Einkommen gesenkt oder weit reichende Lohnsubventionen eingeführt werden. Andere Autoren warnen vor den hohen fiskalischen Kosten bei geringen Beschäftigungswirkungen solcher Maßnahmen: Die finanziellen Anreize drohen in Mitnahmeeffekten zu verpuffen, zugleich werden den "normal" Beschäftigten aber weiter steigende Steuer- und Beitragslasten abverlangt. Förderprogramme sollen eher zielgruppenorientiert auf die Problembereiche des Arbeitsmarktes zugeschnitten werden. Ferner sollen die Anspruchslöhne der Erwerbslosen gesenkt werden, etwa durch "Workfare", also eine Verpflichtung erwerbsfähiger Transferempfänger zu sozial nützlicher Arbeit.


Mehrere Beiträge beschäftigen sich mit der empirischen Wirkungsanalyse von Lohnsubventionen und entsprechenden Programmevaluierungen. Sie dokumentieren, dass gerade in diesem Bereich noch erheblicher Forschungsbedarf besteht. Erforderlich ist vor allem, dass die dafür notwendigen Daten der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden.

Umstritten ist die Höhe an Beschäftigungspotenzialen bei haushaltsbezogenen Dienstleistungen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass in Deutschland bereits ein florierender und weiter wachsender Niedriglohnsektor besteht: die Schwarzarbeit. Einzelne Beiträge behandeln die damit verbundenen wirtschaftspolitischen Herausforderungen.

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung des DIW Berlin, Heft 1/2003, erschienen bei Verlag Duncker & Humblot GmbH,
Tel. 030-790 00 60,


Dipl.Volkswirtin Dörte Höppner | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de
http://www.duncker-humblot.de

Weitere Berichte zu: Lohnsubvention Niedriglohnsektor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie