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Gegen den Trend: Bergbau-Unternehmen und Flughafenbetreiber nehmen Kurs auf die Börsen

25.11.2002


IPO Watch Europe von PwC analysiert drittes Quartal 2002: Deutsche Börse reagiert mit Schließung des Neuen Marktes und neuer Segmentierung auf anhaltenden Rückgang der Neuemissionen - London bleibt Europas größter IPO-Markt - Stärkste Rückgänge bei Finanzdienstleistern - Bergbau-Unternehmen und Airport-Betreiber streben an die Börsen.

Aufgrund der anhaltenden Marktschwäche setzte sich der Rückgang der Neuemissionen (Initial Public Offering, IPO) im vergangenen Quartal fort. So wagten im dritten Quartal dieses Jahres lediglich 34 Unternehmen den Gang an europäische Börsen, während im Vergleichszeitraum des Vorjahres 72 Neuemissionen zu verzeichnen waren. Das Emissionsvolumen sank in Europa von rund fünf Milliarden Euro im dritten Quartal 2001 auf knapp eine Milliarde Euro im aktuellen Beobachtungszeitraum, was einem Rückgang von etwa 80 Prozent entspricht. Diese starke Reduktion ist vor allem auf das hohe Emissionsvolumen von rund 3,7 Milliarden Euro des seit Juli 2001 an der Londoner Börse notierten Finanzdienstleisters Friends Provident zurückzuführen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Ausgabe des IPO-Watch Europe von PwC, der quartalsweise die wichtigsten Börsen und Markt-segmente in den 15 EU-Staaten, der Schweiz und Norwegen analysiert.

Deutsche Börse ergreift konkrete Maßnahmen

Die Börsen reagieren inzwischen mit konkreten Maßnahmen auf den anhaltenden Rückgang der Neuemissionen. So will die Deutsche Börse mit der Schließung des Neuen Marktes und einer neuen Segmentierung den Kapitalmarkt für Emittenten und Investoren wieder attraktiver gestalten. "Nachdem sich mit lediglich zwei Neuemissionen im dritten Quartal 2002 die Anzahl der IPOs im Vergleich zum Vorjahr halbiert hat und das Emissionsvolumen von 243 Millionen Euro auf 119 Millionen Euro sank, will die Deutsche Börse nun einen Schluss-Strich unter das Kapitel Neuer Markt ziehen", erläutert Roland Pruss, Partner bei PwC und Leiter der IPO-Beratung in Deutschland.

London nach wie vor Europas größter IPO-Markt

Von den 34 europäischen Börsengängen im dritten Quartal 2002 fand mehr als die Hälfte (19) in London statt. Im Vergleichsquartal des Vorjahres betrug der Anteil der Londoner Börse mit 32 von 72 Börsen-gängen 44 Prozent. Das Emissionsvolumen in London sank von 3,8 Milliarden Euro im dritten Quartal 2001 um 87 Prozent auf 505 Millionen Euro im aktuellen Beobachtungszeitraum. 80 Prozent der Börsenneulinge in Großbritannien notieren am Alternative Investment Market (AIM), dem Wachstumssegment für kleinere Unternehmen an der Londoner Börse.

Der relativ hohe Anteil der Notierungen an der Londoner Börse ist einer der Gründe, warum 63 Prozent der Unternehmen, die im dritten Quartal 2002 an die Börse gingen, nach UK-GAAP bilanzieren. Lediglich eines der neu am AIM notierten Unternehmen bilanziert nach IAS.

Flaute an restlichen europäischen Börsen

Der europäische Börsenverbund Euronext konnte im dritten Quartal 2002 mit sieben Neuemissionen nur halb soviele Börsengänge verzeichnen wie im Vorjahresquartal. Das Emissionsvolumen sank von 125 Millionen auf 31 Millionen Euro. An den Börsen in Dublin, Kopenhagen, Madrid, Oslo, Stockholm, Österreich und der Schweiz fanden keine Neuemissionen statt. In Irland und Österreich wird jedoch in diesem Jahr noch mit jeweils einem Börsengang gerechnet.

Bergbau-Unternehmen streben an die Börse

Seit dem zweiten Quartal 2002 sinken die IPO-Aktivitäten in der Dienstleistungsbranche sowie im Bereich Software und Computer-Services. Im Dienstleistungssegment sank die Anzahl der Börsengänge von fünf im Vorjahresquartal auf vier im dritten Quartal 2002 und bei den Software und Computer-Services von drei im dritten Quartal 2001 auf zwei Neuemissionen im vergangenen Quartal. Die stärksten Einbußen verzeichnete die Finanzdienstleistungsbranche mit einem Rückgang von neun auf zwei Börsengange im Vergleich zum dritten Quartal 2001.

Allein im Bereich Bergbau gibt es eine gegenläufige Entwicklung: So wagten im dritten Quartal 2001 zwei, im zweiten Quartal 2002 vier und im vergangenen Quartal sogar fünf Bergbau-Unternehmen den Gang an die Börse. Die fünf Börsenneulinge aus dem dritten Quartal 2002 sind alle in Großbritannien notiert, vier von ihnen am AIM.

Weitere Börsengänge von Airport-Betreibern zu erwarten

Kurzfristig ist noch mit einigen IPOs zu rechnen. Unternehmen wie Cazenove, Arthur Shaw & Co., Virgin Mobiles und THB Group planen den Gang an einen europäischen Börsenplatz. Im Rahmen der europaweiten Privatisierung von Flughäfen erwarten die PwC-Experten zudem unter Airport-Betreibern in den nächsten zwei Jahren einen verstärkten Trend zum Börsengang. Die Frankfurter Fraport AG ist bereits seit 2001 im amtlichen Handel notiert. Branchenweit gilt der Betreiber des Amsterdamer Flughafens Schiphol als nächster Börsenkandidat. Die anstehende große Privatisierungswelle in Frankreich wird darüber hinaus nach Meinung der Euronext Paris zum Börsengang der Air France bis Anfang 2003 führen. Weitere Kandidaten sind Electricité de France (EdF), Gas de France und der Flugzeughersteller Snecma.

Emissionsvolumen in den USA deutlich höher als in Europa

Die New York Stock Exchange und die NASDAQ verzeichneten von Juli bis September 2002 lediglich acht Börsengänge, im Vorjahresquartal waren es noch 15. Das Emissionsvolumen der US-amerikanischen Börsen stieg dagegen fast um das Dreifache auf nahezu 5,5 Milliarden US-Dollar, nicht zuletzt wegen des fast fünf Milliarden US-Dollar umfassenden Börsengangs der CIT-Gruppe (Finanzdienstleister) im Juli 2002. Das US-amerikanische Emissionsvolumen überstieg damit das Emissionsvolumen in Europa deutlich um mehr als 440 Prozent, obwohl die europäischen Börsen deutlich mehr IPOs verzeichneten.

Roland Pruss | PricewaterhouseCoopers
Weitere Informationen:
http://www.pwcglobal.com

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