Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wachstumsstrategien für die Pharmaindustrie

25.11.2002


Kürzere Entwicklungszyklen, höhere Erfolgsraten und deutlich geringere Forschungs- und Entwicklungskosten: Ein neues, auf zielgerichteter Krankheitsbehandlung basierendes Geschäftsmodell könnte der pharmazeutischen Industrie zu einem Wachstumsdurchbruch verhelfen. Dies prognostiziert die aktuelle Studie "Pharma 2010: Auf der Schwelle zur Innovation" von IBM Business Consulting Services.


Während Pharmaunternehmen in der Vergangenheit einen beachtlichen Return on Investment erzielen konnten, sind es heute Regierungen und Krankenversicherungen, die zunehmend ihre Forderungen und Preisvorstellungen durchsetzen. Zu beobachten ist eine Verschiebung des Markteinflusses von der Industrie zu den Kunden (Patienten, Versicherungen und Ärzte). Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die finanziellen Mittel, die in Zukunft für Forschung und Entwicklung neuer Medikamente zur Verfügung stehen. Mit anderen Worten: Es sind die Finanzierer des Gesundheitswesens und nicht die Medikamentenhersteller, die zukünftig die Schwelle zur Innovation festlegen, wenn die Industrie nicht mit neuen Behandlungs- und Geschäftsmodellen reagiert. Die neue Studie "Pharma 2010: Auf der Schwelle zur Innovation" von IBM Business Consulting Services erläutert zukünftige Wachstumsstrategien.

Wegweisend sind Konzepte, die auf zielorientierte Behandlungsmethoden - so genannte Targeted Treatment Solutions (TTS) - setzen. Mit diesem Modell der Medikamentenentwicklung könnten die Entwicklungszyklen von der Identifizierung von Wirkorten bis zum fertigen Arzneimittel von momentan durchschnittlich 13 Jahren auf etwa vier Jahre verkürzt werden. Zudem könnte die Erfolgsrate von der ersten Testphase am Menschen bis zur Markteinführung des Medikamentes vervierfacht werden. Die Forschungs- und Entwicklungskosten könnten sich auf ein Viertel reduzieren lassen - momentan liegen sie durchschnittlich bei 800 Millionen US-Dollar pro Medikament.


Die klassischen Behandlungsmethoden arbeiten vorwiegend mit Medikamenten, die für Patienten mit ähnlichen Symptomen, aber unterschiedlichen Krankheitsbildern, entwickelt wurden. TTS hingegen beschäftigt sich mit dem jeweils spezifischen Krankheitsbild und berücksichtigt dabei individuelle Diagnostik und Medikation für Patienten.

Ein neues Modell der Medikamentenentwicklung erweitert die bisherige chemische Welt um eine zunehmend biologische Sichtweise. Genomik wird hier eine wichtige Rolle spielen, weil auf Basis ihres molekularbiologischen Ansatzes Krankheiten präziser und schneller diagnostiziert werden können. "Mit Genomik wird die Industrie in der Lage sein, Krankheiten besser zu definieren und zu verstehen", so Carsten Radtke, Partner für Lifesciences und Pharmaceuticals bei IBM Business Consulting Services. "Dies wiederum ermöglicht es der Pharmaindustrie, zielgerichtete Behandlungsmethoden für Patienten mit spezifischen Krankheitszuständen zu entwickeln. ’Eine-Pille-für-alles’-Medikamente für Patienten mit ähnlichen Symptomen aber grundsätzlich unterschiedlichen Erkrankungen gehören damit der Vergangenheit an", sagt Radtke.

Unternehmen, die sich der Herausforderung stellen, zielgerichtete Behandlungsmethoden anzubieten, müssen sich grundlegend wandeln. Um das neue Medikamentenmodell verwirklichen zu können, muss die pharmazeutische Industrie enge Kooperationen mit Behörden, Versicherungen und Patienten eingehen. Die Wertschöpfungskette der Industrie wird sich verändern, das Modell muss durch neue Vertriebs- und Marketing-Ansätze unterstützt werden, wie z. B. resultatabhängige Entschädigungsmodelle und Patientenüberwachungsprogramme. Auch die Rolle und Ausbildung des pharmazeutischen Außendienstes wird sich wandeln.

Targeted Treatment Solutions als integrierte Lösung aus Diagnose und Behandlung nutzt allen Beteiligten im Gesundheitswesen: Patienten, Krankenversicherungen, Versicherten und Ärzten auf der einen Seite und der pharmazeutischen Industrie auf der anderen Seite. "Selbst wenn der Markt für zielgerichtete Behandlungen nur langsam in Schwung kommen sollte, könnten Unternehmen, die es verstehen entsprechende Medikamente zu entwickeln, ihren Shareholder Value bis 2010 deutlich steigern", erläutert Radtke.

Mit dem jetzigen Geschäftsmodell wird die Pharmaindustrie nur moderat wachsen können. IBM Business Consulting Services prognostiziert bis 2010 eine Wachstumsrate von 5,3 Prozent, andere Analysten sehen immerhin neun Prozent. Sogar Unternehmen mit erfolgreichen Blockbustern werden nicht in der Lage sein, große Wertsteigerungen zu erzielen. Bestenfalls werden sie ihren momentanen Wert bis 2010 etwas mehr als verdoppeln können - eine Leistung, die deutlich unter dem in den 90er Jahren von der Industrie erzielten Wachstum liegt.

Dagmar Domke | IBM
Weitere Informationen:
http://www.ibm.com/services/de/bcs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops