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Kunststück Innovation - Wie wird Deutschland wieder wettbewerbsfähig?

14.11.2002


Das Gebot der Stunde heißt Erneuerung. In diesem Punkt sind sich angesichts der anhaltenden und tief greifenden konjunkturellen Schwäche alle in Wirtschaft und Politik einig. Doch in Deutschland erschweren vielfältige Hemmnisse, dass sich das Neue durchsetzen kann. »Wir müssen die Fähigkeit zur Innovation zurückgewinnen«, fordert Prof. Hans-Jörg Bullinger, der neue Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Vorsprung durch Innovation ist der einzige Weg, um Wohlstand und Beschäftigung am Standort Deutschland zu sichern.


Der Begriff Innovation wurde in letzter Zeit stark strapaziert. Dennoch ist er ein Synonym für die Überlebensfähigkeit und Zukunftsorientierung der Unternehmen und Industrieländer geworden. Nur mit einer raschen Erneuerung ihrer Produkte und Verfahren können deutsche Unternehmen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig bleiben. Die Kunst, sich stetig zu erneuern, lässt sich lernen, betont Prof. Bullinger: »Wer kompetent innovieren will, braucht Wissen, Können, Gespür für Kommendes, Erfahrung und die Fähigkeit zum kreativen Umgang mit diesen und weiteren Faktoren. In turbulenten Zeiten können nur Unternehmen und Organisationen erfolgreich sein, die sich schneller erneuern als andere, und die es verstehen, sich durch Investitionen in zukunftsfähiges Wissen - also in Humanressourcen - stabile Erfolgspositionen in wachsenden Märkten zu verschaffen.« Das bedeutet: Wissen und Kreativität zählen zu den wesentlichen Wertschöpfungspotenzialen unserer Zeit.


Der Bericht »Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2001« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF zeigt zwar, dass die Unternehmen ebenso wie das Forschungsministerium in letzter Zeit ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung weiter erhöht haben. Er muss aber eingestehen, dass diese Erhöhungen noch keine Wirkung zeigen. Dafür muß man längere Zeiträume ansetzten. Es gibt aber einige Lichtblicke: Vor allem in den Spitzentechnologien Pharma und Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK) sind neue Arbeitsplätze geschaffen worden. In den forschungsintensiven Wirtschaftszweigen und bei den wissensintensiven gewerblichen Dienstleistungen konnten innerhalb von zwei Jahren etwa 500 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Deutschland nimmt inzwischen, gemessen am Anteil an der Wertschöpfung, bei wissensintensiven Dienstleistungen international eine Spitzenposition ein. Er ist mit 29 Prozent genauso hoch wie etwa in den USA.


Eine wichtige Rolle nehmen technologieorientierte Unternehmensgründungen ein. So werden in Deutschland jährlich etwa 2 500 Verwertungs-Spin-Offs aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen heraus gegründet. Diese Spin-Offs sind nicht nur besonders wichtig für Strukturwandel und Innovation, sondern auch besonders beschäftigungsintensiv.


Laut Technologiebericht haben dauerhafte Vorsprünge im Innovationswettbewerb nur die Unternehmen und Volkswirtschaften von Ländern, die immer wieder zu Höchstleistungen angetrieben werden. Beispielhaft wird der Automobilbau genannt, der für Deutschland einen Lead Market darstellt. Ein hoher qualitativer Anspruch, Kundenkompetenz, das Fehlen eines Tempolimits sowie hohe Verbrauchseffizienz durch hohe Kraftstoffpreise spannen den Rahmen auf, der die Automobilindustrie immer wieder zu Innovationen anspornt. Als prominentes Beispiel wird das Antiblockiersystem genannt, das sich zuerst in Deutschland durchsetzte, bevor es den Weltmarkt eroberte. Auch der Maschinenbau ist ein Lead Market Deutschlands. Diese beiden Branchen haben gemeinsam, dass sie in einem besonders intensiven Partnerschaftsverhältnis zur deutschen Wissenschaft und angewandten Forschung stehen, aus der sie die technologische Stärke schöpfen.


Innovationen sind die treibende Kraft in einer Volkswirtschaft. In globalen Märkten spielt die Innovationskraft eines Unternehmens die entscheidende Rolle. Die Unternehmen müssen in immer kürzeren Zyklen neue, intelligente Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen und innerhalb weniger Jahre ihr komplettes Produktspektrum erneuern. Newcomer haben bei Technologiesprüngen große Chancen und kommen meist schneller voran. Deshalb müssen Unternehmen sehr wachsam die technologische Entwicklung beobachten, schnell mitziehen und sich möglichst an die Spitze der neuen Technologie stellen. Ein Unternehmen, das sich nicht stetig erneuert, veraltet.


Doch Innovationsprozesse sind langwierig und mit hohen Risiken verbunden. »Umso wichtiger ist es, Innovationen systematisch zu entwickeln«, gibt Bullinger zu bedenken. Das Managen von Innovationen ist eine Kunst, die man erlernen kann. Dies zeigt das Buch »Kunststück Innovation«, das Bullinger gemeinsam mit Prof. Hans-Jürgen Warnecke herausgegeben hat. Darin beschreiben zahlreiche erfahrene Forschungsmanager aus der Fraunhofer-Gesellschaft an konkreten Innovationsprozessen, wie Ideen in die industrielle Praxis vordringen. Bullinger fasst zusammen: »Die Fähigkeit, Innovationen planen, durchführen, steuern und kontrollieren zu können, wird für Unternehmen zur Voraussetzung für künftigen wirtschaftlichen Erfolg.«


Die Fraunhofer-Gesellschaft ist dabei der ideale Partner, insbesondere für die mittelständische Industrie. Wenn der Mittelstand weiterhin den größten Teil zur Wertschöpfung beitragen will, muss er sich dem Innovationswettbewerb stellen. Wer zu lange in Geschäften bleibt, die kaum noch wachsen, gerät in eine Sackgasse. Die Fraunhofer-Institute wirken als Motor im Innovationsgeschehen. Sie geben als Ideenlieferanten Impulse, überführen neue Technologien in die industrielle Praxis und sorgen für eine qualifizierte Umsetzung bis zum fertigen Produkt.


Neue Ideen brauchen ein innovationsfreundliches Umfeld, damit sie Wirkung entfalten können. Das gilt in der Gesellschaft ebenso wie in den Unternehmen. Sie müssen eine Innovationskultur entwickeln. »Wir müssen Kreativität nicht nur fordern, sondern fördern«, betont Bullinger. Eine wichtige Rolle spielen auch die politischen Rahmen-bedingungen. Sie können Veränderungsprozesse aufhalten oder verzögern, aber auch fördern. In turbulenten Zeiten sind Innovationen das probate Mittel, um den Wandel aktiv zu gestalten und die Zukunft zu sichern.

Ansprechpartner:

Franz Miller
Telefon 0 89 / 12 05-5 33
Fax 0 89 / 12 05-7 13
Fraunhofer-Gesellschaft
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Leonrodstraße 54
80636 München

Franz Miller | Fraunhofer-Gesellschaft

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