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Aktienmarkt: Noch keine Entwarnung

29.10.2002


Nachdem sich die Kurse an den globalen Börsen Mitte Oktober mit einer vehementen Rally von den deprimierenden Mehrjahrestiefständen lösen konnten, sind zwischenzeitlich wieder Konsolidierungstendenzen spürbar.



Antreiber für die Terraingewinne waren eine Reihe von besser als erwarteten Unternehmensberichten für das 3. Quartal (u.a. Citigroup, IBM, Microsoft, Nokia, SAP), die Zerstreuung von Bankeninsolvenzgerüchten in Deutschland, die Eindeckung größerer Shortpositionen - im DAX vor allem bei den stark gewichteten Finanz- und Technologietiteln - sowie nicht zuletzt die offenbar flexiblere US-Vorgehensweise im Irakkonflikt. Gemessen ab Jahresbeginn zeigen Euro Stoxx 50 und DAX indes mit einem Minus von 36 bzw. 41 Prozent weiterhin eine auffällig schlechtere Performance als Dow Jones oder Nikkei (jeweils minus 17).

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Unterdessen setzt sich weltweit die konjunkturelle Katerstimmung fort. Insbesondere in den USA ist zu befürchten, dass die im abgelaufenen Quartal spürbaren Impulse aus zyklischer Lageraufstockung, Staatsausgaben und zinsbedingt robustem Konsum in den anstehenden Monaten erodieren (September-Frühindikatoren zum vierten Mal in Folge gefallen, Einzelhandelsumsätze mit minus 1,2 nach +0,6 Prozent rückläufig, Oktober-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan auf Mehrjahrestiefstand). Die Investitionsschwäche der Unternehmen angesichts von Überkapazitäten, Preisdruck und geringer Nachfrageerwartung kann indes vorläufig durch die anhaltende monetäre und verstärkt auch fiskalische Unterstützung (US-Budgetdefizit 2003 voraussichtlich rd. 250 Mrd. Dollar) zum Teil kompensiert werden.

Dagegen ist in der Eurozone für das laufende Jahr nunmehr mit einer Expansionsrate von nicht einmal der Hälfte Amerikas zu rechnen (knapp 1 Prozent) und auch für 2003 ist nur mäßige Schubkraft absehbar. Im Oktober fiel z.B. der ZEW-Konjunkturindikator für die Euroregion mit 34,3 nach 43,0 Zählern drastisch zurück, die Industrieproduktion lag im August 0,8 (nach zuvor 0,3) Prozent unter Vorjahr. Belastend wirkt vor allem der hartnäckige Wachstumsrückstand Deutschlands, das rund ein Drittel der Wirtschaftsleistung Eurolands repräsentiert. Hier sind für die kommenden Monate neben einer Verlangsamung des Außenbeitrags auch dämpfende Effekte durch höhere Steuern und Sozialabgaben einzukalkulieren. Entsprechend haben die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre BIP-Prognosen gegenüber ihrem letzten Frühjahrsgutachten markant nach unten revidiert (plus 0,4 bzw. 1,4 Prozent für 2002 und 2003).

Die oktoberlichen Kursschübe nähren zwar die Hoffnung, dass ein Ende der massiven Ausverkaufswellen bei den Dividendenpapieren bevorstehen könnte. Sie signalisieren die Rückkehr von Risikobereitschaft und Umschichtungstendenzen aus niedrigrentierlichen Bonds. Allerdings ist der Antizipationshorizont der Investoren derzeit merklich verkürzt, so dass ohne einen globalen ökonomisch-politischen Szenariowechsel beträchtliche Rückschlagsgefahren verbleiben. In toto dürfte sich kurzfristig somit lediglich ein limitierter Aufwärtsspielraum, gemessen am DAX in Richtung 3500 Punkte, eröffnen.

Hans Beth | Landesbank Rheinland-Pfalz

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