Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Green Cards sind nicht genug - Mathematik-Allianz fördert den Standortfaktor "Human Resources"

24.08.2000



... mehr zu:
»Mathematik »Ressource
Die Debatte um die "Green Card" hat gezeigt, dass in Zukunft qualifizierte Mitarbeiter ein entscheidender Wirtschaftsfaktor sein werden. Maßnahmen wie die "Green Card" können jedoch nur kurzfristige
Engpässe ausgleichen. Um den Bedarf langfristig zu decken, sind weitsichtige und umfassende Strategien notwendig. Wie die aussehen können, macht die "Mathematik-Allianz" in Kaiserslautern vor.

Überall, nicht nur in Deutschland, fehlen "Computerexperten". Während in vielen Fällen die fehlenden Programmier- oder Softwarekenntnisse relativ schnell zu vermitteln sind, ist bereits ein Mangel in Sicht, der sich noch gravierender auswirken dürfte und schwerer zu beheben sein wird. Von Jahr zu Jahr werden die Absolventen mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Studiengänge weniger, die, auf hohem Niveau ausgebildet, nicht nur Programmierkenntnisse mitbringen, sondern auch interdisziplinäres und fachliches Wissen, das es ihnen erst ermöglicht, die Dinge hinter den Programmen zu verstehen und technische Probleme in Software umzusetzen.

Im weltweiten Werben um die wenigen Fachkräfte haben Firmen in kleineren Städten, außerhalb international renommierter Metropolen wie etwa Berlin oder München, schnell das Nachsehen. Nur wer sich auf besondere Stärken besinnt und gezielt ein Profil aufbaut, kann Standortvorteile gewinnen.

"Kaiserslauterns spezifische Stärke ist die Mathematik", fanden führende Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft und gründeten im vergangenen Herbst die "Mathematik-Allianz Kaiserslautern". "Zu Unrecht gilt Mathematik vielen noch als weltfremd - sie ist heute ein wichtige Schlüsseltechnologie, ohne die auch die Weiterentwicklung der Informationstechnologie nicht denkbar ist", sagt Prof. Helmut Neunzert, einer der Gründer. Beweise dafür gibt es in Kaiserslautern tatsächlich eine Menge. Da gibt es das Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, das mit Auftragsforschung der Industrie sein Geld verdient und Anfang 2001 das erste mathematische Fraunhofer-Institut wird. Mitglieder der Mathematik-Allianz sind auch Hightech-Firmen wie die tecmath AG oder LMS, die ständig nach qualifizierten Mathematikern suchen. Oder der Fachbereich Mathematik der Universität, der bereits in den 80er Jahren praxisnahe Studiengänge wie Technomathematik oder Wirtschaftsmathematik einrichtete, die in den letzten Jahren viele Nachahmer fanden. "Das Umfeld von wissenschaftlichen Instituten, innovativen Firmen und Technologieförderung ist einzigartig", findet Neunzert. "Wenn wir das nutzen, können wir entscheidend zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Kaiserslautern beitragen."

Wie überall steht das Thema "Human Resources" im Vordergrund. Zum einen setzt auch die Mathematik-Allianz auf Fachkräfte aus dem Ausland. Der Fachbereich Mathematik holt mit englischsprachigen Studienangeboten, die an internationale Maßstäbe angepasst sind, eine Menge vielversprechender und oft bereits hochqualifizierter Ausländer nach Kaiserslautern - aus dem vielbeschworenen Indien, aus Südamerika, aus Osteuropa. Nach Abschluss des Studiums sind sie vertraut geworden mit Deutschland und sehen die USA nicht als die bessere Alternative an.

Daneben ist es der Mathematik-Allianz ein besonderes Anliegen, den Nachwuchs im eigenen Land zu fördern. Ein "Arbeitskreis Schule", in dem zahlreiche Lehrer aus weiterführenden Schulen mitarbeiten, will das Interesse der Schüler an Mathematik stärken und zum Studium ermutigen. Dafür erarbeitet er zur Zeit geeignetes Unterrichtsmaterial, das Probleme aus der Praxis aufgreift und eigenständige Arbeitsweisen fördert. Fortbildungsangebote sollen die Lehrer für einen praxisorientierten Unterricht fit machen. Vor kurzem wurde ein Antrag an das Land Rheinland-Pfalz gestellt , in einem Modellversuch mathematische Fragestellungen aus Technik und Wirtschaft und anwendungsnahe Methoden in die Lehrpläne aufzunehmen.

Andere Aktionen richten sich direkt an die Schüler. So der "Praktikantensommer 2000", bei dem interessierte Schülerinnen und Schüler für vier Wochen bei Mitgliedern der Mathematik-Allianz den Berufsalltag von Mathematikern kennen lernen konnten. Noch bis Oktober läuft ein Wettbewerb, der eher "Jugend forscht" ähnelt als den üblichen Mathematik-Wettbewerben. Es gibt keine vorgegebenen Aufgaben zu lösen; vielmehr sind Eigeninitiative und Kreativität gefragt. Schüler, Klassen und Arbeitsgemeinschaften sind aufgerufen, in ihrem Alltag Probleme zu entdecken, die sich mit mathematischen Methoden lösen lassen könnten. Die interessantesten Vorschläge werden prämiert und ihre Durchführung gefördert.

Die Aktivitäten der Mathematik-Allianz beschränken sich jedoch nicht auf die Nachwuchsförderung. Kooperationen und gemeinsame Forschungsprojekte, schon jetzt in der Mathematik-Allianz üblich, sollen in Zukunft verstärkt Unternehmen von außerhalb einbeziehen. Auch die PRE Regionalförderung GmbH, die im Osten Kaiserslauterns einen Technologiepark errichtet hat, hat sich der Mathematik-Allianz angeschlossen. Sie bietet günstige Konditionen und ein attraktives Umfeld für Existenzgründer und Neuansiedelungen.

So greift eins ins andere: wo es qualifizierte Arbeitskräfte gibt, können Firmen gedeihen, die wiederum Arbeitsplätze schaffen. Die "Green Card" übrigens wird von der Mathematik-Allianz begrüßt, bedeutet sie doch durchaus eine Erleichterung für die Einstellung ausländischer Fachkräfte. Als wirklich wirksames Mittel zur Werbung von Fachkräften wird sie jedoch nicht gesehen: da sind die eigenen, langfristigen Strategien doch vielversprechender.


Weitere Informationen bei:

Claudia Meißner
Mathematik-Allianz Kaiserslautern
Tel. 0631 / 36681-17
E-Mail: mathematik.allianz@itwm.uni-kl.de
Cäcilie Kowald
Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik
Tel. 0631 / 205-2337
E-Mail: kowald@itwm.uni-kl.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Cäcilie Kowald |

Weitere Berichte zu: Mathematik Ressource

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie