Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Investitionsgüterindustrie verbessert ihre Leistungen deutlich

21.08.2000


Kürzere Lieferzeiten / schnellere Produktentwicklung / Fraunhofer-Umfrage unter 1442 Unternehmen

Nach Analysen des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, konnte die deutsche Investitionsgüterindustrie in den zurückliegenden zwei Jahren ihre Leistungsfähigkeit merklich verbessern. Die Durchlauf- und Lieferzeiten verkürzten sich bei gleichbleibender Termintreue um ca. 7 Prozent. Durch eine Beschleunigung der Entwicklungszeiten steigerte die Investitionsgüterindustrie zudem den Umsatzanteil innovativer Produkte um 8 Prozent. Ferner wuchs die Wertschöpfung je Mitarbeiter durchschnittlich um gut 10 Prozent auf 139.000 DM für das Jahr 1999. Dabei ging die Steigerung der Produktivität nicht zu Lasten der Qualität: die Ausschuss- und Nacharbeitsquote lag unverändert bei 5,4 Prozent.

Diese Angaben stützen sich auf eine Umfrage des Fraunhofer ISI, an der 1442 Unternehmen der deutschen Investitionsgüterindustrie teilnahmen. Die Wissenschaftler stellen dabei einen Strukturwandel fest: Die Komplexität der gefertigten Produkte nahm ab, während die Losgrößen anstiegen. Einzelfertigung macht beispielsweise nur noch 35 Prozent des Produktionsvolumens aus. Im Jahre 1997 lag der entsprechende Wert bei 42 Prozent. Der Anteil der Großserie liegt derzeit bei 21 Prozent im Vergleich zu früher 16 Prozent. Das erleichtert es den Firmen, ihre Leistungen zu verbessern.

Indes produziert die Investitionsgüterindustrie heute noch stärker auftragsbezogen als früher. Wurden 1997 bereits 72 Prozent des Fertigungsvolumens nach Eingang des Kundenauftrags abgewickelt, stieg dieser Wert 1999 auf 75 Prozent.

Vergleicht man die Leistungsindikatoren der deutschen Industrie mit dem Stand vor zwei Jahren, so zeigt sich ferner eine verbesserte Lieferfähigkeit. Die mittlere Durchlaufzeit der Teile durch die Produktion konnte um drei Tage (von 43 Tage im Jahr 1997 auf 40 Tage im Jahr 1999) verkürzt werden, die im Durchschnitt benötigten Lieferzeiten sanken um fünf Tage (von 67 auf 62 Tage). Die Termintreue blieb dabei im wesentlichen unberührt; sie liegt nach wie vor bei etwa 85 Prozent.

Auch die Innovationskraft der Unternehmen ist gewachsen. Die Zeit, die die Firmen im Mittel benötigen, um ein neues Produkt zur Serienreife zu führen und in den Markt einzuführen, sank von 14,5 auf 13,2 Monate. Die kürzeren Entwicklungszeiten haben zu einer Erhöhung des Anteils innovativer Produkte am Umsatz beigetragen. Wurden 1997 15,7 Prozent des Umsatzes mit Produkten erwirtschaftet, die jünger als drei Jahre waren, stieg dieser Anteil im Jahre 1999 auf 17 Prozent. Dies entspricht einer Steigerungsrate von über 8 Prozent.

Im Hinblick auf die Produktivität lässt sich die Tendenz beschreiben mit: "Steigende Arbeitsproduktivität bei gleichbleibender Qualität". Während sich 1997 die Wertschöpfung (Umsatz minus Vorleistungen) je Mitarbeiter und Jahr auf 126.000 DM belief, konnte für das Jahr 1999 ein Wert von 139.000 DM ermittelt werden. Das entspricht einer Verbesserung von 10,3 Prozent, also etwa 5 Prozent pro Jahr.
Die ermittelte Entwicklung stellt einen Mittelwert über alle Betriebe dar, unabhängig von ihrer Größe und ihres Beitrags zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Da aber nach Analysen der Fraunhofer-Wissenschaftler die Produktivitätssteigerungen kleiner Betriebe geringer ausfallen als die großer Firmen, letztere jedoch wegen ihres höheren Wertschöpfungsbeitrags die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung stärker beeinflussen, erklärt sich der auf nationaler Ebene für die Investitionsgüterindustrie ausgewiesene Produktivitätsfortschritt von 8 Prozent im Jahr 1998. Der entsprechende Wert für 1999 liegt noch nicht vor.

Ein Teil der ermittelten Verbesserung ist sicherlich auf die gestiegene Kapazitätsauslastung zurückzuführen. Waren 1997 85,3 Prozent der vorhandenen Kapazitäten ausgelastet, stieg dieser Wert im Jahr 1999 auf 86,7 Prozent. Eine Abnahme beim Ausschuss scheidet als "Quelle" des Produktivitätsfortschritts aus. Dieser liegt nach wie vor bei 5,4 Prozent, obwohl größere Serien und geringere Produktkomplexität weniger Ausschuss erwarten ließen.
Schneller, innovativer, produktiver - so lautet zugespitzt das Zeugnis, das die Fraunhofer-Forscher der deutschen Investitionsgüterindustrie ausstellen. Dennoch: Dies ist kein Ruhekissen für die deutsche Industrie. Da die Konkurrenz nicht untätig ist, müssen auch in Zukunft erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um die Leistungsfähigkeit weiter zu verbessern. Stagnation bedeutet Rückschritt.

Um den eigenen Leistungsstand gegenüber Betrieben mit vergleichbaren Produktionsstrukturen einordnen zu können, ist ein Benchmarking unerlässlich. Dank der regen Beteiligung der Betriebe an dieser Umfrage, lassen die Daten ein solches zu. Näheres kann dem Internet entnommen werden unter: http://www.business-wissen.de/benchmarking/.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotentiale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationsspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat |

Weitere Berichte zu: ISI Investitionsgüterindustrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften