Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitsmarktpolitische Systeme

16.08.2000


Die "Aktivierung" der Arbeitsmarktpolitik und die Reformdiskussion um die Finanzierung der Arbeitslosenversicherung - Institut Arbeit und Technik untersuchte arbeitsmarktpolitische Systeme in Frankreich, Dänemark
und Schweden

Arbeitsmarktpolitik kostet Geld - vor allem in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Allerdings tragen die Ausgaben auch dazu bei, die Konjunktur zu stabilisieren. Zudem kann "aktive" Arbeitsmarktpolitik sparen helfen, wenn sie z.B. statt der Bezahlung der Arbeitslosigkeit mit Umschulungen, Lohnkostenzuschüssen und Existenzgründungen Wege in eine neue Beschäftigung finanziert. In mehreren europäischen Ländern wurden in den letzten Jahren neue Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik eingeführt. In einer jetzt vorgelegten Studie untersuchte das Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) die Finanzierung der Arbeitsmarktpolitik in Frankreich, Dänemark und Schweden, um anhand der Erfahrungen in diesen Ländern Anregungen und Erkenntnisse für die auch in Deutschland geführte Reformdiskussion zu gewinnen.

Beim Vergleich der Ergebnisse interessierte vor allem, ob und wie es in den einzelnen Ländern gelingt, die Mittel für die Arbeitsmarktpolitik aktiv zur Erreichung bestimmter arbeitsmarktpolitischer Ziele einzusetzen und welche Rolle dabei die Art der Finanzierung der Aufgaben spielt. Einige Länder verfügen bereits über solche Strukturen und Instrumente, die in der deutschen Reformdebatte als beispielhaft charakterisiert werden.

Das arbeitsmarktpolitische System wird in Schweden über Beiträge finanziert, in Frankreich für den passiven Bereich (Lohnersatzleistungen) über Beiträge und im aktiven Bereich über Steuern. Dänemark stellte 1993/94 von der Steuer- auf die Beitragsfinanzierung um. Ein Hauptergebnis der Untersuchung zeigt, dass es für eine problembezogene, effiziente Arbeitsmarktpolitik nicht entscheidend ist, ob die Mittel dafür aus Beiträgen oder Steuern stammen. Unterschiedlich ist lediglich die "Finanzierungsmechanik", letztlich ist es immer der politische Wille, der die Arbeitsmarktpolitik in eine bestimmte Richtung entwickelt.

Wenn Mehrausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik zu Einsparungen für passive Maßnahmen im selben Haushalt führen, ist eine expansive aktive Arbeitsmarktpolitik leichter durchsetzbar und die Mittelverwendung kann flexibler gestaltet werden. Außerdem schützen eine klare Zweckbindung der Mittel oder ein individueller Rechtsanspruch auf aktive Leistungen davor, dass allgemeine haushaltsrechtliche Restriktionen oder eine Verschiebung zugunsten anderer Haushaltstitel bzw. ein Anwachsen der passiven (Pflicht-)Leistungen die Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik verdrängen.

In allen untersuchten Ländern erfüllt die Arbeitsmarktpolitik eine konjunkturstabilisierende Funktion, indem die krisenbedingt abnehmende Nachfrage durch Lohnersatz- oder Unterhaltsleistungen teilweise kompensiert wird. In Dänemark und Schweden bewirkt die Arbeitsmarktpolitik darüber hinaus eine regionale Umverteilung von Mitteln aus Regionen mit niedriger in solche mit hoher Arbeitslosigkeit.

Die sozialpolitische Risikoabsicherung durch die Arbeitsmarktpolitik wurde in dem Maße geschwächt, wie Leistungen gekürzt, Zugangsvoraussetzungen verschärft und Rechtsansprüche auf aktive Maßnahmen aufgeweicht wurden. Während in den skandinavischen Ländern die Chancen, im Sicherungssystem zu verbleiben, bislang relativ gut waren, ist in Frankreich die Gefahr des Hinabgleitens in die Armutsfürsorge deutlich größer. Infolge der jüngsten Reformierungen der Arbeitsmarktpolitik in Dänemark und Schweden könnte sich in diesen Ländern jedoch künftig eine ähnliche Entwicklung wie in Frankreich abzeichnen.

In den letzten Jahren wurden in den untersuchten Ländern - insbesondere in Frankreich - neue Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik eingeführt. Diese betreffen zum einen die zeitweilige Reduzierung oder den Erlass von Beiträgen zur Förderung von Wiedereingliederungsmaßnahmen für Arbeitslose oder die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen durch Arbeitszeitverkürzung oder Existenzgründung. Zum anderen betrifft dies die Umwandlung passiver Ausgaben in aktive Maßnahmen. Eine solche Umschichtung von Mitteln hat - sofern sie kostenneutral erfolgt - durchweg positive Folgen: eine Zunahme der Beschäftigung, Einsparungen an Arbeitslosengeld und -hilfe bis hin zu einer Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.


Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerhard Bosch, Durchwahl: 0209/1707-147
Dr. Alexandra Wagner, Durchwahl: 0209/1707-143

Claudia Braczko |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB: Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv
22.09.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Auslandsaufträge geben positive Impulse - IMK: Rezessionsrisiko sinkt geringfügig
16.09.2016 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

300 Experten diskutieren auf größter Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum

26.09.2016 | Veranstaltungen

Idealer Ablauf für GMP-konforme Projekte

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phänotyp auf Knopfdruck

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Effiziente elektrische Antriebe: TU Graz startet Christian Doppler Labor

26.09.2016 | Maschinenbau

Methodenentwicklung an BESSY II: Automatische Auswertung beschleunigt die Suche nach neuen Wirkstoffen

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie