Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bauarbeitsmärkte im Wandel

20.10.2000


Internationale Arbeitstagung am Institut Arbeit und Technik vergleicht Strukturen, Arbeitsbeziehungen und Herausforderungen für die kommenden Jahre

Der Bauarbeitsmarkt steht seit gut einem Jahrzehnt unter starkem Druck. Es wird weniger gebaut - auch in den neuen Bundesländern ist der Boom vorbei -, hohe Überkapazitäten haben den Preiswettbewerb erheblich verschärft. Wer auf den deutschen Großbaustellen noch mithalten will, engagiert ausländische Subunternehmer mit niedrigeren Standards und Preisen, auch die illegale Beschäftigung hat im Zuge der Transnationalisierung der Bauarbeitsmärkte deutlich zugenommen. Die Auswirkungen auf die sozialen Regulierungssysteme sind erheblich.

Diese Prozesse finden in verschiedener Form überall in Europa und Übersee statt. Da vergleichende Untersuchungen zu diesen Entwicklungen bislang kaum vorliegen, organisierte das Institut Arbeit und Technik jetzt erstmals einen internationalen Vergleich der veränderten Strukturen und Beziehungen auf den Bauarbeitsmärkten und ihren Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme. Wissenschaftler aus elf Ländern diskutierten am 19./20. Oktober auf einer internationalen Arbeitstagung im IAT in Gelsenkirchen über "Bauarbeitsmärkte im Wandel" und Strukturen, Arbeitsbeziehungen und Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Mit dem Wandel des Bauarbeitsmarktes in Deutschland steht das von den Verbänden des Baugewerbes seit Jahrzehnten aufgebaute bauspezifische Regulierungssystem, das wirtschaftliche Effizienz und sozialen Ausgleich verbindet, auf dem Prüfstand. "Tariflichen Standards und Gesetzen wird im Zuge der internationalen Arbeitsmarktdynamik die nationalstaatliche Basis entzogen", stellen die IAT-Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch und Klaus Zühlke-Robinet fest. Unterhöhlt wird das bislang einheitliche Tarifgefüge des Baugewerbes in Deutschland zudem durch das enorme wirtschaftliche und soziale Gefälle zwischen West und Ost, das durch die Wiedervereinigung entstanden ist.

Zentrale Regulierungsinstanz für den "Bau" sind die Sozialkassen, die gemeinsam von den Sozialpartnern getragen werden. Die Leistungen der Kassen - Sicherung der Urlaubsvergütung, Zusatzversorgung im Alter, Lohnausgleich im Winter, Finanzierung der Berufsausbildung - werden durch alle Betriebe mittels einer Umlage finanziert. "Eine wesentliche Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit dieses Systems ist, dass die Sozialpartner über ein umfassendes Verhandlungsmonopol auf dem Branchenarbeitsmarkt verfügen und bundesweit gültige Tarifverträge abschließen", stellen die IAT-Wissenschaftler fest. Das gesetzliche Verbot der Leiharbeit und das Arbeitnehmer-Entsendegesetz mit dem Instrument der tariflichen Mindestlöhne für Arbeitnehmer der Baubranche sollen "Schmutzkonkurrenz" und das "Trittbrettfahren" tariflicher Außenseiter unterbinden.

Wie eine soeben veröffentlichte IAT-Studie zeigt, haben die Sozialpartner damit über einen höchst flexiblen Arbeitsmarkt ein Netz von Regelungen aufgebaut, das es ermöglicht, soziale Sicherheit, Nachwuchsrekrutierung und Flexibilität der Beschäftigten und Betriebe miteinander zu vereinen. "Ein solches Regulierungssystem kann für eine Wirtschaft zukunftsweisend sein, in der sich stabile Beschäftigungsverhältnisse zunehmend auflösen und in der man aus sozialen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu frühkapitalistischen Arbeitsmarktstrukturen mit schlecht ausgebildeten "Gelegenheitsarbeitern" zurückkehren will".

Gerhard Bosch/ Klaus Zühlke-Robinet, 2000: Der Bauarbeitsmarkt - Soziologie und Ökonomie einer Branche, Frankfurt/New York, Campus. ISBN: 3-593-36597-9


Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Prof. Dr. Gerhard Bosch
Tel.: 0209/1707-147

Klaus Zühlke-Robinet
Tel.: 0209/1707-248

Claudia Braczko
Tel.: 0209/1707-176

Claudia Braczko | idw

Weitere Berichte zu: Bauarbeitsmarkt Baugewerbe Regulierungssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics