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Armut und Ungleichheit in Deutschland

04.10.2000


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Prof. Dr. Gerhard Bäcker gehört zu den Autoren des neuen Armutsberichts für die Bundesrepublik Deutschland

Arbeit schützt nicht vor Armut

Studie wird heute vor der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt

Prof. Dr. Gerhard Bäcker von der Fachhochschule Niederrhein gehört zu den drei Autoren der Studie "Armut und Ungleichheit in Deutschland", die heute (4. Oktober) vor der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt wird. Danach lebte 1998 rund jeder elfte Bundesbürger in Einkommensarmut. Das Problem der Armut trotz Erwerbstätigkeit existiere in erheblich größerem Umfang, als dies vielfach unterstellt werde. Bestätigt wurde die These, dass die Armut in der Bundesrepublik vor allem eine Armut von Familienhaushalten ist. Neben Prof. Dr. Bäcker waren Prof. Dr. Walter Hanesch von der Fachhochschule Darmstadt (davor ebenfalls an der FH Niederrhein) und Dr. Peter Krause vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung Berlin an der Studie beteiligt, die im November als Taschenbuch bei Rowohlt erscheint. In Auftrag gegeben wurde sie von der Hans-Böckler-Stiftung, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Deutschen Gewerkschaftsbund.

Mit der neuen Studie wird der 1994 veröffentlichte erste nationale Armutsbericht für das vereinte Deutschland fortgeschrieben und aktualisiert. Sie erfasst die Jahre 1985 bis 1998 und basiert auf einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Danach lag die Quote der Einkommensarmen im alten Bundesgebiet mit 8,7 Prozent etwas niedriger und in den neuen Bundesländern mit 10,7 Prozent etwas höher als der Bundesdurchschnitt (9,1 Prozent). Als einkommensarm gelten dabei Bürger, die mit ihrem Einkommen unter der Armutsschwelle von 50 Prozent des durchschnittlichen verfügbaren bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommens liegen.

Überraschend ist, dass die Armutsquote von Menschen in Erwerbstätigenhaushalten nur geringfügig unter der allgemeinen Armutsquote liegt. "Probleme entstehen vor allem dann, wenn in Paar-Haushalten mit minderjährigen Kindern nur ein Partner erwerbstätig ist und ein niedriges Arbeitseinkommen hat", so die Autoren. In Arbeitslosenhaushalten liegt die Armutsquote mehr als dreimal so hoch wie für die Gesamtbevölkerung - mit steigender Tendenz. "Die soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit reicht bei vielen Haushalten nicht aus, um einen Abstieg bis unter die Armutsgrenze zu verhindern. Unsere Analysen lassen daher keineswegs den Schluss zu, dass es den Arbeitslosen in der Bundesrepublik ’zu gut’ geht". Etwa dreimal so hoch wie für die Gesamtbevölkerung ist die Armutsquote auch für Alleinerziehende, Ausländer und Spätaussiedler. Migranten sind aber nicht nur in stärkerem Maß, sondern auch länger arm.

Den Stellenwert der Politik gegen Armut in der Bundesrepublik bezeichnen die drei Sozialforscher als "nach wie vor eher begrenzt". "Ausgehend vom Problem der Einkommensarmut sind vor allem der Ausbau der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik, die armutsfeste Ausgestaltung der Einkommenssicherung beim Einkommensausfall sowie eine konzeptionelle Neudefinition der Ausgleichsleistungen für besondere ’Lasten’ gefordert. Es werde in der Bundesrepublik in den kommenden Jahren darauf ankommen, das in anderen Ländern erfolgreiche Konzept der ’Aktivierung’ im Sinne echter Reintegrationshilfen in Arbeit und Gesellschaft zu akzentuieren.

Kontakt: Prof. Dr. Gerhard Bäcker, Tel. 0211-4849554 oder 02161-186628

M.A. Rudolf Haupt | idw

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