Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Duale System fit machen für die Dienstleistungsgesellschaft

17.11.2000


IAT-Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch: Aufstiegsfortbildung verbessern - Finanzierungsfrage muss neu gestellt werden

Auf die Berufsbildungspolitik kommen in den nächsten Jahren wichtige Zukunftsaufgaben zu. Zum einen wird der Bedarf an Ausbildungsplätzen bis zum Jahr 2006 noch weiter auf 771 000 zunehmen, so dass weitere politische Kraftakte zur Lösung des Ausbildungsproblems notwendig sind. Zum anderen entstehen auf dem Weg in die Dienstleistungsgesellschaft neue Berufe, die geordnet und in das Bildungssystem eingebunden werden müssen. "Dabei muss auch die Finanzierungsfrage neu gestellt werden", so der Arbeitsmarktforscher Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). "Es geht nicht an, dass Hochschulausbildung kostenfrei und Aufstiegsfortbildung kostenpflichtig ist!"

Der Reformstau bei der Modernisierung und Neuschaffung von Berufen ist zum großen Teil abgearbeitet. Seit 1996 wurden 33 neue Berufe entwickelt und 109 alte modernisiert bzw. erweitert. In den acht neuen IT- und Medienberufen sind bereits 40.000 Auszubildende eingestellt. "Um das Duale System weiterhin attraktiv auch für die hoch qualifizierten und aufstiegsorientierten Jugendlichen zu halten, muss aber die Durchlässigkeit nach oben verbessert werden" fordert Bosch. Immer mehr Jugendliche studieren, in 20 Jahren werden es wahrscheinlich mehr als ein Drittel aller Jugendlichen sein. Mit veränderten Rekrutierungsstrategien der Unternehmen werden die traditionellen Aufstiegspositionen vielfach von oben besetzt - es besteht die Gefahr, dass die Absolventen des Dualen Systems in Sackgassen enden.

Eine Lösung des Problems sieht Bosch in den nach langer Stagnation endlich entwickelten bundesweiten Regelungen für Fortbildungsberufe, etwa bei den Bank-, Versicherungs- und Handelsfachwirten. Diese Fortbildungen zu Fachwirten sollen zu Führungs- und Leitungsaufgaben befähigen und erfreuen sich einer enormen Nachfrage. Für die IT-Berufe wird gegenwärtig in Kooperation der Sozialpartner die bislang unübersichtliche Zahl privater Fortbildungsmaßnahmen - man spricht von mehr als 6000 unterschiedlichen Maßnahmen - geordnet und es sollen Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zu Hochschulabschlüssen geschaffen werden. Mit dieser Durchlässigkeit nach oben kann das Duale System seine Attraktivität auch gegenüber anderen Bildungsgängen wahren.

Seine Leistungsfähigkeit bei der Integration der nachwachsenden Generation hat das Duale System in den letzten Jahren immer wieder bewiesen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im Verhältnis zur allgemeinen Arbeitslosigkeit nirgendwo so niedrig wie in Deutschland. Der größte Pluspunkt ist dabei der schnelle und direkte Zugang in das Beschäftigungssystem. "Der Zugang ist allerdings heute holpriger geworden, da er oft nur über Phasen befristeter Beschäftigung mit hoher Unsicherheit erfolgt", so Bosch. Die Beschäftigungschancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt verbessern sich, bereits in den nächsten Jahren steuern wir auf einen Arbeitskräftemangel zu, der nur gemildert werden kann, wenn das Arbeitspotential der nachwachsenden Generation erschlossen wird. Wenn sich Unternehmen über Innovationen am Markt behaupten wollen, sind sie auf qualifiziertes Personal angewiesen und die berufliche Ausbildung ist dann eine gute Alternative zur kostenträchtigen Einstellung von Hochschulabsolventen. Deren Gehälter liegen über denen der Absolventen des Dualen Systems. Zudem brauchen sie nach ihrem langen theoretischen Lernen erst ein oder zwei Einarbeitungsjahre in den Unternehmen, bevor sie produktiv sind.

Trotz der guten Gesamtbilanz der beruflichen Bildung gibt es Probleme insbesondere bei ungelernten und ausländischen Jugendlichen. 61,5 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen in Westdeutschland und 46,5 Prozent in Ostdeutschland haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Bosch hält deshalb in der Arbeitsmarktpolitik für benachteiligte Jugendliche einen grundlegenden Wandel der Philosophie für notwendig, wie sie auch mit dem NRW-Programm "Jugend in Arbeit" umgesetzt wird. Im einzelnen sollten für alle jugendlichen Langzeitarbeitslosen individuelle Entwicklungspläne aufgestellt werden. Lernschwache Jugendliche ab der 8. Klasse müssen intensiver zwischen Schule und Betrieb wechseln. Die beruflichen Vorbereitungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sollen künftig mit betrieblichen Praktika verknüpft werden. Wenn Jugendliche eine Maßnahme abbrechen, muss interveniert werden und eventuell eine andere Möglichkeit vereinbart werden. Für Jugendliche, die nach Abbruch keine neue Ausbildung anfangen, sollen die erlernten Ausbildungsbestandteile zertifiziert werden, um die Arbeitsmarktchancen zu verbessern.

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Prof. Dr. Gerhard Bosch
Tel.: 0209/1707-226

Claudia Braczko
Tel.: 0209/1707-176

Claudia Braczko | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie