Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Studie zur Frauenerwerbsarbeit im Ruhrgebiet

16.10.2000


Obwohl die Erwerbstätigkeit von Frauen in Essen in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen ist, kann man die Frauen nicht als die Gewinnerinnen des Strukturwandels bezeichnen. Dieses Fazit zieht die Bochumer Historikerin Brigitte Schneider in ihrer kürzlich prämierten Magisterarbeit "Strukturwandel und weibliche Erwerbstätigkeit im Ruhrgebiet. Der Raum Essen ab den 1960er Jahren".

Frauen keine Gewinnerinnen des Strukturwandels
Magisterarbeit erhält Geschichtspreis beim "Historama 2000"

Für ihre Magisterarbeit "Strukturwandel und weibliche Erwerbstätigkeit im Ruhrgebiet. Der Raum Essen ab den 1960er Jahren" (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Prof. Dr. Dietmar Petzina) wurde Brigitte Schneider mit einem der mit 2000 DM dotierten zweiten Preise des vierten Wettbewerbs zur Geschichte im Ruhrgebiet im Rahmen des "Historama Ruhr 2000" ausgezeichnet. Ihr Ergebnis: Obwohl die Erwerbstätigkeit von Frauen in Essen in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen ist, kann man die Frauen nicht als die Gewinnerinnen des Strukturwandels bezeichnen.

Frauen bisher ausgeblendet

Der Strukturwandel des Ruhrgebiets und sein krisenhafter Verlauf mit Auswirkungen auf die Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Studien über wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Gegensteuerungsmaßnahmen nehmen die (Erwerbs-)Bevölkerung jedoch überwiegend geschlechtsindifferent wahr oder schreiben die Folgen und Lasten des Strukturwandels hauptsächlich den männlichen Erwerbstätigen zu - der Blick auf die Statistik scheint dieser Sichtweise Recht zu geben: Er zeigt, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Ruhrgebiet in den letzten 30 Jahren deutlich gestiegen ist, eine Tendenz, die auch auf die Stadt Essen zutrifft. Sind die Frauen deshalb Strukturgewinnerinnen? Die bis heute im Vordergrund der politischen Diskussion stehenden Beschäftigseinbrüche in der Montanindustrie verdecken die Beschäftigungsprobleme von Frauen.

Leitbilder und Rollenverhalten prägen Erwerbsverhalten

Für ihre Magisterarbeit hat sich Brigitte Schneider daher zum Ziel gesetzt, die Strukturmerkmale und Entwicklungstendenzen der Erwerbstätigkeit von Frauen im Ruhrgebiet am Beispiel Essen seit den 1960er Jahren zu analysieren. Außerdem standen die Wahrnehmung und Beeinflussung von Frauenerwerbsarbeit durch politische Akteure im Mittelpunkt. In einem ersten Teil stellt die Arbeit die wirtschaftliche Entwicklung des Ruhrgebiets dar, indem sie Befunde zum Strukturwandel in Mülheim, Essen und Oberhausen sammelt und strukturpolitische Konzepte als Reaktionen auf die Einbrüche am Arbeitsmarkt zuordnet. In einem nächsten Schritt verfolgt sie die geschlechtsspezifischen Verschiebungen des Arbeitsmarktes im Ruhrgebiet und vor allem in Essen. Es stellte sich heraus, dass Essen den Strukturwandel früh und aktiv betrieben hat: Frauen fassten hier im sich ausweitenden Dienstleistungssektor stärker Fuß - allerdings auch in wenig gesicherten oder prekären Arbeitsverhältnissen. Der dritte Teil der Arbeit untersuchte soziokulturelle Faktoren wie Leitbilder und Rollenverhalten, die sich als bestimmend für das Erwerbsverhalten von Frauen und Männern, aber auch für das Handeln kollektiver Akteure zeigten. Deutlich sind sie in den Ansätzen und Konzepten zur Gleichstellung staatlicher Stellen und Gewerkschaften zu erkennen.

Frauen gewannen nur auf den ersten Blick

Fazit der Untersuchung von Brigitte Schneider ist, dass Frauen trotz der seit 1960 stark gestiegenen Erwerbstätigkeit nicht als Gewinnerinnen des Strukturwandels bezeichnet werden können. Zum einen war nämlich die Quote der Frauenerwerbsarbeit zwischen 1960 und 1995 in Essen trotzdem noch immer niedriger als in NRW und dem restlichen Bundesgebiet, zum anderen belegt allein die Notwendigkeit gesellschaftspolitischer Maßnahmen, dass die gerechte Teilhabe am Erwerbsleben nicht selbsttätig funktioniert. Bedenklich stimmt bei dieser Erkenntnis die Zunahme versicherungsfreier Beschäftigungsverhältnisse von Frauen im Dienstleistungsbereich.

Weitere Informationen

Brigitte Schneider, M.A., Kriemhildstraße 11, 44793 Bochum, Tel. 0177/3914809,  


E-Mail: brigitte.schneider@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Erwerbstätigkeit Frauenerwerbsarbeit Strukturwandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein „intelligentes Fieberthermometer“ für Mikrochips

16.01.2018 | Informationstechnologie

Diagnostik der Zukunft - Europäisches Projekt zur Erforschung seltener Krankheiten startet

16.01.2018 | Förderungen Preise

Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

16.01.2018 | Biowissenschaften Chemie