Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

26.10.2000


Bedeutung der Kreislaufwirtschaft steigt / Doch End-of-pipe-Technologien dominieren noch / Fraunhofer-Umfrage unter 1442 Betriebe der Investitionsgüterindustrie

Glaubt man den Führungskräften der deutschen Investitionsgüterindustrie, steigt die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Aber noch spiegelt sich das nicht in der betrieblichen Umsetzung wider: Rationalisierungspotenziale des produktionsintegrierten Umweltschutzes bleiben weitgehend ungenutzt. Das zeigt die jüngste Erhebung Innovationen in der Produktion des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe.

Immerhin 10 Prozent der befragten rund 1400 Firmen halten geschlossene Produktkreisläufe für unverzichtbar, nahezu die Hälfte beurteilen den Ansatz "eher positiv". Nur ein 1 Prozent der Betriebe betrachten die Kreislaufwirtschaft als Fehlinvestition. Auffällig ist: Große Betriebe messen der Nachhaltigkeit größere Bedeutung zu. Beinahe jede fünfte Führungskraft von Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten hält die Kreislaufwirtschaft für unverzichtbar.

Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe investierten in den letzten zwei Jahren in den Umweltschutz. Die Fahrzeugindustrie ist mit 65 Prozent die aktivste Branche. Gesetzliche Auflagen sind dabei nicht der Hauptauslöser für die Einführung von Umweltschutzmaßnahmen. 54 Prozent der Betriebe geben an, auf eigene Initiative tätig zu sein. Doch ist die grundlegende Neuausrichtung der Unternehmensstrategie noch die Ausnahme.

Sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen oft nur mit Nischenstrategien in die Kreislaufwirtschaft einsteigen. Noch immer dominieren bei den Umweltschutzinvestitionen so genannte End-of-pipe-Technologien, die erst nach dem Produktionsprozess den Ausstoß von Schadstoffen verringern. Fast jeder zweite Betrieb gibt an, ausschließlich in diese Technologien zu investieren; weniger als 10 Prozent der Betriebe setzen hingegen vorrangig auf den produktionsintegrierten Umweltschutz. Doch mindert dieser die Umweltbelastungen bereits im Produktionsprozess und ist oft nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll.

Neben den klassischen Umweltschutzinvestitionen gilt die Schließung von Stoff- und Nutzungskreisläufen als zentraler Ansatzpunkt nachhaltigen Wirtschaftens. Allerdings bieten nur 15 Prozent der befragten Betriebe den Kunden die Rücknahme ihrer Produkte an, und lediglich 5 Prozent des Produktionsvolumens werden von den Herstellern zurückgenommen. Überdurchschnittlich häufige Rücknahmeangebote kommen von Betrieben, die neue Technologien als ihren wichtigsten Wettbewerbsfaktor sehen. Geschlossene Produktkreisläufe stellen folglich kein Hindernis für Innovationen dar.

Die Fraunhofer-Untersuchung zeigt ferner, dass sich 12 Prozent der befragten Unternehmen einem Umweltaudit nach DIN ISO 14001 oder EMAS unterzogen haben. Im Vergleich zu den Ergebnissen der Erhebung von 1997 hat sich dieser Anteil somit verdoppelt. Doch die Bewertung der betrieblichen Umweltwirkungen überwiegt bei großen Betrieben. 35 Prozent der befragten Großbetriebe führten ein Umweltaudit durch, während der Anteil kleiner Firmen mit 6 Prozent deutlich geringer ausfällt.

Das Fraunhofer ISI kommt ferner zu dem Ergebnis, dass Betriebe mit Umweltschutzaktivitäten eine höhere Produktivität und Umsatzrendite haben als weniger aktive. Jedes zweite Unternehmen, das Umweltaudits durchführt, erzielt eine Wertschöpfung von 150 000 DM und mehr pro Mitarbeiter und 6 Prozent Umsatzrendite. Im Umweltschutz passive Unternehmen kommen dagegen nur auf einen vergleichbaren Wert von 110 000 DM und 4,2 Prozent Umsatzrendite.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw

Weitere Berichte zu: ISI Kreislaufwirtschaft Produktionsprozess

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: weiterhin positiver Ausblick
27.09.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht IAB: Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter positiv
22.09.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Laser für Neurochirurgie und Biofabrikation - LaserForum 2016 thematisiert Medizintechnik

27.09.2016 | Veranstaltungen

Ist Vergessen die Zukunft?

27.09.2016 | Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nanotechnologie für Energie-Materialien: Elektroden wie Blattadern

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ultradünne Membranen aus Graphen

27.09.2016 | Physik Astronomie

Ein magnetischer Antrieb für Mikroroboter

27.09.2016 | Biowissenschaften Chemie