Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitszeitorganisation in der europäischen Automobilindustrie

06.02.2001


Arbeitszeitorganisation in der europäischen Automobilindustrie: Wo kurz und flexibel gearbeitet wird, können die Maschinen länger laufen - Institut Arbeit und Technik untersuchte Veränderungen der Arbeits- und
Betriebszeiten der europäischen Automobilfabriken in den letzten zehn Jahren

Wo nur kurz, aber flexibel gearbeitet wird, können die Maschinen trotzdem länger laufen. Das zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zu den Arbeits- und Betriebszeiten in den europäischen Automobilfabriken. "Arbeits- und Betriebszeiten werden zunehmend entkoppelt", stellt der IAT-Arbeitszeitforscher Dr. Steffen Lehndorff fest. "Für die Realität in den Automobilfabriken sind heute allerdings Flexibilisierungen der Arbeitszeit weitaus wichtiger geworden als Verkürzungen der Arbeitszeit, wie sie beispielsweise mit der 35-Stunden-Woche in Deutschland durchgesetzt wurden."

In den meisten europäischen Automobilfabriken wird Flexibilität noch vorrangig mit Sonderschichten oder Variation der Dauer der Werksferien erreicht. Dort aber, wo die Arbeitszeit vergleichsweise kurz ist, entwickeln die Unternehmen besonders große Anstrengungen zur Differenzierung der Schichtsysteme und zur Verlängerung und Flexibilisierung der Betriebszeiten durch den Einbau flexibler Gestaltungselemente in die Schichtsysteme selber. Dies ist seit einigen Jahren eindrucksvoll in Deutschland zu beobachten und aktuell auch in Frankreich.

Im Laufe der 90er Jahre hat sich das Schwergewicht in der Automobilproduktion vom Zwei- zum Dreischichtbetrieb verschoben. Zweischichtsysteme mit langen Schichten konnten sich nicht durchsetzen und wurden teilweise sogar wieder zurückgenommen. Die Entwicklung scheint dahin zu tendieren, dass Zweischichtbetrieb nur noch in nachfrageschwachen Perioden akzeptiert wird. Die Gefahr von Standortschließungen wird dadurch größer.

Lange Betriebszeiten werden vor allem in Spanien, Deutschland und Belgien, mit Einschränkungen auch in Frankreich gefahren. Die Standortentscheidung der Automobilhersteller hängt dabei weniger von den nationalstaatlichen Arbeitzeitregulierungen ab. Unternehmen, die lange Betriebszeiten benötigen, ändern vielmehr ihre Schichtsysteme dort, wo sie die jeweils besonders stark nachgefragten Modelle bauen. Allerdings werden die meisten Volumenmodelle an mehreren europäischen Standorten gebaut. Deshalb wird die Bereitschaft der örtlichen Gewerkschaften und Interessenvertretungen, auf Forderungen der Unternehmen nach Nacht- oder Wochenendarbeit einzugehen, für die Standortstrategien der Unternehmen eine wichtige Rolle spielen.

Bei der Flexibilisierung der Arbeitzeit üben die Unternehmen zwar dominierenden Einfluss aus, von Sonderschichten bis hin zu variablen Schichtsystemen werden die Regelungen jedoch in hohem Maße durch die betrieblichen Interessenvertretungen mitbestimmt. "Die Flexibilisierung ist gerade dort Gegenstand betrieblicher Aushandlungsprozesse, wo sie im Grunde auf ein Tauschgeschäft "Verkürzung gegen Flexibilisierung der Arbeitszeit" zurückgeht", so Lehndorff. Je stärker sich die Gewerkschaften um Arbeitszeitverkürzungen bemühen, desto eher sind sie gezwungen, ihr eigenes "Arbeitszeit-know how" zu entwickeln, das sie für die Beeinflussung der betrieblichen Arbeitszeitpolitik benötigen.

Steffen Lehndorff: Die Arbeits- und Betriebszeiten in der europäischen Automobilindustrie, Graue Reihe des Instituts Arbeit und Technik 2000 - 13

Die Studie kann zum Preis von 10 DM über die Abteilung Veröffentlichungen des IAT, Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen, bezogen werden oder im Internet unter http://iat-info.iatge.de kostenlos als pdf-Datei heruntergeladen werden.


Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Dr. Steffen Lehndorff
Tel.: 0209/1707-146

Claudia Braczko
Tel.: 0209/1707-176

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Claudia Braczko | idw

Weitere Berichte zu: Automobilindustrie Schichtsystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Im Focus: Extrem helle und schnelle Lichtemission

Eine in den vergangenen Jahren intensiv untersuchte Art von Quantenpunkten kann Licht in allen Farben wiedergeben und ist sehr hell. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung von Wissenschaftlern der ETH Zürich hat nun herausgefunden, warum dem so ist. Die Quantenpunkte könnten dereinst in Leuchtdioden zum Einsatz kommen.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern der ETH Zürich, von IBM Research Zurich, der Empa und von vier amerikanischen Forschungseinrichtungen hat die...

Im Focus: Paradigmenwechsel in Paris: Den Blick für den gesamten Laserprozess öffnen

Die neusten Trends und Innovationen bei der Laserbearbeitung von Composites hat das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT im März 2018 auf der JEC World Composite Show im Fokus: In Paris demonstrieren die Forscher auf dem Gemeinschaftsstand des Aachener Zentrums für integrativen Leichtbau AZL unter anderem, wie sich Verbundwerkstoffe mit dem Laser fügen, strukturieren, schneiden und bohren lassen.

Keine andere Branche hat in der Öffentlichkeit für so viel Aufmerksamkeit für Verbundwerkstoffe gesorgt wie die Automobilindustrie, die neben der Luft- und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

Registrierung offen für Open Science Conference 2018 in Berlin

11.01.2018 | Veranstaltungen

Wie sieht die Bioökonomie der Zukunft aus?

10.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit mikroskopischen Luftblasen dämmen

15.01.2018 | Architektur Bauwesen

Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen

15.01.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Perowskit-Solarzellen: Es muss gar nicht perfekt sein

15.01.2018 | Materialwissenschaften