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Nur selten kooperieren Unternehmen, wenn es ihnen gut geht

26.01.2001


Erhebung unter 1400 Unternehmen der deutschen Investitionsgüterindustrie / Firmen in den östlichen Bundesländern kooperieren öfter / Produktionskooperation häufigste Form

Obwohl viele politische Initiativen darauf abzielen, regionale Netzwerke zu initiieren, kooperiert derzeit lediglich ein Drittel aller Unternehmen der deutschen Investitionsgüterindustrie mit regionalen Partnerfirmen. In den östlichen Bundesländern ist die Neigung zur Zusammenarbeit deutlich stärker ausgeprägt als im Westen. Doch sind regionale Kooperationen eher Ausdruck von wirtschaftlicher Schwäche, wie die jüngste Erhebung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, unter 1400 Betrieben der deutschen Investitionsgüterindustrie zeigt.

Nur selten kooperieren Unternehmen auch dann, wenn es ihnen gut geht. Betriebe mit einer Umsatzrendite vor Steuern von weniger als 2 Prozent gehen nach Untersuchung der Fraunhofer-Forscher signifikant häufiger regionale Partnerschaften ein (zu 38 Prozent) als Betriebe mit einer Rendite zwischen 2 und 6 Prozent (zu etwa einem Drittel) oder mit einer Rendite von 6 Prozent und mehr (zu 28 Prozent). Viele Firmen scheinen demnach mit der Suche nach regionalen Kooperationspartnern erst dann zu beginnen, wenn ihnen "das Wasser bereits bis zum Hals steht".

Die Produktionskooperation ist die häufigste Form der regionalen Zusammenarbeit. Mehr als ein Fünftel aller Investitionsgüterproduzenten kooperiert mit Betrieben, die nicht weiter als 50 Kilometer entfernt liegen. Gemessen an allen bundesdeutschen Produktionskooperationen sind dies ca. 50 Prozent. Regionale Vertriebskooperationen unterhalten dagegen nur knapp 13 Prozent der Investitionsgüterhersteller. Regionale Beschaffungs- oder Servicekooperationen nutzen gar nur jeweils 8 Prozent der Firmen.

Die Analysen zeigen zugleich, dass die Firmen regionale Kooperationsbeziehungen zunächst auf dem Feld gemeinsamer Produktion beginnen. Im nächsten Schritt wird der Vertrieb einbezogen. Die Beschaffung oder der Service folgen erst an dritter und vierter Stelle.

Nach Ansicht der Fraunhofer-Forscher verschenken damit viele kleine und mittlere Unternehmen Synergiepotenziale, die die regionale Zusammenarbeit bietet. Denn Betriebe, die gezielt Vertriebskooperationen mit Partnern aus ihrem regionalen Umfeld eingehen, erwirtschaften mit durchschnittlich 35 Prozent das höchste jährliche Umsatzwachstum. Hier scheinen die Synergiepotenziale einer Zusammenarbeit im Vertrieb ausgeschöpft werden zu können, ohne dass durch größere räumliche Entfernungen zwischen den Firmen wesentliche Koordinationsprobleme auftreten.

Regionale Beschaffungskooperationen helfen dagegen Gemeinkosten einzusparen. Doch zeigt sich, dass Betriebe mit regionalen oder überregionalen Beschaffungskooperationen im Mittel signifikant längere Lieferzeiten benötigen (ca. 72 Tage) als Firmen ohne solche Kooperationen (ca. 58 Tage). Die längeren Lieferzeiten wirken sich jedoch nicht negativ auf die Termintreue aus.

Servicekooperationen scheinen unabhängig von der räumlichen Nähe der Partner geeignet zu sein, den Dienstleistungsanteil am Umsatz zu steigern. Betriebe ohne Kooperationen im Service erwirtschaften einen Anteil von 7,5 Prozent ihres Umsatzes mit produktbegleitenden Dienstleistungen. Betriebe, die Servicepartnerschaften eingehen, erwirtschaften mit produktbegleitenden Dienstleistungen dagegen im Mittel einen Anteil von 10,4 Prozent am Gesamtumsatz ihres Unternehmens.

Verblüffend, zumindest in dieser Deutlichkeit, ist die Tatsache, dass Betriebe in den östlichen Bundesländern mit einem Anteil von 46 Prozent sehr viel häufiger mit regionalen Partnerfirmen kooperieren als Betriebe in den westlichen Bundesländern (28 Prozent). Dies liegt jedoch nicht an den unterschiedlichen Siedlungsstrukturen in Ost und West. Überregionale Kooperationsbeziehungen werden dagegen in Ost und West gleichermaßen von gut der Hälfte der Betriebe eingegangen.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationsspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw

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