Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Osterweiterung: Verstärkte Anstrengungen zur Modernisierung der Infrastruktur notwendig

11.09.2002


DIW Berlin: Forcierung der Marktwirtschaft wichtiger als Finanzspritzen

Die europäische Infrastrukturpolitik steht vor einem Dilemma: Einerseits liegt die Infrastrukturausstattung der mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer noch weit unterhalb des EU-Durchschnitts, z.B. in den Bereichen Verkehr, Energie- und Wasserversorgung. Andererseits sind die Finanzierungsmittel sowohl in den Beitrittsländern als auch in Brüssel knapp bemessen. Zur Linderung des Problems schlägt das DIW Berlin in seinem aktuellen Wochenbericht 37/2002 vor, die Privatisierung und Liberalisierung in den Beitrittsländern zu beschleunigen und die Rahmenbedingungen für Public-Private Partnerships zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist der Bau der Autobahn A2 Warschau-Frankfurt/Oder(-Berlin), welcher bei richtigen Rahmenbedingungen weitgehend mit privatem Kapital finanziert werden kann.
Der Investitionsbedarf der 10 EU-Beitrittskandidaten (Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn) zur Erreichung des durchschnittlichen EU-Ausstattungsniveaus beläuft sich auf über 500 Mrd. Euro. Hiervon entfallen auf den Verkehrsbereich 90 Mrd. Euro, auf die Telekommunikation 60 Mrd. Euro, die Wasserwirtschaft 180 Mrd. Euro, den Energiesektor 110 Mrd. Euro sowie auf weitere Maßnahmen im Umweltbereich 70 Mrd. Euro. Dem stehen bisher Investitionen von etwa 100 Mrd. Euro gegenüber, im Wesentlichen durch Pilotkredite internationaler Entwicklungsbanken angestoßen. Sie können diese Aufgabe jedoch nicht unbegrenzt übernehmen. Somit bleiben große Gebiete Mittel- und Osteuropas infrastrukturell EU-Regionen "zweiter Klasse", und es besteht die Gefahr eines dauerhaften Gefälles zwischen alten und neuen EU-Ländern.
Ungarn, Polen und Estland sind am weitesten im Reformprozess fortgeschritten, das Schlusslicht bildet die Slowakische Republik. Am deutlichsten sichtbar ist der Aufholprozess in der Telekommunikationsinfrastruktur, wo Länder wie Ungarn und Slowenien bereits den EU-Durchschnitt erreicht haben. Im Verkehrssektor gibt es vor allem Engpässe bei der Entwicklung von Schnellstraßen und Autobahnen. Im Energiesektor besteht ein erhebliches Einsparpotential, die Wasserwirtschaft hat aufgrund veralteter Strukturen den höchsten finanziellen Aufholbedarf.
Das DIW Berlin weist anhand von Sektoranalysen nach, dass die Verbesserung der marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mittelfristig vielversprechender ist als die einseitige Konzentration auf die Bereitstellung finanzieller Mittel. Hierzu gehören die Privatisierung und Liberalisierung der Infrastruktursektoren, stabile rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen sowie die - zugegebenermaßen schmerzhafte - Erhöhung von Nutzungsgebühren (z.B. in den Bereichen Wasser, Strom, Gas) sowie die Einführung von Autobahngebühren.
Die gesamte Untersuchung ist soeben als Buch in englischer Sprache veröffentlicht worden:
Christian von Hirschhausen: Modernizing Infrastructure in Transformation Economies - Paving the Way to European Enlargement. Preis 55 GBP, 288 Seiten, brosch., ISBN 1-84376-113-0. Verlag Edward Elgar Publishing, Cheltenham, UK, and Northampton, MA USA
Eine begrenzte Zahl von Rezensionsexemplaren kann bei der Pressestelle bestellt werden.

Dipl.Volkswirtin Dörte Höppner | idw
Weitere Informationen:
http://www.diw.de/

Weitere Berichte zu: EU-Osterweiterung Energiesektor Liberalisierung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie