Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Juli 2008

24.07.2008
Die deutsche Wirtschaft ist gut in das laufende Jahr gestartet und hat sich zu Beginn trotz der zunehmenden Belastungsfaktoren aus dem weltwirtschaftlichen Umfeld als recht widerstandsfähig erwiesen.

Inzwischen hat sich das weltwirtschaftliche Umfeld weiter eingetrübt. Der Anstieg der Öl- und Nahrungsmittelpreise hat sich weltweit beschleunigt. Neben den USA haben sich auch die konjunkturellen Aussichten für wichtige europäische Handelspartner wie Italien, Spanien und Großbritannien spürbar abgeschwächt.

Daneben wirken die bisherigen Belastungsfaktoren wie die Immobilienkrise in den USA, die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die anhaltende Eurostärke auch über den Beginn dieses Jahres hinaus fort. Die ungünstigere weltwirtschaftliche Entwicklung zeigte sich in den letzten Monaten unter anderem in einer nachlassenden Auslandsnachfrage nach Erzeugnissen der deutschen Industrie. Dies ging zuletzt auch mit einer Einschränkung der Inlandsnachfrage nach Industriegütern einher und dämpfte die Erzeugung im konjunkturell bedeutsamen Produzierenden Gewerbe. Die Binnennachfrage wird gegenwärtig zudem vom anhaltend starken Preisauftrieb bei Energie und Nahrungsmitteln belastet.

Trotz der spürbaren Erhöhung der Tariflöhne und -gehälter und der bislang günstigen Arbeitsmarktentwicklung gehen deshalb aktuell von Seiten des privaten Konsums noch nicht die zuvor erwarteten Impulse auf die Binnenkonjunktur aus. Insgesamt ist daher im zweiten Quartal von einer Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität auszugehen.

... mehr zu:
»Konsum

Dabei ist allerdings in Rechnung zu stellen, dass der Konjunkturverlauf im zweiten Quartal durch starke binnenwirtschaftliche Sonderfaktoren - den milden Winter und die Abschaffung der degressiven Abschreibung - in dem Maße beeinträchtigt wird, wie die Dynamik im ersten Quartal davon begünstigt worden war. Die Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivitäten im zweiten Quartal ist daher aktuell ähnlich überzeichnet wie der Anstieg im ersten Quartal.

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe schwächte sich in den letzten Monaten ab. Nach preis- und saisonbereinigt [2] -1,0 % im März und -0,2 % im April kam es im aktuellen Berichtsmonat Mai zu einem deutlicheren Rückgang um 2,4 %. Ausschlaggebend hierfür waren Produktionseinbußen in der Industrie um 2,6 %. Die Industrieproduktion ist nun auch im Zwei- und im Dreimonatsvergleich abwärts gerichtet (-1,8 % bzw. 1,1 %). Bei zuletzt ansteigender Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 1,1 % zeigen die Mehrmonatsvergleiche aber auch im Bau deutliche Produktionsabnahmen (-9,7 %, bzw. -9,9 %).

Die ausgewiesenen Verläufe unterzeichnen allerdings die konjunkturelle Grunddynamik, da sowohl die Industrie wie auch der Bau zuvor von den genannten Sonderfaktoren begünstigt wurden und im Gegenzug nun entsprechende dämpfende Effekte auftreten. Bei deutlich eingetrübtem Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe entwickelt sich die Bestelltätigkeit in der Industrie anhaltend schwach. Nach dem erneuten Rückgang der Auftragseingänge im Mai um saisonbereinigte 0,9 % sind nun sowohl die Inlands- wie die Auslandsnachfrage nach industriellen Erzeugnissen merklich abwärts gerichtet (Dreimonatsvergleich: -1,7 % bzw. -3,4 %).

Ihren Vorjahresstand überschritten die Bestellungen nur noch um +2,2 %. Insgesamt bleiben damit die Aussichten für die Industrieproduktion zunächst verhalten. Auch vom Bau sind angesichts stark schwankender und per Saldo eher seitwärts tendierender Nachfrage- wie auch Stimmungsindikatoren derzeit kaum Impulse zu erwarten.

Der private Konsum entwickelt sich nach leichter Belebung in den ersten Monaten dieses Jahres schleppend. Der verstärkte Preisauftrieb zehrt die durch die Erhöhung der Tariflöhne und -gehälter und den Beschäftigungszuwachs gewonnene Verbesserung der Kaufkraft weitgehend auf und belastet die Konsumneigung spürbar. Zwar haben die Umsätze des Einzelhandels im engeren Sinne, also ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen, im Mai erneut leicht zugenommen (+0,5 %), in der Tendenz nimmt das Umsatzvolumen allerdings sowohl im Zwei- wie auch im Dreimonatsvergleich ab (-0,4 % bzw. -1,0 %).

Das zuletzt im Juni wieder spürbar eingetrübte Geschäftsklima im Einzelhandel und die neuerliche Stimmungsverschlechterung bei den Verbrauchern, zu der auch die Erwartung eines weiter nach oben gerichteten Preistrends beigetragen haben mag, signalisieren keine Belebung des privaten Konsums. Diese hängt derzeit vor allem von einer Entspannung des Preisauftriebs ab.

Die Exportdynamik schwächte sich nach robustem Wachstum im ersten Quartal dieses Jahres zuletzt ab. Im Mai gingen die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen saisonbereinigt merklich zurück (-3,2 %) und blieben im Dreimonatsvergleich unverändert (+0,0 %). Ihren Vorjahresstand übertrafen die Exporte im Dreimonatsvergleich um +5,3 % (Ursprungszahl). Angesichts der per Saldo insgesamt weniger günstigen Rahmenbedingungen dürften sich die Ausfuhren auch in den kommenden Monaten nur gedämpft entwickeln.

Die nominalen Wareneinfuhren stiegen im Mai saisonbereinigt um 0,7 % an und bleiben im Dreimonatsvergleich ebenfalls nahezu unverändert (+0,2 %). Sie dürften sich angesichts des Importgehalts der Exporte und der moderaten Entwicklung der Binnennachfrage ebenfalls nur schwach entwickeln. Trotz der geringeren Außenhandelsdynamik sind daher netto weiterhin eher positive Wachstumsbeiträge des Außenhandels wahrscheinlich.

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich bis zuletzt weiter positiv. Seine Dynamik nahm allerdings ab. Deutlich abgeschwächt hat sich im Zuge der nach dem milden Winter entsprechend schwächeren Frühjahrsbelebung insbesondere der Beschäftigungsaufbau. Die Zahl der erwerbstätigen Inländer erhöhte sich im Mai saisonbereinigt nur um 3.000 Personen, nachdem in den Monaten März und April noch Zuwächse von 51.000 bzw. 23.000 zu verzeichnen waren.

Nicht saisonbereinigt stieg die Zahl der Erwerbstätigen im Vorjahresvergleich um 618.000 auf 40,27 Mio. (Ursprungszahl) an. Der Beschäftigungsanstieg, gemessen am Vorjahresabstand, schwächte sich damit ab. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb aber auf hohem Niveau, und der Rückgang der Arbeitslosigkeit verstärkte sich sogar wieder. Saisonbereinigt gab es im Juni 38.000 weniger Arbeitslose als im Vormonat. Der Abbau der Arbeitslosigkeit konnte damit aber nicht ganz an die positive Entwicklung im Durchschnitt der vergangenen sechs Monate anknüpfen ( 46.000). Die Zahl der Arbeitslosen sank im Juni im saisonüblichen Rahmen auf 3,160 Mio. (Ursprungszahl). Die Arbeitslosenquote nahm auf 7,5 % ab. Für die kommenden Monate zeichnet sich angesichts der konjunkturellen Verlangsamung eine geringere Dynamik am Arbeitsmarkt ab.

Der Verbraucherpreisindex erhöhte sich im Juni gegenüber dem Vorjahr um 3,3 % und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 1993. Der stärkste Preisdruck ging dabei weiterhin von der anhaltenden Verteuerung von Heizöl und Kraftstoffen aus. Darüber hinaus trug der Anstieg der Preise für Nahrungsmittel im Vorjahresvergleich zum Preisauftrieb bei. Von den Arbeitskosten geht derzeit dagegen kein nennenswerter Kostendruck aus. Angesichts des auf den vorgelagerten Preisstufen zu verzeichnenden zunehmenden Preisdrucks und des anhaltenden Höhenflugs des Rohölpreises, der sich bis Anfang Juli in der Spitze auf bis zu 145 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent erhöhte, dürfte der Verbraucherpreisanstieg zunächst auch hoch bleiben. Die Kerninflationsrate ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel lag zuletzt im Juni bei 2,0 %.

| BMWi
Weitere Informationen:
http://www.bmwi.de

Weitere Berichte zu: Konsum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise