Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kreditkrise lähmt M&A-Markt

16.07.2008
Das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen kann sich auch im ersten Halbjahr 2008 dem Abwärtstrend nicht widersetzen.

„Die Kreditkrise lähmt den M&A-Markt. Die Auswirkungen auf die Finanzierungspraxis der Banken werden das gesamte M&A-Jahr 2008 weiter fest im Griff halten“, sagt Leif Zierz, Partner im Bereich Corporate Finance und Leiter M&A bei KPMG.


M&A Transaktionen weltweit (angekündigt)
Quelle: Dealogic 2008


M&A Transaktionen deutschlandweit (angekündigt) Quelle: Dealogic 2008

Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2007 sank das weltweite Transaktionsvolumen um mehr als 13% (von 2.161 Mrd. USD auf derzeit 1.876 Mrd. USD). Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2007 verringerte sich das weltweite Transaktionsvolumen sogar um 30%, was die Folgen der Kreditkrise auf das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen verdeutlicht.

Entgegen den allgemeinen Erwartungen ging die korrespondierende Anzahl der Transaktionen im ersten Halbjahr 2008 jedoch nur um 3% zurück (von 19.784 Transaktionen auf 19.219 Transaktionen). Der durchschnittliche Transaktionswert verringerte sich in diesem Zeitraum von 109 Mio. USD auf derzeit 98 Mio. USD, was einem Rückgang von 11% entspricht. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Bereichs Corporate Finance von KPMG, die auf Daten des Marktforschungsinstitutes Dealogic beruht.

Leif Zierz: „Die Finanzierungspraxis der Banken hat sich seit Beginn der Kreditkrise deutlich verändert. Insbesondere ist zu beobachten, dass sich die Zahl der teilnehmenden Banken im Konsortium deutlich vergrößert hat, wodurch sich das individuelle Risiko reduziert. Das weniger aggressive Finanzierungsverhalten der Banken zeigt sich darüber hinaus in einem niedrigeren angebotenen Verschuldungsgrad (Leverage), einer deutlich selektiveren Transaktionsauswahl sowie einer erhöhten Berichts- und Informationspflicht (sog. Covenants).“

Auch wenn der Finanzierungsmarkt weiterhin unter den veränderten Rahmenbedingungen offen sei für neue Transaktionen, seien Private Equity-Gesellschaften nach wie vor angehalten, auf diese Entwicklung u.a. mit einer deutlich erhöhten Eigenkapitalquote zu reagieren. Zierz: „Derzeit finden wir im Markt Eigenkapitalquoten von 35% bis 40%, in Einzelfällen sogar darüber.“

Markteinbruch in Deutschland
In Deutschland brach das Volumen der angekündigten Transaktionen in den ersten sechs Monaten 2008 um fast 45% auf 50 Mrd. USD ein, die Anzahl der angekündigten Transaktionen ging um 10% zurück (von 717 Transaktionen auf 645 Transaktionen).

Einen starken Rückgang verzeichnete auch der durchschnittliche Transaktionswert, der um 48% von 126 Mio. USD auf 77 Mio. USD sank. In Europa belegt Deutschland damit hinter Großbritannien und Russland Platz 3 bei den Zielländern und verschlechtert sich damit um einen Rang. Leif Zierz: „Für die zweite Jahreshälfte 2008 sehen wir im Bereich des Mittelstandes jedoch auch weiterhin aufgrund des günstigen Bewertungsverhältnisses ein starkes Interesse ausländischer Investoren insbesondere aus Osteuropa und Asien an etablierten mittelständischen Unternehmen.“

Chemie und Energie weiterhin im Fokus

Bei der Branchen-Analyse der M&A-Aktivitäten in Europa wird deutlich, dass sich einige Sektoren gegen den Abwärtstrend entwickeln konnten. So verbuchte die Transportindustrie einen Anstieg des Transaktionsvolumens um 73% auf 34 Mrd. USD (zweites Halbjahr 2007: 20 Mrd. USD). Zu den größten Verlierern zählt hingegen beispielsweise der Finanzdienstleistungssektor. So reduzierte sich hier das angekündigte Transaktionsvolumen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2007 um 34% von 125 Mrd. USD auf 83 Mrd. USD. In der Immobilienwirtschaft ist ein Rückgang um 51% von 113 Mrd. USD auf 55 Mrd. USD festzustellen.

Die Chemieindustrie ist weiterhin durch gute Wachstumsaussichten geprägt. Insbesondere der Nahe Osten ist derzeit aufgrund der günstigen Rohstoffpreise durch ein hohes Investitionsaufkommen und damit durch die Schaffung von neuen Kapazitäten geprägt. Dies gilt insbesondere für Basischemikalien. Insgesamt bewegen sich die M&A-Aktivitäten europäischer Chemieunternehmen zwar weiterhin auf hohem Niveau, doch ist auch hier ein Abwärtstrend erkennbar. So verringerte sich das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2008 um 11% auf 132 Transaktionen (zweites Halbjahr 2007: 149 Transaktionen).

Die Öl- und Gasbranche verzeichnet einen Rückgang der Transaktionsanzahl um 14% auf insgesamt 158 Transaktionen. Bei den Versorgungs- und Energieunternehmen haben sich die Transaktionen um 28% auf 230 Transaktionen verringert. Die M&A-Aktivitäten in der europäischen Energiebranche waren im ersten Halbjahr 2008 maßgeblich von der Entflechtung und Privatisierung des russischen Staatskonzerns RAO UES geprägt; so wurde der Verkauf der Verteilersparte TGK-10 OAO an Fortum (5,1 Mrd. USD) und die Kraftwerkssparte OGK-1 OAO an ein Konsortium von Dubai World und Roskommunenergo OAO (ebenfalls 5,1 Mrd. USD) abgeschlossen. Leif Zierz: „Für das zweite Halbjahr 2008 ist im Einklang mit dem Gesamtmarkt jedoch auch in diesem Bereich mit einem Rückgang der Transaktionsanzahl und auch des Volumens zu rechnen. Inwieweit die Entscheidung des Europäischen Parlamentes zugunsten eines strikten Ownership Unbundling in eine Richtlinie umgesetzt wird und zu M&A-Aktivitäten der sog. nationalen Champions führt, ist derzeit noch nicht absehbar. Sollte Ownership Unbundling verbindlich werden, so wird dies in den nächsten Jahren Veräußerungen des Strom- und Gasnetzbetriebes durch bisher vertikal integrierte Energiekonzerne verursachen.“

Fazit und Ausblick

Leif Zierz: „Alle Indikatoren sprechen dafür, dass sich sowohl auf globaler als auch auf nationaler Ebene das Transaktionsvolumen und die Anzahl der Transaktionen in den nächsten zwölf Monaten noch einmal deutlich reduzieren wird. Auch der noch zuletzt wachsende asiatische Markt wird sich dem Rückgang der M&A-Aktivitäten nicht entziehen können. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren für die zukünftige Entwicklung zählen die Entwicklung des Ölpreises, die Entwicklung der internationalen Volkswirtschaften sowie die Verfügbarkeit von Fremdkapital in naher Zukunft. In diesem Zusammenhang ist auch zu befürchten, dass sich die bilanzielle Konstitution der Unternehmen weiter verschlechtern wird und somit zum einen Unternehmenstransaktionen an Attraktivität verlieren und zum anderen sich der finanzielle Spielraum der Unternehmen verringert.“

Pressekontakt:
KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft
Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Marita Reuter/Thomas Blees
Tel.: (0 30) 20 68-11 18, Fax: (0 30) 20 68-11 48
E-Mail: mreuter@kpmg.com / tblees@kpmg.com

Thomas Blees | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Berichte zu: Kreditkrise M&A-Aktivität M&A-Markt OAO Transaktionsvolumen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht KMU suchen die finanzielle Unabhängigkeit
25.05.2018 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

nachricht Produktiver und attraktiver Montage­arbeits­platz
24.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics