Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flexibilität oder Abschiebebahnhof? IAQ untersucht Dilemma interner Arbeitsvermittlung

09.07.2008
Entlassungen können vermieden werden, auch wenn Umstrukturierungen und Personalabbau anstehen. Die Chancen stehen gut, wenn innerhalb des Unternehmens ein System organisierter interner Versetzungsprozesse aufgebaut wurde.

Erfolgsfaktoren für die Gestaltung interner Arbeitsmärkte untersuchte das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Forschungsprojekt "WEGA" (Wirksamkeit von Einrichtungen zur Gestaltung interner Arbeitsmärkte), das von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde.

Personalchefs benötigen allerdings ausgereifte Konzepte und eine starke Rückendeckung durch die Leitungsebene, damit das Ziel erreicht wird. Denn die interne Arbeitsvermittlung stößt immer wieder auf Interessenkonflikte zwischen den Abteilungen und verursacht (nicht nur) "gefühlte Härten" bei den Beschäftigten.

Die IAQ-Arbeitsforscher Johannes Kirsch und Gernot Mühge haben bundesweit mehr als 50 interne Personalvermittlungsstellen bzw. Mobilitätsbüros in Unternehmen und Verwaltungen analysiert. In Fallstudien haben sie untersucht, wie die Beschäftigungssicherheit der betroffenen Menschen und die personelle Flexibilität der Unternehmen und Verwaltungen gewährleistet werden können.

Erste Ergebnisse weisen deutlich auf ein "Basisdilemma" der internen Arbeitsvermittlung hin: Abteilungen, die Personal abbauen müssen, geben in erster Linie solche Arbeitskräfte an den internen Arbeitsmarkt ab, die als wenig qualifiziert und motiviert, als gesundheitlich belastet oder als "Querulanten" eingeschätzt werden - eine Personalauswahl, an der die Personal aufnehmenden Abteilungen wenig interessiert sind. Der interne Arbeitsmarkt droht so zum Abschiebebahnhof zu werden.

Abteilungen mit Personalbedarf wünschen sich in der Regel die "Besten" vom externen Arbeitsmarkt; in Unternehmen mit organisierter interner Personalvermittlung gelten aber meist Einstellungsstopps, die ihre Auswahl auf den Personalpool des internen Arbeitsmarktes beschränken. In den aufnehmenden Abteilungen stört der zentral vorgegebene Personaltransfer außerdem geregelte Aufstiegsketten und Karriereplanungen; sie werden unsicher, wenn freie Stellen aus dem Personalpool besetzt werden müssen - und nicht wie gewohnt aus der eigenen Abteilung.

"Neben den Sachfragen der Personalauswahl können auch handfeste Machtinteressen und kulturelle Gegebenheiten das Funktionieren des Internen Arbeitsmarktes behindern. Zwangsläufig verlieren die Abteilungsleiter Entscheidungsspielräume", wissen die IAQ-Arbeitsmarktforscher.

"Für den Erfolg ist ein ausgewogenes System von Regeln und Anreizen notwendig, aber nicht ausreichend, denn Interne Arbeitsmärkte benötigen interne Macht!" Die internen Personalvermittler sind auf die Rückendeckung der Verwaltungs- bzw. Unternehmensspitze angewiesen, um den Vorrang der internen Stellenbesetzung effektiv durchsetzen zu können.

Weitere Infos:
Kirsch, Johannes / Mühge, Gernot, 2008: Unternehmensinterne Arbeitsvermittlung als Alternative zur Entlassung: Erste Fallstudien zur Wirksamkeit interner Arbeitsmärkte

Gernot Mühge, Tel. 0209/1707-255, gernot.muehge@uni-due.de, Johannes Kirsch, Tel. 0209/1707-259, johannes.kirsch@uni-due.de, www.iaq.uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0209/1707-176, 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de/
http://www.iaq.uni-due.de/aktuell/veroeff/2008/br2008-01_muehge.pdf

Weitere Berichte zu: Arbeitsmasrkt Arbeitsvermittlung IAQ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2018 auf 2,4 Prozent
21.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Leichter Rückgang auf hohem Niveau
20.03.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics