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Trotz Leselust der Deutschen schlechte Geschäfte für Verlage

10.07.2002


Fachzeitschriften bescheren gesamter Branche Umsatzeinbruch

Die deutschen Verlage und Buchhändler haben zu kämpfen. Das Buch steht bei den Deutschen zwar nach wie vor hoch im Kurs und bescherte der Branche 2001 einen Paperback-Boom, konnte die Gesamtbilanz aber nicht retten. Wie der Nachrichtendienst ddp berichtet, gingen die geschätzten Umsätze erstmals seit Einführung der Branchenstatistik 1976 im Jahresvergleich um 0,1 Prozent auf 9,4 Mrd. Euro leicht zurück. Als Grund nannte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, am Dienstag in Frankfurt am Main den 8,8-prozentigen Umsatzeinbruch bei den Fachzeitschriften. Das Buchgeschäft legte derweil um 0,9 Prozent zu. Für 2002 erwartet die Branche ein Umsatzminus von rund zwei Prozent.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir 2003 wieder Zahlen erreichen, die uns an die Spitze im Einzelhandel bringen", sagte Schormann. Die Leselust der Deutschen sei nach wie vor ungebrochen. "Es wird unsere Aufgabe sein, sie gerade im Hinblick auf die Ergebnisse der PISA-Studie noch zu steigern“, fügte der Branchenverbandschef hinzu. Gerade die positive Entwicklung bei den Kinder- und Jugendbüchern im Zuge des Harry-Potter-Erfolgs biete Anlass zur Hoffnung. Was die Branche zur Behebung der von der PISA-Studie aufgedeckten Defizite deutscher Schüler beitragen könne, werde der Börsenverein in der kommenden Woche mit Vertretern von Politik und Wirtschaft erörtern, kündigte Schormann an.

Die Auswahl an neuen Büchern war 2001 so groß wie nie: Die Zahl der Neuerscheinungen und Neuauflagen erreichte nach der Statistik des Börsenvereins die Rekordhöhe von 89.986 Titeln und legte damit im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent zu. Zu den Rennern gehörten Kinder- und Jugendbücher: Ihr Anteil an allen Neuerscheinungen stieg im Vergleich zum Jahr 2000 von 5,9 auf sieben Prozent der gesamten Titelzahl.

Während gebundene Bücher zuweilen in den Regalen liegen blieben, war das billigere Taschenbuch der Renner des vergangenen Jahres: Sein Anteil am Gesamtumsatz legte um 19,7 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro zu. Die Zahl der Taschenbuch-Erstauflagen wuchs im Zuge eines Roman-Booms im Vergleich zum Vorjahr um insgesamt 17 Prozent auf 7.120 Titel. Die Zahl der neuen Paperback-Romane allein stieg um 28 Prozent auf 3.689 neue Titel.

Lesen war 2001 günstiger als vieles andere: Während die Preise insgesamt um 2,5 Prozent zulegten, wurden Bücher nach Auskunft des Börsenvereins lediglich um 2,0 Prozent teurer. Dieses Jahr werden die Preise nach einem ersten Trend voraussichtlich um drei Prozent und damit etwas stärker steigen.

Erwin Schotzger | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.boersenverein.de

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