Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sechs Monate Euro - eine Zwischenbilanz der amtlichen Preisstatistik

02.07.2002


Auch sechs Monate nach der Euro-Bargeldeinführung diskutiert die Öffentlichkeit in Deutschland heftig, ob und in welchem Umfang die Währungsumstellung für kräftige Preiserhöhungen genutzt worden ist. Um den zum Teil emotional geführten Disput um die amtliche Teuerungsrate und die von Verbrauchern "gefühlte" Inflation zu versachlichen, hat das Statistische Bundesamt seine Analysen möglicher Euro-Effekte fortgesetzt. Gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank werden seit etwa einem Jahr 18 000 Preisreihen ausgewählter Güter des täglichen Bedarfs aus 35 Produktgruppen untersucht.

Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes, hat heute in einem Pressegespräch "Sechs Monate Euro - Eine Zwischenbilanz der amtlichen Preisstatistik" in Frankfurt/Main aktuelle Ergebnisse dieser Studie vorgestellt. Sie bestätigen und ergänzen die vom 8. März diesen Jahres vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Ergebnisse.

  • Unser Geld hat durch die Einführung des Euro nicht an Wert verloren. Die Jahresteuerungsraten der letzten Monate (Mai 2002: 1,1 %; Juni 2002 nach vorläufiger Schätzung: 0,9 %) zeigen, dass die Euro-Einführung auf die Lebenshaltungskosten insgesamt keinen wesentlichen Einfluss gehabt hat.
  • Es gab allerdings Sonderentwicklungen, welche die subjektiven Eindrücke der Mitbürger - zumindest teilweise - bestätigen.
  • Bei Dienstleistungen war die Umstellung im Januar nahezu auf einen Schlag erfolgt. Damit einher gingen deutliche Preiserhöhungen. Die aktuellen Zahlen lassen erkennen, dass diese Preisanhebungen bisher nicht zurückgenommen worden sind. Vielmehr setzt sich die - im langfristigen Trend leicht steigende - Preisentwicklung auf höherem Niveau fort.
  • Bei Nahrungsmitteln hat sich die Lage einerseits entspannt. Dies gilt vor allem für die vorwiegend witterungsbedingten Verteuerungen für Obst und Gemüse zu Jahresbeginn. Andererseits gibt es Lebensmittel, wie Vollmilchschokolade, deren Preise erst im Frühjahr kräftig aufgerundet wurden, obwohl es hier bereits im Vorfeld Preiserhöhungen gegeben hatte. Teurer sind weiterhin Brötchen (+ 7,3 %), Tomaten (+ 19,8 %), H-Milch (+ 6,8 %) oder Ölsardinen (+ 15,0 %). Vor allem bei Saison- und Molkereiprodukten dürften aber andere Gründe als die Euro-Einführung für die Preissteigerungen ausschlaggebend sein.
  • Während zum Zeitpunkt der Bargeldeinführung die Zahl der Preisänderungen sprunghaft anstieg, hat sich diese Entwicklung seit März wieder normalisiert. Dennoch war von Februar bis Mai 2002 noch fast jede dritte Preisänderung euro-induziert. Dies sind Preisänderungen, die bei der Umstellung von einem attraktiven DM-Preis auf einen attraktiven Euro-Preis beobachtet werden. Von den Preisänderungen zum Zeitpunkt der Bargeldeinführung (Dezember 2001 auf Januar 2002) war noch mehr als jede zweite (53,2 %) euro-induziert gewesen.
  • Der geschätzte Einfluss aller von Mai 2001 bis Mai 2002 festgestellten euro-induzierten Preisänderungen auf die Jahresteuerungsraten der untersuchten Produktgruppen - nicht für den Verbraucherpreisindex insgesamt - liegt zwischen - 0,9 und + 2,2 Prozentpunkten.
  • Der Einfluss der Euro-Bargeldeinführung auf das Preisniveau ist wissenschaftlich exakt nicht bestimmbar. Preisbeobachtungen reichen für eine Ursachenanalyse nicht aus. Sie können allenfalls zeigen, wie sich Preisgestaltung und Preisverteilung in den letzten Monaten verändert haben.

Die aktualisierte Darstellung der Preisanalysen des Statistischen Bundesamtes aus Anlass der Euro-Einführung im Internet enthält die neuen Ergebnisse und grafische Darstellungen für eine Reihe ausgewählter Produkte.

Dort findet sich auch eine Liste der Gewichte und aktuellen Teuerungsraten aller im Warenkorb enthaltenen Waren und Dienstleistungen.

Nadin Engelhardt | ots
Weitere Informationen:
http://www.destatis.de/basis/d/preis/vpitsti10.htm

Weitere Berichte zu: Euro-Einführung Preisstatistik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie