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M&A-Markt am Boden

24.06.2002


"Nochmaliger Rückschlag" - Deutschland bleibt Zielmarkt Nummer 3


Das weltweite Geschäft mit Fusionen und Übernahmen liegt am Boden. Der Wert globaler Unternehmenstransaktionen ist im ersten Halbjahr 2002 gegenüber der äußerst schwachen Vorjahresperiode noch einmal um über 56 Prozent eingebrochen (von 1.082 Milliarden Euro auf 475 Milliarden Euro). Die Anzahl abgeschlossener Transaktionen fiel im gleichen Zeitraum um fast 29 Prozent (von 11.761 auf 8.340). Die Zeit der Mega-Deals ist vorerst vorbei. Durch das Ausbleiben großer Transaktionen ging das durchschnittliche Transaktionsvolumen um mehr als 38 Prozent zurück (von 92 Millionen Euro auf 57 Millionen Euro) zurück. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse von KPMG Corporate Finance.

In Deutschland fiel der Transaktionswert im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 34 Prozent (von 105 Milliarden Euro auf 69 Milliarden Euro). Die Anzahl von Unternehmenskäufen nahm um 35 Prozent ab (von 904 auf 587). Entgegen dem weltweiten Trend ist damit in Deutschland der durchschnittliche Transaktionswert mit 116 Millionen Euro im Vergleich mit 118 Millionen Euro in der Vorjahresperiode nahezu konstant geblieben.


Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance in Deutschland: "Das erste Halbjahr 2002 ist ein nochmaliger Rückschlag für das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen.

Dass das Transaktionsvolumen in Deutschland relativ konstant geblieben ist, liegt daran, dass große Konzerne momentan in einer Restrukturierungsphase sind und der Anteil der mittelgroßen Transaktionen damit tendenziell steigt. Das insgesamt niedrige Niveau des Transaktionsmarktes zeigt jedoch, dass die Möglichkeit der steuerfreien Beteiligungsveräußerung noch wenig genutzt wird. Viele potenzielle Käufer, vor allem die Finanzinvestoren, halten die Märkte noch immer für zu hoch bewertet. Die Verkäufer hingegen verkaufen nur dann in einem Bärenmarkt, wenn sie dazu gezwungen sind. Dies geschieht teilweise durch die im Vorfeld von Basel II ausgelöste, restriktivere Kreditpolitik der Banken. Da aus demselben Grund aber auch in zahlreichen Fällen die Finanzierung geplanter Transaktionen fehlt, führen die geplanten Eigenkapitalunterlegungsvorschriften zu zwei gegenläufigen Effekten für den M&A-Markt."

Grenzüberschreitende Transaktionen halbiert

Bei den weltweiten grenzüberschreitenden Transaktionen kam es im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 ebenfalls zu einem drastischen Rückgang des Transaktionswerts um 53 Prozent (von 426 Milliarden Euro auf 200 Milliarden Euro).

In Deutschland sank der Cross-Border-Transaktionswert im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 um 52 Prozent (von 99 Milliarden Euro auf 47 Milliarden Euro). Große Transaktionen waren der Kauf der Aventis CropScience durch Bayer und der Erwerb der Veba Oel durch die britische BP. Der Anteil der grenzüberschreitenden Transaktionen an den gesamten Transaktionen mit deutscher Beteiligung lag wie in den vergangenen Jahren bei rund zwei Dritteln.

Deutschland bleibt Zielmarkt Nummer drei weltweit

Deutschland bleibt mit einem Transaktionswert von 27 Milliarden Euro (199 Transaktionen) nach den USA und Großbritannien der attraktivste Zielmarkt für Unternehmenstransaktionen mit ausländischer Beteiligung. Deutsche Unternehmen investierten ihrerseits rund 21 Milliarden Euro in Unternehmen im Ausland (156 Transaktionen) und belegten damit den dritten Platz unter den Bieternationen, wiederum hinter den USA und Großbritannien.

Damit wurde, wie schon im zweiten Halbjahr 2001, mehr ausländisches Kapital in deutsche Unternehmen investiert als umgekehrt. Mit Ausnahme des ersten Halbjahres 2000, in dem Mannesmann durch die britische Vodafone übernommen wurde, waren die Investitionen deutscher Unternehmen in ausländische Firmen seit 1997 stets höher als der Wert der Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Firmen.

Thomas Ehren: "Die Entflechtung der Deutschland AG beginnt, wenn auch viel langsamer als erwartet. Dass mehr ausländisches Kapital in deutsche Unternehmen investiert wird als umgekehrt, zeigt, dass ausländische Konzerne die Bereinigung der Portfolios der deutschen Konzerne zum Einstieg in den deutschen Markt oder zur Verbesserung ihrer Position hierzulande nutzen."

Versorgungsbereich trotzt dem allgemeinen Trend

In Westeuropa waren die Transaktionswerte im ersten Halbjahr 2002 gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres in fast allen Branchen rückläufig. Die einzigen Ausnahmen waren die Bereiche Ver- und Entsorgung mit einem Plus von 19 Prozent (auf 30 Milliarden Euro) sowie Immobilien mit einem Zuwachs um zehn Prozent (auf 14 Milliarden Euro). Der stärkste Sektor im ersten Halbjahr 2002 war mit einem Transaktionswert von 69 Milliarden Euro der Bereich industrielle Fertigung. Mit einem Rückgang von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum war dieser Bereich immer noch weniger betroffen als der Informationssektor, der um rund 85 Prozent einbrach.

Auch in Deutschland war der Bereich industrielle Fertigung der transaktionsstärkste Industriesektor mit einem Anteil von 53 Prozent (37 Milliarden Euro) am Gesamttransaktionswert aller Sektoren.

Ausblick

KPMG Corporate Finance beobachtet derzeit eine bemerkenswerte Kaufzurückhaltung selbst bei finanzstarken Unternehmen, die in der Lage wären, die gesunkenen Unternehmenspreise für Akquisitionen zu nutzen. Aufgrund schmerzhafter Erfahrungen in der Vergangenheit werden Akquisitionsmöglichkeiten viel genauer analysiert und nur dann verfolgt, wenn sie von höchster strategischer Priorität sind. Erst wenn die Aktienmärkte die momentane Talsohle durchschritten haben und das Vertrauen in einen nachhaltigen Aufschwung wieder gefestigt ist, wird der weltweite Markt für Unternehmenstransaktionen sich wieder erholen.

Marita Reuter | Pressemitteilung

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