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Aktienmarkt: Crash auf Raten

18.06.2002

Gegen Ende des ersten Halbjahres präsentieren sich die internationalen Aktienmärkte in äußerst labiler Verfassung. Massive Verunsicherung hält insbesondere die Wall Street und die europäischen Börsen gefangen. Angesichts der immer wieder aufflammenden Ängste vor neuerlichen Terroranschlägen und weiteren Enthüllungen von bilanziellen Unregelmäßigkeiten im US-Unternehmenssektor ist ein baldiges Ende der tiefen Vertrauenskrise nicht abzusehen. Zudem reißt die Welle von Hiobsbotschaften aus dem Technologiesektor nicht ab. Für heftige Negativreaktionen sorgten u. a. zuletzt die ernüchternden Zwischenberichte von Intel und Siebel über den aktuellen Geschäftsverlauf oder der wenig verheißungsvolle Nokia-Ausblick für die Netzwerksparte. Unter dem Strich haben die Leitindizes Euro Stoxx 50 und DAX im bisherigen Verlauf des zweiten Quartals Verluste von jeweils immerhin 18 Prozent zu verzeichnen, der Dow Jones büßte 9 Prozent ein.

Die zuletzt überwiegend wieder positiveren amerikanischen Wirtschaftsdaten vermochten die Baisse-Stimmung nicht zu vertreiben. So zeigten die US-Industrieaufträge für April mit plus 1,2 Prozent gegenüber Vormonat kräftig nach oben. Daneben kletterte der Einkaufsmanager-Index im Mai (55,7 nach 53,9 Punkten) auf das höchste Niveau seit Februar 2000, auch ging die Arbeitslosenquote überraschend von 6,0 auf 5,8 Prozent zurück. Schwerer wiegt jedoch aus Sicht der Investoren die sich weiter in die Zukunft verschiebende nachhaltigere Erholung der Unternehmensergebnisse. Zu befürchten ist, dass angesichts enttäuschter Gewinnerwartungen an den US-Börsen die Talsohle noch nicht erreicht ist, zumal der Zufluss von Auslandskapital mit Blick auf die Dollar-Schwäche zumindest abzuebben droht.

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In der Eurozone ist die Wirtschaft nach dem Einbruch Ende vergangenen Jahres zwar wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt (BIP-Zuwachs im ersten Quartal 0,2 Prozent gegenüber Vorjahresquartal), insgesamt bleiben die Auftriebskräfte aber verhalten. Vorerst ist daher nur mit einem schwachen Expansionstrend zu rechnen. Insbesondere in Deutschland bahnt sich eine nur mühsame Erholung an. Wenig ermutigende Signale liefert nach wie vor der hiesige Einzelhandel, der nach einem enttäuschenden ersten Quartal im April einen realen Umsatzrückgang (minus 2,4 Prozent) gegenüber März zu verzeichnen hatte. Deutlich unter den Erwartungen lag auch der Anstieg der Industrieproduktion (plus 0,2 Prozent). Hoffnungsschimmer lieferten jedoch die spürbar höheren jüngsten Auftragseingangsziffern (plus 2,3 Prozent gegenüber März) sowie die Erholung des Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai (91,5 nach 90,5 Punkten).

Die auffällige Zurückhaltung vieler Gesellschaften hinsichtlich konkreter Aussagen über die Ertragserwartungen schürt die Befürchtung, dass die Analysteneinschätzungen mehrheitlich noch immer viel zu hoch sind. Da per saldo eine spürbare Aufhellung der Gewinnperspektiven noch nicht erkennbar ist, dürfte die erhoffte Börsentrendwende noch weiter auf sich warten lassen.

Hans Beth | ots

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