Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Flotte Starthilfe für Existenzgründer

11.06.2002


Empirische Untersuchung der TU Berlin belegt Effizienz von Gründungswettbewerben

Unternehmensgründungen leisten einen erheblichen Beitrag für den Arbeitsmarkt und damit für das Wachstum der Volkswirtschaft. Bei der Schaffung günstiger Startbedingungen können vor allem Gründungswettbewerbe klar messbare Erfolge vorweisen. Wie effektiv sie tatsächlich sind, zeigt jetzt eine Studie der TU Berlin. Die Ergebnisse sind beachtlich: Über 30 Prozent der Befragten, die aus den Bereichen Forschung und Entwicklung ihre Ideen entwickeln, wagten sich erst durch die Wettbewerbsteilnahme in die Selbstständigkeit. Zum Vergleich: Die Initiierungsquote von Technologie- und Gründerzentren liegt lediglich bei 4 bis 5 Prozent. Insgesamt 93 ehemalige Teilnehmer an fünf deutschen Gründungswettbewerben wurden im Rahmen einer Diplomarbeit am Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement von Prof. Dr. Hans Georg Gemünden durch den TU-Absolventen Andreas Dippe befragt.

Unabhängige Bewertung der Geschäftsidee

Einer der so Ermutigten war TU-Absolvent Thorsten Irgang. "Der Wettbewerb hat uns auf dem Weg zu einer erfolgreichen Gründung einen großen Schritt weitergebracht", sagt der Mitbegründer von me4dia.com, die mit einer patentierten CD-Postkarte beim diesjährigen Berliner Start-up Wettbewerb siegten. "Die gewonnenen Kontakte und die Reputation durch den Wettbewerb öffneten uns sehr viele Türen." Die Vorbereitung einer Gründung ist der TU-Befragung zufolge für die Teilnehmer die wichtigste Leistung des Wettbewerbs. Rund 70 Prozent nannten die unabhängige Bewertung der Geschäftsidee und die Vorbereitung einer konkreten Gründung als sehr wichtig für ihre Teilnahme. Dazu gehört für sie der Austausch mit erfahrenen Unternehmern und Beratern sowie die strukturierte Bewertung des Konzeptes. Rund 60 Prozent der Teilnehmer erwarten eine Unterstützung bei der Beschaffung von Gründungskapital einschließlich Fördermitteln, für 50 Prozent war die Gewinnung von Kundenkontakten sehr wichtig. Das Preisgeld hingegen und die Suche nach Gründungspartnern waren erheblich weniger bedeutend.

Verbesserte Startbedingungen für Gründer

Bei der Schaffung günstiger Startbedingungen können Gründungswettbewerbe klar messbare Erfolge vorweisen. Dies zeigt sich etwa bei der Zusammenstellung der Gründerteams, deren richtiger Mix für die ersten erfolgreichen Schritte eines Startups entscheidend ist. Gut 80 Prozent der befragten Gründer nahmen als Team am Wettbewerb teil. Sehr hoch war jedoch das Know-how-Defizit bei Marketing und Vertrieb sowie in der Unternehmensführung. Eine typische Situation, wie Dr. Hans Cornehl vom Wagniskapitalgeber Earlybird weiß: "Wir begegnen im Forschungsumfeld häufig stark technik-lastigen Teams, denen die unternehmerische Erfahrung fehlt. Gründungswettbewerbe fungieren hier als Netzwerkplattform und bringen technologische Expertise mit unternehmerischer Erfahrung zusammen." Immerhin jedes fünfte der befragten Teams konnte im Laufe des Wettbewerbes einen Mitgründer hinzugewinnen, seine Know-how-Basis verbreitern und damit die Startchancen verbessern.

Zahl der Beschäftigten mehr als verdoppelt

Bessere Startbedingungen spiegeln sich auch in optimistischeren Prognosen wider: Beschäftigtenzahlen von 20 und mehr innerhalb von fünf Jahren haben sich mehr als die Hälfte der Gründer zum Ziel gesetzt. Nur Träume? Auch wenn wegen des geringen Alters der Firmen verlässliche Aussagen lediglich über die ersten beiden Geschäftsjahre möglich sind, zeigt sich hier bereits ein überdurchschnittliches Wachstum: So konnten die befragten Gründer die Zahl ihrer Angestellten vom ersten zum zweiten Jahr auf durchschnittlich 8,3 mehr als verdoppeln.

Hohe Zufriedenheit mit Unterstützungsleistungen

Gute Noten verteilten die Teilnehmer der Gründungswettbewerbe auch in punkto Zufriedenheit mit der Unterstützung. Die Erwartungen rund der Hälfte von ihnen wurden voll erfüllt. Fast 70 Prozent können anderen Gründungswilligen einen ähnlichen Wettbewerb sehr empfehlen. Sehr positive bewertet wurden insbesondere die strukturierte Darstellung der Geschäftsidee in einem Businessplan (sehr zufrieden: 48%), der Erfahrungsaustausch mit anderen Gründungsinteressierten und Unternehmern im Rahmen des Unterstützernetzwerkes (42%) und die strukturierte Bewertung des Unternehmenskonzeptes (33%).

Unterschiede zwischen regionalen und überregionalen Wettbewerben

Signifikante Unterschiede zeigen sich in der Bewertung regionaler und bundesweiter Wettbewerbe. Einerseits wurde dem untersuchten bundesweiten Wettbewerb eine erheblich stärkere Öffentlichkeitswirkung bescheinigt, andererseits gebe es in der Region auf Grund der besseren Vernetzung häufig stärkere Unterstützung. Deutlich wird dies bei der Beschaffung von Gründungskapital. Während sich bei den untersuchten überregionalen Wettbewerben bis zu 70% der Teilnehmer sehr unzufrieden damit zeigten, erzielten regionale und eng mit Kapitalgebern wie Banken, VC-Gebern und öffentlichen Förderinstitutionen vernetzte Wettbewerbe signifikant bessere Werte.

Daraus ergibt sich ein klares Anforderungsprofil der Teilnehmer an Gründungswettbewerbe: Aufbau starker regionaler Netzwerke mit Zugang zu Kapitalgebern, erfahrenen Unternehmern und Beratern sowie offensive Vermarktung der Teilnehmerbeiträge. Dass hieraus auch für die Veranstalter Vorteile durch eine erhebliche Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft entstehen, weiß Lothar Stein. Der Senior Partner der Unternehmensberatung McKinsey unterstützte 1996 die ersten Businessplan-Wettbewerbe in Berlin und München: "Gründungswettbewerbe sind kein Allheilmittel, sie bieten aber ein erhebliches Aktivierungspotenzial für Neugründungen in einer Region. Damit können sie wesentlich höhere Beschäftigungseffekte als herkömmliche Ansätze der Wirtschaftsförderung erzielen."


Andreas Dippe studierte von 1995 bis 2001 Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin und der University of California, Irvine. Seit vergangenem Herbst 2001 ist er bei der internationalen Unternehmensberatung McKinsey&Co. beschäftigt. Die vollständige Untersuchung kann als pdf-Dokument vom Verfasser gegen eine Schutzgebühr von Euro 20 bezogen werden.
Kontakt: adippe@hotmail.com


Links zu wesentlichen Gründungswettbewerben in Deutschland:

Gründungswettbewerb start2grow: www.start2grow.de
Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg: www.b-p-w.de
Münchner Businessplan Wettbewerb: www.mbpw.de
Gründungswettbewerb ProMotion: www.erfolgreichgruenden.de
Businessplan Wettbewerb NUK www.n-u-k.de
Businessplan Wettbewerb StartUp: www.stern.de/campus-karriere/startup-initiative/

Ramona Ehret | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2002/pi121.htm
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2001/pi249.htm

Weitere Berichte zu: Businessplan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops