Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was Jugendherbergs-Duschen mit der Börse zu tun haben

11.02.2008
Vielfalt hält warm. Zumindest unter Jugendherbergs-Duschen. Das ist, wenn man so will, das Resümee einer Arbeit, die Forscher der Universitäten Fribourg und Bonn jetzt veröffentlicht haben. So trivial, wie es sich anhört, ist ihr Ergebnis nicht: Letztlich zeigt es, dass Heterogenität für Stabilität sorgt - ob beim Duschen, in Stromnetzen oder auch an der Börse.

In Jugendherbergen zu duschen, kann gefährlich sein: Nämlich, wenn nicht genügend Warmwasser für alle da ist. Sobald dann auch nur ein Gast bei der Morgentoilette an den Wasserhähnen kurbelt, droht allen anderen ein eiskalter Schwall. Zu dieser ungewollten Kneipp-Kur kommt es vor allem dann, wenn alle Duscharmaturen die selben Einstellmöglichkeiten bieten - oder anders gesagt: Wenn sich Kalt- und Warmwasser an allen Duschen haargenau gleich dosieren lassen. Haben die Wasserhähne an jeder Dusche aber ihre individuellen Macken, ist die Gefahr extremer Schwankungen geringer.

Das sagen zumindest die Bonner Ökonomin Christina Matzke und ihr Kollege Damien Challet, Physiker an der Universität Fribourg. Sie haben den Temperaturverlauf von Jugendherbergs-Duschen am Computer modelliert. "In der Summe bieten heterogene Armaturen Vorteile: Sie verhindern, dass die durchschnittliche Duschtemperatur aller Gäste plötzlich extrem sinkt oder steigt", erklärt Christina Matzke. "Aus Sicht des einzelnen Gastes haben sie aber auch Nachteile: Für ihn wird es nämlich schwerer, seine Wohlfühltemperatur genau zu erreichen."

Das Problem hört sich skurril an, lässt sich im Prinzip aber auf alle Situationen übertragen, in denen Menschen um ein knappes Gut konkurrieren: Um Heißwasser, um Strom oder um Wertpapiere. Immer gilt: Je individueller sich Marktteilnehmer verhalten, desto stabiler das Gesamtsystem. Vereinfacht gesagt: Unser Stromnetz bricht nur deshalb nicht zusammen, weil nicht alle Bewohner Deutschlands zur selben Zeit den Wäschetrockner anschalten. Und wenn alle Aktienkäufer ihre Anlageentscheidungen streng rational treffen würden, ginge es an den Börsen wohl noch weit turbulenter zu.

... mehr zu:
»Stromnetz

Auch aus theoretischer Sicht ist das Ergebnis bedeutend: "Wir zeigen, welch unterschiedliche Resultate wirtschaftswissenschaftliche Modelle liefern können - je nachdem, ob man homogenes oder heterogenes Verhalten zugrunde legt", betont Matzke. Dementsprechend wichtig ist es, bei Prognosen individuelle Verhaltensunterschiede zu berücksichtigen. So offensichtlich das klingt: Die Ökonomen tragen dieser Erkenntnis noch nicht allzu lange Rechnung. Jahrzehntelang wurden ihre Modelle vom "Homo oeconomicus" dominiert - einem erdachten Standard-Marktteilnehmer, der seine Entscheidungen nicht nach individuellen Kriterien, sondern stets streng rational trifft.

Die komplette Arbeit als PDF-Datei findet sich auch im Internet:
http://www.bgse.uni-bonn.de/index.php?id=2941
Kontakt:
Christina Matzke
Abteilung für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn
Telefon: 0228/73 46 60
E-Mail: christina.matzke@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.bgse.uni-bonn.de/index.php?id=2941

Weitere Berichte zu: Stromnetz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik