Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die "virtuelle Fabrik" in weiter Ferne

22.05.2002


Zusammenarbeit führt zu deutlich höherer Produktivität / Umfrage unter 1630 Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes / Die beste Kooperation gewinnt

Firmenübergreifende Zusammenarbeit eröffnet kleinen und mittleren Unternehmen große Chancen, am Markt erfolgreich zu sein. Das zeigt eine Erhebung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, zu Innovationen in der Produktion unter 1 630 Firmen aus den Kernbereichen des Verarbeitenden Gewerbes. Nach der Untersuchung des Fraunhofer ISI arbeitet dort fast jeder zweite Betrieb mit anderen zusammen, entweder um gemeinsam komplexe Systeme anbieten zu können oder um eigene Kapazitäten besser auszulasten.

Aber nur sehr wenige Betriebe setzen auf Netzwerke mit mehreren Partnern oder gar auf so genannte "virtuelle" Fabriken. Daher schreibt das Fraunhofer ISI zusammen mit weiteren Partnern derzeit den Wettbewerb "Die beste Kooperation"  aus. Er soll einen Anreiz schaffen, diese Lücke zu schließen.

Netzwerke bieten kleinen und mittleren Unternehmen enorme wirtschaftliche Potenziale, wie die Analysen der Fraunhofer-Forscher zeigen. Demnach erzielen Betriebe, die mit anderen zusammen in flexiblen Netzwerken ganze Systeme anbieten, eine durchschnittliche Wertschöpfung von 87 000 Euro je Mitarbeiter. Bei Betrieben, die nicht auf diese Weise mit anderen kooperieren, liegt der Vergleichswert bei 76 000 Euro. Unternehmen, die in Netzwerken zum Systemangebot produzieren, weisen zugleich ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 15 Prozent pro Jahr aus. Betriebe ohne vergleichbare Produktionskooperationen kommen dagegen im Schnitt nur auf 12 Prozent.

Derzeit sind 46 Prozent der deutschen Betriebe aus den Kernbereichen des Verarbeitenden Gewerbes in Produktionskooperationen eingebunden. Doch nur 8 Prozent der Unternehmen produzieren in Netzwerken mit mehreren Partnern gleichzeitig. Und vom Netzwerk zur "virtuellen Fabrik" ist es ein noch weiterer Weg. Eine "virtuelle Fabrik" nutzt avancierte Techniken zur zwischenbetrieblichen Vernetzung. Dazu gehört der standardisierte Datenaustausch mit Kunden oder Zulieferern. Übrig bleiben nach dieser Definition noch 3 Prozent der Betriebe, die diesem Leitbild in Ansätzen nahe kommen.

Es sind insbesondere große Unternehmen, die untereinander kooperieren (58 Prozent). Sie bieten mehr Anknüpfungspunkte. Seltener kooperieren kleine Unternehmen (43 Prozent), die nach Ansicht der Fraunhofer-Forscher damit Chancen vergeben, ihre begrenzten Ressourcen zu bündeln.

Signifikante Unterschiede zeigen sich auch im Ost-/West-Vergleich. Während in den alten Bundesländern 43 Prozent der Unternehmen Partnerschaften mit anderen Betrieben eingehen, liegt der Wert in den neuen Bundesländern bei 58 Prozent.

Bei der Zusammenarbeit unterscheiden die Forscher des Fraunhofer ISI zwei Arten: In vertikalen Kooperationen arbeiten Betriebe unterschiedlicher Produktionsstufen zusammen. Das erlaubt ihnen, gemeinsam qualifizierte Zusatzleistungen und integrierte Systemlösungen anzubieten. Insgesamt 24 Prozent der betrachteten Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe kooperieren in dieser Form, überdurchschnittlich häufig Hersteller von Geräten der Elektrizitätserzeugung und -verteilung (31 Prozent) sowie der Maschinenbau (28 Prozent).

Bei der horizontalen Kooperationen arbeiten Betriebe der gleichen Produktions- oder Marktstufe zusammen, um ihre Kapazitäten besser auslasten zu können. Solche Kooperationen werden von 36 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe eingegangen, überdurchschnittlich stark von Herstellern von Gummi- und Kunststoffwaren (44 Prozent). Der flexible Austausch von Kapazitäten bietet sich vor allem dann an, wenn ab und zu ein Auftrag ansteht, für den Kapazitäten gebündelt werden müssen. Daher sind hier Einzel- und Kleinserienfertiger mit 40 Prozent am häufigsten anzutreffen.

Nicht alle Unternehmen verfolgen den Aufwand und Nutzen ihrer Kooperationsaktivitäten konsequent. Zwar messen drei Viertel der vertikal kooperierenden Betriebe ihren Erfolg an der erzielten Umsatzsteigerung und 62 Prozent der horizontal kooperierenden dokumentieren ihre Kapazitätsauslastung. Doch weniger als die Hälfte der Betriebe kontrollieren, ob sie tatsächlich Kosten einsparen. Eine noch geringere Zahl misst den Zeitaufwand. Dabei trägt die bewusste Messung von Zielgrößen sowie die gezielte Steuerung einer Kooperation maßgeblich zum Erfolg der Zusammenarbeit bei.

Um Unternehmen auf die Vorteile zwischenbetrieblicher Zusammenarbeit aufmerksam zu machen, schreibt das Fraunhofer ISI zusammen mit dem Institut für Fabrikanlagen und Logistik IFA der Universität Hannover sowie der Wochenzeitschrift Wirtschaftswoche und dem Fachmagazin Industriemanagement zurzeit den Wettbewerb "Die beste Kooperation 2002 - Produzieren mit Erfolg" aus. Der Wettbewerb wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmenkonzept "Forschung für die Produktion von morgen" gefördert und soll gerade kleine und mittelständische Unternehmen ansprechen.

Der Bewerbungsbogen, der gleichzeitig eine Checkliste für die Leistungsfähigkeit einer Kooperation darstellt, kann aus dem Internet heruntergeladen werden.
Die vorliegende Untersuchung stützt sich auf Daten von 1.630 Firmen aus den Kernbereichen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie bilden einen repräsentativen Querschnitt. Die Chemische Industrie ist zu 10 Prozent, Hersteller von Gummi- und Kunststoffwaren sind zu 13 Prozent, Hersteller von Metallerzeugnissen zu 25 Prozent und der Maschinenbau zu 28 Prozent vertreten.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Gerhard Samulat | idw
Weitere Informationen:
http://www.die-beste-kooperation.de
http://www.isi.fhg.de/pr/2002de/pri062002.htm

Weitere Berichte zu: Kapazität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten