Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auch bei Banken gilt: Es prüfe, wer sich bindet

02.03.2009
Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Susanne Maurenbrecher untersuchte im Rahmen ihrer Promotion an der TU Chemnitz, welche Rolle Kernkompetenzen bei der Fusion von Sparkassen spielen

Mit 2,79 Milliarden Euro übernahm die Deutsche Bank im September 2008 fast 30 Prozent der Deutschen Postbank AG - ein Zusammenschluss, der für Aufsehen sorgte, aber dennoch nur einer von vielen.

Zum Jahresende 2007 gab es in Deutschland 635 Kreditinstitute weniger als sieben Jahre zuvor - so die Statistik der Deutschen Bundesbank. Grund waren in den meisten Fällen Fusionen. "Die Institute wollen so ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken", erklärt Dr. Susanne Maurenbrecher, die sich im Rahmen ihrer Promotion an der TU Chemnitz unter anderem damit beschäftigt hat, wie sich der Umgang mit Kernkompetenzen auf den Erfolg von Sparkassenfusionen auswirkt.

"Untersuchungen ergeben, dass viele Bankenzusammenschlüsse nicht erfolgreich sind. Das liegt auch daran, dass bei den Diskussionen über mögliche Fusionen häufig nicht oder nur unzureichend beachtet wird, ob die Institute bezogen auf ihre Kernkompetenzen zusammenpassen", so Maurenbrecher, die an der Hochschule Harz in Wernigerode studiert hat, bevor sie an der Professur Unternehmensrechnung und Controlling der TU Chemnitz unter Betreuung von Prof. Dr. Uwe Götze promovierte. Inzwischen arbeitet sie im Controlling der Bank DnB NORD in Kopenhagen.

"Wichtig sind für erfolgreiche Fusionen insbesondere die Kernkompetenzen - also die Fähigkeiten, anhand derer sich die Unternehmen spürbar unterscheiden und Wettbewerbsvorteile realisieren", erklärt Maurenbrecher.

Finanzinstitute könnten beispielsweise mit ausgeprägter Kundennähe und intensiver Beratung punkten. Problematisch wird es, wenn bei Fusionen die Kompetenzen der einzelnen Institute zerstört werden - weil zum Beispiel viele Mitarbeiter die Sparkasse verlassen oder Abläufe geändert werden. "Damit können auch Wettbewerbsvorteile vernichtet werden", fasst Maurenbrecher ein Ergebnis ihrer Dissertation zusammen. Sie empfiehlt, die besonderen Stärken jedes einzelnen Hauses konsequent in den Fusionsprozess einzubeziehen. Die Ergebnisse hat Maurenbrecher anhand einer qualitativ ausgerichteten empirischen Untersuchung gesammelt, in der sie sieben Zusammenschlüsse von Sparkassen betrachtet hat. Hieraus leitet sie Gestaltungsempfehlungen ab, wie Kreditinstitute Fusionen kompetenzorientiert planen und durchführen sollten. Dabei gliedert sie den Zusammenschluss in vier Phasen: Strategische Planung, Vorbereitung, Transaktion und Integration.

Im Rahmen der Strategischen Planung sollten die Kernkompetenzen der einzelnen Institute sowohl identifiziert als auch bewertet werden und als Grundlage für die Auswahl des Fusionspartners dienen. Hierzu empfiehlt Maurenbrecher eine Stärken-Schwächen-Analyse entlang der so genannten Wertkette des Wettbewerbers, in der die strategisch relevanten Tätigkeiten des Institutes systematisch erfasst sind. "Dabei sollten alle zugänglichen Informationsquellen, die Rückschlüsse auf die Stärken und Schwächen des untersuchten Instituts zulassen, genutzt werden: beispielsweise persönliche Eindrücke und Kontakte auf Basis von Kooperationen, Kundengespräche, Geschäftsberichte und Presseartikel", erklärt Maurenbrecher.

Während der Phase der Vorbereitung sollten Banken das Instrument der Due Diligence-Prüfung nutzen, um ihren potenziellen Fusionspartner auf Herz und Nieren zu testen. "Ein Ergebnis der empirischen Untersuchung ist, dass in dieser Prüfung neben Kompetenzaspekten auch die Unternehmenskultur betrachtet werden sollte", berichtet Maurenbrecher und ergänzt: "Weiterhin hat die Untersuchung gezeigt, dass bei dieser Prüfung zwischen den beteiligten Sparkassen in der Regel bereits Einvernehmen über das Eingehen der Fusion herrscht. Die Due Diligence wird nur als eine Art Pflichtübung verstanden und nicht, wie bei anderen Banken, als ergebnisoffener Prozess, bei dem eine reelle Exit-Option besteht." Aufgrund dessen sei bei Sparkassen im Vorfeld der Due Diligence-Prüfung von einer relativ hohen Bereitschaft der Fusionspartner zur Offenlegung relevanter Daten und Informationen auszugehen. Zur Einbindung der Kernkompetenzen in diese Prüfung empfiehlt Maurenbrecher gemeinsame Workshops oder Einzelinterviews.

Die Transaktion schließlich umfasst bei Fusionen von Sparkassen lediglich die Beschlussfassung sowie die Vertragsunterzeichnung, sodass es für diese Phase keine kompetenzbezogene Handlungsempfehlung gibt. Zwei Hauptaufgaben benennt die Wirtschaftswissenschaftlerin hingegen für die Phase der Integration: Die Zusammenführung und den Schutz der Kernkompetenzen. "Banken sollten die Zusammenführung der vorhandenen Kernkompetenzen in Fusionsprozessen bewusst planen und gestalten, um sie auf diesem Wege erhalten und nach Möglichkeit sogar weiterentwickeln zu können", sagt Maurenbrecher und ergänzt: "Die Handlungsempfehlung richtet sich primär darauf, dass Banken ausgehend von ihren identifizierten Kernkompetenzen versuchen sollten, für diese ein ideales organisatorisches Umfeld innerhalb der geltenden Rahmenbedingungen zu schaffen."

Ein Bankenzusammenschluss mit den damit ohnehin einhergehenden Veränderungen kann schließlich genutzt werden, um ein Kernkompetenzmanagement fest zu etablieren. "Institute, die den Fusionsprozess kernkompetenzorientiert gestaltet haben und damit über fundierte Kenntnisse ihrer Kernkompetenzen verfügen, sollten dieses Wissen in eine institutionalisierte Managementform einbringen, um es auch zukünftig nutzen und die damit verbundenen Potenziale systematisch ausschöpfen zu können", erklärt Maurenbrecher.

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen sich für deutsche Sparkassen verallgemeinern. "Eine Übertragbarkeit bezogen auf Privat- und Genossenschaftsbanken ist allerdings methodisch nur bedingt gegeben", so Maurenbrecher. Die Dissertation ist erschienen im Verlag der Gesellschaft für Unternehmensrechnung und Controlling m.b.H. (GUC), Chemnitz.

Bibliographische Angaben: Susanne Maurenbrecher:
Bankenzusammenschlüsse im Fokus des Kernkompetenzansatzes:
Bezugsrahmen, Fallstudienanalyse, Gestaltungsempfehlungen. Chemnitz 2009, 420 Seiten, GUC Verlag, ISBN 978-3-934235-71-7, Preis: 49,95 Euro

Weitere Informationen erteilen Dr. Susanne Maurenbrecher, E-Mail susanne@maurenbrecher.de, sowie Prof. Dr. Uwe Götze, Telefon 0371 531- 26160, E-Mail uwe.goetze@wirtschaft.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise