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Bald so wie überall? - Strukturwandel der ostdeutschen Wirtschaft 1992-2006

01.12.2009
Mit dieser Frage setzen sich zwei Leipziger Wirtschaftswissenschaftler, in ihrem jüngst veröffentlichten Beitrag auseinander, der sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Ost-Deutschland seit der Wende beschäftigt.

Ihr Augenmerk gilt dabei der sektoralen Entwicklung: Der relativen Stärke der einzelnen Branchen in Ostdeutschland und dem ostdeutschen Branchen-Mix. Dieser dämpft nach den Ergebnissen der Autoren gegenwärtig die Erwartungen an Ausmaß und Tempo des Aufholprozesses.

Welche Fortschritte dabei gemacht wurden, welche Probleme noch bestehen und wie sich die ostdeutsche Wirtschaft heute in sektoraler Hinsicht positioniert, untersucht der dieser Tage erschienene Beitrag.

"Im Zuge der Feiern zum der 20. Jahrestag der friedlichen Wende wurde vielfach und zu Recht der beachtliche ökonomische Aufholprozess der ostdeutschen Wirtschaft hervorgehoben. Dabei haben jedoch zwei Aspekte wenig Beachtung gefunden, die für die Bewertung und die Abschätzung des weiteren Weges dieses Prozesses von ent-scheidender Bedeutung sind: die relative Stärke der einzelnen Branchen in Ostdeutsch-land und der ostdeutsche Branchen-Mix. Vor allem letztere dämpft gegenwärtig noch die Erwartungen an Ausmaß und Tempo des Aufholprozesses.", sagt Prof. Dr. Ulrich Heilemann, Direktor des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Leipzig, der gemeinsam mit Dipl.-Volksw. Stefan Wappler vom gleichen Institut Autor des Beitrages ist.

Entwicklung ostdeutscher Wirtschaft zunehmend von gesamtdeutscher Wirtschaft bestimmt

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Entwicklung der ostdeutschen Länder nach Ende der stürmischen Expansion in den frühen 1990er Jahren zunehmend von der gesamtdeutschen Entwicklung bestimmt wird. Geht es der deutschen Wirtschaft insgesamt gut, geht es auch der ostdeutschen Wirtschaft gut.

Die Verringerung des Abstands in der Wirtschaftsleistung zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern ist primär Resultat der besseren Entwicklung der einzelnen Branchen und Sektoren und nicht Folge einer besonders wachstumsträchtigen Branchenstruktur, ist ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung. Die vorhandene Struktur hat im Gegenteil im Durchschnitt des Untersuchungszeitraums das ostdeutsche Wirtschaftswachstum um ca. ein Fünftel pro Jahr, in einzelnen Jahren allerdings auch um bis zu zwei Drittel gebremst.

Herausbildung alter und neuer Spezialisierungsmuster

Nach dem Versuch der DDR die Wirtschaftstruktur der Regionen durch gezielte Industrieansiedlung landesweit zu homogenisieren, bilden sich heute zunehmend wieder die alten sowie neue Spezialisierungsmuster (z. B. der Verkehrssektor in Brandenburg) heraus. So zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen den eher vom Verarbeitenden Gewerbe geprägten südlichen Ländern (Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen) und dem vom Dienstleistungsgewerbe geprägten Brandenburg oder dem stärker landwirtschaftlich und touristisch orientierten Mecklenburg-Vorpommern ab. Dabei gilt für alle ostdeutschen Länder, dass die gemessen am Entwicklungsstand der (ost-) deutschen Wirtschaft zu erwartende Tendenz zur (reinen) Dienstleistungsgesellschaft durch die strukturelle Entwicklung der letzten Jahre zumindest gebremst wurde.

Demografische Entwicklung wirkt Angleichung entgegen

Insgesamt hat sich die Wirtschaftsstruktur in qualitativer Sicht gerade in den letzten Jahren insofern verbessert, als die einigungsbedingt überhöhten Anteile bei den Öffentlichen Dienstleistungen und im Baugewerbe deutlich zugunsten der Privaten Dienstleistungen zurückgegangen. Dass sich dies nicht in insgesamt höheren Wachstumsraten widerspiegelte, ist zum einen dem Branchenmix geschuldet, zum anderen der zurückgehenden Bevölkerung. Es ist zu befürchten, dass die demographische Entwicklung, namentlich im Vergleich mit den westdeutschen "Zuwanderungsregionen", auch weiterhin der Angleichung entgegenwirkt.

Untersuchungszeitraum der Arbeit ist der Zeitraum 1992 bis 2006. Methodische Grundlage sind der Shift/Share-Ansatz und die "Norm-Struktur-Hypothese". Erstere gestattet es, statistisch die Bestimmungsgründe der sektoralen Entwicklung zu identifizieren. Die Norm-Struktur-Hypothese gibt Hinweise zur Bewertung der aktuellen Sektorstruktur und ihrer weiteren Entwicklung.

Vollständiger Beitrag in: Ifo-Schnelldienst, 62 Jg. (2009), Heft 18, S. 30-37

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de
http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/b-publ/b2journal/20publsd/_publsd?item_link=SD18-09Abstract.htm

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