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Arbeitsteilung ermöglicht bessere Anreize für Arbeiter und trägt so zur Erhöhung der Qualität von Produkten bei

04.09.2008
Zu wenig Köche verderben den Brei

Aufsatz von Dr. Wendelin Schnedler vom Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg und einer Kollegin von der Université Paris Dauphine

Ökonomen beschäftigen sich mit Arbeitsteilung spätestens seit Adam Smiths legendärer Darstellung der Spezialisierung in einer Stecknadel-Manufaktur in seinem berühmten Buch "Wohlstand der Nationen." Doch auch heute werden noch neue Einsichten über Arbeitsteilung gewonnen.

So beschreiben Marisa Ratto, Université Paris Dauphine, und Dr. Wendelin Schnedler, Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg in einem jetzt erschienen Aufsatz einen bisher unbeachtet gebliebenen Vorteil von Spezialisierung: Arbeitsteilung ermöglicht es, bessere Anreize für Arbeiter zu setzen und so die Qualität von Produkten zu erhöhen.

Die beiden Wissenschaftler beginnen mit der Beobachtung, dass in vielen Situationen nur das Produktionsergebnis beobachtbar ist, nicht aber wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist. So lässt sich zum Beispiel feststellen, ob ein Computerprogramm abstürzt oder nicht. Dagegen kann der Anwender oft nicht beurteilen, ob das Programm übersichtlich geschrieben ist oder ob das Programm nur durch intensives Ausmerzen von Fehlern zum Laufen gebracht wurde. Sollen später Veränderungen an dem Programm vorgenommen werden, kann der nicht sichtbare Unterschied aber sehr wichtig werden: Ein übersichtlich geschriebenes Programm lässt sich viel leichter anpassen.

In solchen Situationen ist es unmöglich, Einfluss auf die Vorgehensweise des Arbeiters zu nehmen. Zahlt man einem Informatiker genügend dafür, dass ein Programm fehlerfrei funktioniert, dann erhält man in der Tat ein Programm, das läuft. Allerdings wird der Informatiker so vorgehen, wie es ihm gefällt. Fällt ihm zum Beispiel das Ausmerzen von Fehlern leichter als das saubere Programmieren, dann wird er sich nicht die notwendige Mühe machen.

Die neue Einsicht von Ratto und Schnedler ist nun, dass solche Probleme durch Arbeitsteilung gelöst werden können. So könnte man zum Beispiel zwei Informatiker anstellen: einen für das eigentliche Programmieren (Programmierer) und einen für das Beheben von Fehlern (Debugger). Der Programmierer erhält einen hohen Bonus, falls das Programm fehlerfrei läuft, der Debugger bekommt nur eine relativ geringe Belohnung. In diesem Arrangement hat der Programmierer starke Anreize, sauber zu programmieren. Denn verbleiben allzu viele Fehler im Programm, dann steht die Anstrengung des Debuggers in keinem Verhältnis zu der kleinen Belohnung. Der Programmierer kann also nur sicherstellen, dass er seinen Bonus erhält und das Programm fehlerfrei läuft, wenn er dem Debugger die Arbeit einfach macht und sauber programmiert. Dasselbe Prinzip lässt sich natürlich auf andere Beispiele übertragen, in denen es mehrere Wege gibt, ein Ergebnis zu erzeugen. Und vielleicht schmeckt ja auch der Brei tatsächlich besser, wenn ein Koch für das Einkaufen der Zutaten zuständig ist und ein anderer für die Zubereitung?

Marisa Ratto and Wendelin Schnedler (2008): "Too Few Cooks Spoil the Broth: Division of Labor and Directed Production," The B.E. Journal of Economic Analysis & Policy: Vol. 8: Iss. 1 (Topics), Article 27

Der Aufsatz ist unter folgender Adresse verfügbar:
http://www.bepress.com/bejeap/vol8/iss1/art27
Rückfragen von Journalisten bitte an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
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