Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktuelles System der Manager-Vergütung belohnt extreme Risikobereitschaft

24.03.2010
Louis Velthuis schlägt vor dem Hintergrund der Finanzkrise Änderungen bei Anreizsystemen für Manager vor, um Fehlanreize künftig zu vermeiden

Falsche Vergütungssysteme für Manager tragen an der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise Mitschuld und sollten dringend geändert werden, um weitere Fehlsteuerungen zu vermeiden.

Wie Univ.-Prof. Dr. Louis Velthuis, Professor für Controlling an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, darstellt, verleiten die jetzigen Anreizsysteme Manager vor allem in der Bankenbranche dazu, hoch riskante Entscheidungen zu treffen, weil sie dadurch mehr verdienen. "Ich halte es durchaus für richtig, dass variable Vergütungsanteile gezahlt werden, die sich an dem Erfolg des Unternehmens orientieren", erklärt Velthuis.

"Die Anreize müssen aber so gesetzt werden, dass nicht in unverhältnismäßig riskante Projekte investiert wird, sondern in wertsteigernde Projekte mit adäquatem Risiko." Zusammen mit Univ.-Prof. Dr. Thomas Pfeiffer von der Universität Wien hat Velthuis Prinzipien für Management-Vergütungssysteme entwickelt, die im Sinne einer gesunden Unternehmenssteuerung sinnvolle Anreize gewährleisten. Ein zentraler Vorschlag ist, die Renditeziele gemessen am Eigenkapital von derzeit zehn auf vier bis fünf Prozent zu senken und eine Verlustbeteiligung einzuführen.

Ausgangspunkt der Finanz- und Wirtschafskrise waren US-Hypothekenkredite, die an Schuldner mit schlechter Bonität vergeben worden waren. Doch erst die Umwandlung dieser Kredite in handelbare Wertpapiere setzte das Karussell auf internationalem Parkett in Gang. Die Investition in undurchsichtige Risikogeschäfte versprach zunächst hohe Renditen. Tatsächlich aber gingen Investmentbanker weltweit damit ein zu großes Wagnis ein. Velthuis erläutert aus ökonomischer Sicht, inwieweit die gängigen Vergütungsmodelle für Manager dafür mitverantwortlich waren.

"Die Anreizsysteme sind seit Jahren falsch", so Velthuis, der dazu rät, den Anteil der variablen Entlohnung wieder zu senken. Bei den 30 größten deutschen, börsennotierten Unternehmen erhalten die Manager 30 Prozent ihres Einkommens als Festgehalt und 70 Prozent als Bonuszahlung. In den USA ist das Verhältnis noch größer. Problematisch ist allerdings, dass die Führungsriege ihr Anreizsystem selbst gestaltet und es keine wirkliche Kontrollinstanz gibt, weshalb nach Auffassung von Velthuis notfalls der Gesetzgeber einschreiten müsse. "Manager brauchen Systeme, die zu richtigen Entscheidungen für das Unternehmen führen, und nicht hauptsächlich Anreize, den eigenen Verdienst zu maximieren."

Fehlanreize entstehen nach Auffassung des Mainzer Betriebswissenschaftlers hauptsächlich aus drei Gründen: Insbesondere die mangelnde Verlustbeteiligung bei der Managerentlohnung führe zwangsläufig zur Überinvestition in riskante Projekte. Außerdem werde bei der Bemessungsgrundlage für die Vergütung seit Jahren mit Kapitalkosten von etwa zehn Prozent gerechnet - viel zu hoch, sagt Velthuis über diese Größe, die der geforderten Verzinsung aus Sicht des Geldgebers oder Shareholders entspricht und als "Werthürde" bezeichnet wird. "Tatsächlich werden sogar Zielvorgaben von 20 und 25 Prozent ausgegeben, was einen noch stärkeren Anreiz setzt, wertvernichtende statt wertsteigernde Projekte einzugehen." Schließlich würden zudem operative Bereinigungen vorgenommen, um zum Beispiel stillgelegte Geschäftsbereiche herauszurechnen - ein weiterer Faktor, der die teilweise extreme Risikobereitschaft von Managern in der Vergangenheit angekurbelt hat.

Er schlägt konkret vor, die Werthürden auf etwa vier oder fünf Prozent zu verringern: "Kapitalkosten dürfen keine Risikoprämie beinhalten, daher muss das Eigenkapital sozusagen billiger werden." Operative Bereinigungen, die in Einzelfällen bis zu 50 Prozent betrugen, dürften nicht dazu dienen, die Bemessungsgrundlage für die Manger-Vergütung "schönzurechnen". Velthuis spricht sich grundsätzlich für eine Managementhaftung aus, sodass sich eine negative Performance des Unternehmens auch beim Einkommen auswirkt. Grundsätzlich, vor allem aber bei Einführung einer Managementhaftung, müsse die Bemessungsgrundlage für die Vergütung - wie erörtert - anreizkompatibel gestaltet sein, fordert Velthuis. Sonst würden Manager zu wenige Risiken eingehen und es drohe die Gefahr der Unterinvestition.

Publikation:
Pfeiffer, T. and L. Velthuis. 2009. Incentive system design based on accrual accounting: A summary and analysis. Journal of Management Accounting Research (21): 19-53.
Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Louis Velthuis
Professor für Controlling
Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-23780
Fax 06131 39-23727
E-Mail: controlling@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.controlling.bwl.uni-mainz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index dreht wieder leicht ins Plus
23.05.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics