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Sicherheit in Tunneln und auf Brücken

11.11.2008
Ob bei einem Unfall oder einem Anschlag: Tunnel und Brücken sind besonders sensible Bereiche der Infrastruktur. Um sie sicherer zu machen, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm "Forschung für die zivile Sicherheit" nun ein Projekt, an dem auch Psychologen der Universität Würzburg beteiligt sind.

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In dem Verbundprojekt zum "Schutz kritischer Brücken und Tunnel im Zuge von Straßen" (SKRIBT) sollen mögliche Bedrohungsszenarien für diese Bauwerke identifiziert und daraus bauliche, betriebliche und organisatorische Schutzmaßnahmen abgeleitet werden.


Die Würzburger Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Psychologie I untersuchen insbesondere die psychologischen Faktoren, die das menschliche Verhalten vor oder während kritischer Ereignisse beeinflussen. Denn - so ihre Grundannahme - ein angemessenes Verhalten ist entscheidend, wenn es darum geht, solchen Situationen vorzubeugen oder sie zu bewältigen.

"Bei einem Unfall in einem Tunnel zum Beispiel neigen die Betroffenen dazu, zum viel weiter entfernten Tunneleingang zurückzulaufen, statt den nächsten Notausgang zu benutzen", sagt Professor Paul Pauli, der das Projekt mit Privatdozent Andreas Mühlberger leitet. Dieses Phänomen lasse sich dadurch erklären, dass in Stress- oder Bedrohungssituationen eine ganze Reihe von psychischen und körperlichen Veränderungen ablaufen: Die Aufmerksamkeit fokussiert sich auf den Unfallort. Andere, eventuell wichtige Informationen werden nicht beachtet beziehungsweise können schlecht verarbeitet werden. Der Körper wird aktiviert - man schwitzt, das Herz beginnt heftig zu pochen. "In so einem Zustand kann der Mensch nur schwer wohlüberlegt handeln und sich einen Fluchtplan zurechtlegen. Stattdessen wählt er aus einem Impuls heraus die vermeintlich sichere, da ja schon bekannte, Route zurück zum Tunneleingang. Oft mit verheerenden Folgen."

Ziel der Psychologen - am Projekt arbeiten außerdem Dr. Silke Eder und Diplom-Psychologin Johanna Brütting mit - ist es zum einen, präventive Maßnahmen zu erarbeiten und zum anderen schnelle und effektive Reaktionen im Krisenfall zu fördern: Es geht darum, wie Verkehrsteilnehmer zum Beispiel durch Schulungen und Informationsmaterial optimal vorbereitet werden können. Aber auch darum, wie Tunnel und Brücken gestaltet sein müssen, damit es erst gar nicht zu einer Krisensituation kommt. Nicht zuletzt wird untersucht, wie Betroffene potentielle Gefahrensituationen psychisch und physisch heil überstehen. Bei allen Fragestellungen werden Nutzer der Infrastrukturen, Betriebspersonal, Rettungsdienste und die Bevölkerung um das kritische Bauwerk herum betrachtet.

Virtuelle Welt zum Üben
Zusammen mit den Projektpartnern werden schließlich typische Bedrohungsszenarien in Tunneln sowie auf Brücken ausgewählt und dann in virtuellen Welten simuliert. Das hat den Vorteil, dass man Gefahrensituationen wie Unfälle oder Explosionen problemlos herstellen und menschliches Verhalten in diesen Situationen erfassen kann, ohne dabei die Menschen einer realen Gefahr auszusetzen.

"Durch unsere Experimente können wir effektiv und gefahrlos verhaltenssteuernde Variablen identifizieren, die für eine optimale Bewältigung der Situation entscheidend sind", erklärt Andreas Mühlberger. In einem letzten Schritt werden dann die Auswirkungen der Interventionen, die sich in der Virtuellen Welt als wirksam erwiesen haben, in realen Tunnel- und Brückensituationen überprüft.

Die Arbeit der Psychologen wird vom Bundesforschungsministerium mit rund 430.000 Euro gefördert. Neben den Würzburgern arbeiten neun weitere Verbundpartner - Bundesbehörden, öffentliche Forschungseinrichtungen und auch Firmen aus der Privatwirtschaft - am Projekt mit.

Weitere Informationen: Prof. Paul Pauli, T (0931) 31-2843, pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.skribt.org/
www.uni-wuerzburg.de/

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