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Lieferwägen verstopfen die Städte

12.06.2009
Verkehrsplaner: "Kontrolle des steigenden Güterverkehrs fehlt"

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Der stark ansteigende Güterverkehr hat zu wenig Raum, um die Versorgung der Innenstädte zu garantieren, was große Verkehrs- und Umweltprobleme auslöst. Zu diesem Schluss kommt das Schweizer Forschungsprogramm "Nachhaltige Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung".


Es analysiert aktuelle Probleme im Güterverkehr und zeigt Möglichkeiten für deren Überwindung. "Diese Probleme betreffen die meisten mittleren und größeren Städte Europas", berichtet Forschungsleiter Martin Ruesch vom Planungsunternehmen Rapp Trans AG im pressetext-Interview.

Von vielen unbemerkt, hat sich in den letzten Jahren die Struktur der Logistik des Detailhandels geändert. Hohe Immobilienpreise besonders in Innenstädten ließen Flächen für die Lagerung schrumpfen, viele Firmen setzen in der Anlieferung nur mehr auf externe Dienstleister. "Statt zu lagern wird heute alles 'just-in-time' geliefert. Damit nehmen die Sendungsgrößen ab und die Zustellung muss oft sogar mehrmals täglich erfolgen, besonders bei Frischprodukten in Supermärkten", erklärt Ruesch. Mehr und kleinere Lieferwägen werden daher eingesetzt, die trotz gleich bleibender Gütermenge für zusätzliches Verkehrsaufkommen sorgen. In den Städten hat der Güterverkehr innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte zugenommen und beträgt bereits ein Viertel des Gesamtverkehrs.

Dieser Zuwachs bringt zahlreiche Probleme mit sich. "Der Güterverkehr braucht immer mehr Raum auf den Straßen und zur Ladetätigkeit, doch den gibt es in vielen Städten nicht. Notgedrungen nutzt man daher zunehmend auch wild den öffentlichen Raum als Umschlagplatz." Darunter leide nicht nur die Zuverlässigkeit der Lieferung, sondern auch der Gesamtverkehr und die Lebensqualität der Städte. Zahlen belegen dies: Bei jedem dritten Verkehrsunfall im Jahr 2003 waren Liefer- oder Lastwägen involviert, während dies 1993 nur bei jedem vierten Unfall zugetroffen hatte. Staus nehmen zu, andererseits leidet auch die Umwelt. "In der Schweiz stammt bereits die Hälfte der verkehrsbedingten Stickstoffemissionen aus dem Güterverkehr, während dies 1980 nur ein Viertel war", berichtet Ruesch. Auch der Stadtlärm steige, zumal die technische Entwicklung in Richtung lärm- und schadstoffarmen Motoren bei Lastwägen langsamer voranschreite als bei Personenfahrzeugen.

Kritik äußert der Verkehrsexperte besonders an der mangelnden Sensibilisierung der Behörden. "Im Vergleich zum Personenverkehr wird der Güterverkehr in der Planung stark vernachlässigt, obwohl dieser weit stärker wächst. Pflichtenhefte der Verwaltung fehlen ebenso wie die Zusammenarbeit mit den Logistik- und Transportunternehmen." Statt einer überregionalen Zonenplanung, die auf die Bedürfnisse von Logistikanbietern eingehen würde, werden Gewerbezonen nur auf Basis der Gemeinden ausgeschrieben.

"Eine Lösung dieses Problems kann nicht durch eine einzige, sondern nur durch viele kleine Maßnahmen erfolgen", so Ruesch. Aus 70 möglichen identifizierte er acht geeignete Schritte, die in Summe die Situation verbessern könnten. Dazu gehören etwa die Schaffung überregionaler Industrie- und Gewerbezonen für intensiven Güterverkehr, die Vorschreibung eines fixen Schienenanteils der Umschlagterminals sowie die Schaffung eigener Zonen zum Be- und Entladen in der Innenstadt. "Solche Zonen existieren bereits in München, London oder auch Barcelona", berichtet Ruesch. Auch die unterirdische, zentrale Anlieferung sei denkbar, wie sie etwa am Züricher Hauptbahnhof geschieht, oder die Kennzeichnung von LKW-Routen. Der Schutz der Umwelt erfordere darüber hinaus emissionsärmere Lieferfahrzeuge sowie Maßnahmen zur Verringerung der notwendigen Lieferfahrten. "Das kann nur durch überbetriebliche Kooperation erfolgen, die Lieferungen bündelt", erklärt der Verkehrsplaner.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.schweiz
Weitere Informationen: www.nfp54.ch
www.rapp.ch

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