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Humanitäre Logistik für Hungerregionen

26.01.2010
Forschung zur Versorgungssituation in den Entwicklungsländern Afrikas

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Seit 1970 hat sich die Anzahl von Naturkatastrophen wie Erdbeben, Wirbelstürmen und Überschwemmungen versechsfacht. Weltweit sind dadurch immer mehr Menschen, besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern, auf die kurzfristige Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser, Kleidung und Unterkünften angewiesen.


Die mediale Berichterstattung über diese plötzlich einsetzenden Katastrophen lässt häufig vergessen, dass ein großer und wachsender Teil von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Afrika, permanenten Problemen bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern ausgesetzt ist. Nach Angaben der "Food and Agriculture Organization" stieg die Zahl der Hungerleidenden im Jahr 2009 erstmals auf über eine Milliarde Menschen. Das Problem betrifft mittlerweile rund 15 Prozent der Weltbevölkerung.

Vor diesem Hintergrund startete im Juni 2009 ein Forscherteam des Bereichs Logistik der Fakultät VII Wirtschaft und Management der TU Berlin unter Leitung von Professor Helmut Baumgarten das Projekt "Humanitäre Logistik". Ziel des von der Schweizer Kühne-Stiftung geförderten Projektes ist es, ein Instrumentarienportfolio für angepasste Logistikkonzepte zu entwickeln, das einen Beitrag für eine langfristig verbesserte Versorgungssituation in Entwicklungsländern Afrikas leistet. Dazu nutzen die Wissenschaftler einen ganzheitlichen Ansatz, der Technologie- und Wissenstransfer miteinander verbindet. Im Bereich Technologietransfer wird der Einsatz angepasster, vor Ort anwendbarer Technologien erforscht, die Neu- und Umgestaltung der Infrastruktur geprüft sowie Versorgungsketten durch alternative Routenplanung und Verkehrsträger optimiert. Die Wissenschaftler suchen dabei nicht nur nach neuen Wegen für die Nutzung vorhandener, jedoch in schlechtem Zustand befindlicher Eisenbahnlinien, Straßen sowie der Binnenseen. Sie binden in die Entwicklung angepasster Logistikkonzepte auch Logistikdienstleister ein, Hilfsorganisationen und afrikanische Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, um die logistische Leistungsfähigkeit der Länder zu verbessern und die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser und anderem nachhaltig zu sichern.

Damit die erarbeiteten Konzepte zukünftig selbstständig angewandt und weiterentwickelt werden können, arbeitet das Forschungsteam im Bereich Wissenstransfer gemeinschaftlich mit afrikanischen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen an der Entwicklung von Curricula, dem Austausch von Lehrinhalten, Dozenten und Studierenden sowie an Aus- und Weiterbil-dungsprojekten. Auf diese Weise wird nicht nur das notwendige logistische Know-how verbreitet, sondern auch ein gegenseitiges Verständnis geprägt, das die Akzeptanz der Projektarbeit sicherstellt.

In der gegenwärtig laufenden, zwei Jahre andauernden Pilotphase konzentriert sich die Forschungstätigkeit zunächst auf die Länder Tansania und Malawi. Perspektivisch werden weitere Länder, vor allem in Nord- und Westafrika, einbezogen werden. Die Forschungsreise der Wissenschaftler in die Pilotländer im Oktober 2009 bestätigte die Brisanz und Notwendigkeit der Forschungsthematik. In Interviews und Diskussionen mit Experten von Logistikdienstleistern, Bildungsinstitutionen, Hilfsorganisationen und Minis-terien vor Ort sowie der lokalen Bevölkerung wurde die Versorgungssituation analysiert. Untersuchungen von Häfen, Bahnhöfen, Flughäfen und Straßen dienten der Einschätzung der vorhandenen Infrastruktur.

Die Forschungsthematik ist die Fortsetzung der von Professor Baumgarten bereits 2002 begonnenen Arbeiten im Bereich der Katastrophenlogistik.

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Baumgarten, TU Berlin, Fakultät VII Wirtschaft und Management, Bereich Logistik, E-Mail: baumgarten@logistik.tu-berlin.de, Tel.: 030 / 314-26045

Dipl.-Volksw. Martin Keßler, Fakultät VII Wirtschaft und Management, Bereich Logistik, E-Mail: martin.kessler@logistik.tu-berlin.de, Tel.: 030 / 314-26045

Dr. Kristina R. Zerges | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

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